
Ein Pfarrhof ist normalerweise ein Ort für Gottesdienste, Gespräche und vielleicht den einen oder anderen Kaffee nach der Messe. Im niederösterreichischen Waldviertel wurde daraus allerdings ein ziemlich ungewöhnlicher Ort für ein geplantes Chemieprojekt. Ein ehemaliger Priester soll dort gemeinsam mit anderen Männern versucht haben, Crystal Meth herzustellen. Das Experiment scheiterte.
Der Gerichtsprozess dagegen läuft – zumindest theoretisch. Denn der mutmaßliche Komplize des sogenannten „Crystal-Meth-Pfarrers“ erschien am Montag bereits zum dritten Mal nicht vor Gericht. Der Prozess in Krems wurde deshalb erneut vertagt. Nun wird geprüft, ob der 32-Jährige zwangsweise vorgeführt werden soll.
Dreimal nicht erschienen
Der 32-jährige Zweitangeklagte soll laut Anklage im Juli 2024 gemeinsam mit dem damaligen Priester und zwei weiteren Männern versucht haben, in einem Pfarrhof Crystal Meth herzustellen. Der Plan hatte allerdings einen entscheidenden Haken: Die Anleitung war fehlerhaft und das geplante Drogenlabor funktionierte deshalb nicht. Beim Gerichtstermin scheint es dagegen an etwas anderem zu hapern: an der Anwesenheit des Angeklagten.
Bereits am 23. Oktober 2025 war er nicht zur Verhandlung erschienen. Auch am 1. Dezember 2025 blieb sein Platz im Gerichtssaal leer. Am Montag folgte nun Versuch Nummer drei. Oder anders gesagt: Der Prozess hat mittlerweile mehr Wiederholungen als manche Fernsehserie.
Ein Kilo Crystal war geplant
Die Geschichte hinter dem Verfahren ist ohnehin ungewöhnlich. Der mittlerweile 40-jährige ehemalige Priester aus Polen soll gemeinsam mit einem 25-Jährigen im Juni und Juli 2024 verschiedene Chemikalien über das Internet bestellt haben. Darunter befanden sich zehn Liter Salzsäure, eineinhalb Liter Diethylether und drei Liter Aceton. Die Substanzen wurden laut Strafantrag zunächst zu einer Paketstation nach Tschechien geliefert und anschließend ins Waldviertel gebracht.
Das Ziel: ein Kilogramm Crystal Meth herstellen.
Was nach einem ziemlich ambitionierten Chemieprojekt klingt, scheiterte jedoch an der Realität – genauer gesagt an der verwendeten Anleitung und den dafür vorgesehenen Substanzen. Laut Gutachten hätte die Herstellung damit ohnehin nicht funktioniert.
Der Pfarrhof wurde zum Tatort
Aufgeflogen war die Geschichte schließlich, weil einem Zeugen ein auffälliger Chemikaliengeruch aus der Wohnung des Priesters aufgefallen war. Außerdem soll er dort Laborequipment entdeckt haben. Die anschließende Hausdurchsuchung brachte die Ermittler auf die Spur des geplanten Drogenlabors. Im Juli 2024 wurde der Fall öffentlich bekannt, anschließend kam es zu mehreren Festnahmen. Man könnte also sagen: Der Pfarrhof hatte plötzlich deutlich mehr zu bieten als Weihwasser und Kirchenlieder.
Die anderen Angeklagten sind bereits verurteilt
Während der 32-Jährige weiterhin auf seinen Gerichtstermin wartet – beziehungsweise das Gericht auf ihn –, ist das Verfahren gegen die anderen Beteiligten bereits abgeschlossen. Der ehemalige Priester und ein 25-jähriger Mitangeklagter wurden im Oktober 2025 zu teilbedingten Haftstrafen von 22 beziehungsweise 15 Monaten verurteilt. Ein weiterer 25-Jähriger erhielt sechs Monate auf Bewährung. Die Urteile sind inzwischen rechtskräftig. Ins Gefängnis mussten die drei aufgrund der angerechneten Untersuchungshaft nicht.
Für den 32-jährigen Angeklagten könnte das Fernbleiben nun Konsequenzen haben. Laut Gerichtssprecher Ferdinand Schuster wird eine zwangsweise Vorführung geprüft. Das dürfte zumindest eine ziemlich eindeutige Botschaft sein: Beim nächsten Termin reicht es möglicherweise nicht mehr, einfach zu Hause zu bleiben und darauf zu hoffen, dass der Prozess irgendwann von selbst verschwindet. Der Prozess wurde jedenfalls zum dritten Mal vertagt.
Quelle: noe.orf.at
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