Dr. Motte über die Club-Situation in Berlin

Wir haben in der Juli-Ausgabe ein ausführliches Interview mit Dr. Motte anlässlich der Anfang Juli startenden Ausstellung „nineties berlin“ – Dr. Mottes Loveparade geführt. Einen kleinen Vorgeschmack auf das komplette Interview findet ihr hier.

 

FAZEmag:
In vielen Berliner Medien wird das Ende der elektronischen Musik-Bewegung proklamiert durch immer neue Auflagen. Wie schätzt du die Lage in Berlin ein und was hat sich in Berlin seit deinem Karriere-Beginn Ende der 1980er Jahre hinsichtlich Club-Kultur verändert?

Dr. Motte:
Die Clubs und Veranstaltungsräume in Berlin haben keinen Bestandsschutz, generieren aber 1,5 Milliarden Euro Umsatz in der Stadt. Das scheint aber egal zu sein. Der Berliner Rot-Rot-Grüne Senat privatisiert und monopolisiert lieber im Stillen den Berliner Schulbau. Gründet zusammen mit der Wirtschaft eine neue Wohnungsbaugesellschaft, um mit Steuergeldern neue Schulen zu bauen. Danach gehören die Schulen der HOWOGE und Berlin muss dann die Schulen mieten! Der Steuerzahler muss also zweimal für Schulen bezahlen. Die Berliner Kulturschaffenden haben keine ausreichende Lobby und deshalb können wenn, dann auch nur unbefriedigende Kompromisse erzielt werden. Da soll ein 100 Meter hoher Wohn- und Geschäftsturm dorthin, wo jetzt Suicide Circus, Urban Spree und Astra Kulturhaus stehen. Die sollen dann einen neuen Platz, weiter hinten auf dem Gelände bekommen, wo es schon jetzt haufenweise Anwohnerbeschwerden gibt… Weitere Eskalation ist also vorprogrammiert. So läuft das in Berlin. Schließlich muss ja Rendite generiert werden. Investoren bauen auch besonders gerne Shopping Center. Das zerstört unheimlich viel an bezahlbaren Wohnraum und nicht zuletzt die kleinen Shops und Boutiquen von kreativen Designern, Künstlern, Musiker, etc. Wenn diese Entwicklung nicht bald gestoppt wird, sehe ich für Berlin eine gähnend langweilige und eintönige Zukunft. Kulturelle Vielfalt bye, bye.