Fatboy-Slim-3


Seit einer gefühlten Ewigkeit gibt es in den Medien fast nur noch ein Thema – Mitte Juni hat sie endlich angefangen: Die Fußballweltmeisterschaft. Immer mit von der Party-Partie: Rave-Ikone und Kult-DJ Norman Cook alias Fatboy Slim, der mit der Compilation „Bem Brasil“ den alternativen Soundtrack zum umstrittenen Megasport-Event zusammengestellt hat.

Zugegeben: Das Konzept klingt auf den ersten Blick ein wenig merkwürdig. Ein typischer Engländer aus dem mondänen Badeort Brighton, der mit seinem knalligen Partysound die ohnehin schon heißblütigen Gemüter Brasiliens zum Überkochen bringt. Doch Fatboy Slim verbindet nun schon seit mehr als zehn Jahren eine leidenschaftliche Liaison mit Südamerika und seiner überschwänglichen Latino-Kultur, steht der 50-jährige Musiker/ Producer seit geraumer Zeit in regelmäßigen Abständen am anderen Ende der Welt an den Reglern und hat dort mittlerweile mehr Fans, als im heimatlichen Königreich. Nach dem letztjährigen Tanzflächenbrett „Eat, Rave, Sleep, Repeat“ hat Cook im Rahmen seiner selbst erklärten Mission als „inoffizieller Botschafter Brasiliens“ kürzlich mit „Fatboy Slim presents Bem Brasil“ seine ganz persönliche Sammlung mit WM-Stimmungshymnen zusammen geschraubt: Mit Tracks und Remixen von DJ Fresh, Gregor Salto, Psychemagik, Eats Everything, Dimitri Vegas & Like Mike, Claude Von Stroke und Joey Negro gegen die kommerzielle Sponsorenbeschallung von Coca Cola, Heineken und Co. Eine mit sorgsamer Hand ausgewählte Gegenreaktion auf „all diese cheesy WM-Hits, die absolut nichts mit dem Land, seiner Kultur oder seinen Menschen zu tun haben“, so der Fatboy leicht erregt. „Ich wollte etwas Authentisches machen, das nicht auf Kommerz und Geschäftsbeziehungen beruht, sondern meine Liebe zu Brasilien und seiner Bevölkerung reflektiert. Wenn man nach den klassischen Latino-Traditionals Lust auf ein wenig mehr Power hat, kann man nun meinen Sampler anmachen!“

Nach seiner gemeinsamen Arbeit mit Ex-Talking Heads-Frontmann David Byrne an dem Score zum US-Musical „Here Lies Love“ wühlte sich Norman Cook einen guten Monat durch seine Sammlung lateinamerikanischer Musik, um die Grundmotive für die Tracks von „Bem Brasil“ zusammenzustellen. „Mir ging es von Anfang an darum, diese typischen Karneval-in-Rio-Vibes zu erhalten. Alles sollte zwar modern produziert sein, aber nicht seinen ursprünglichen Charme verlieren. Vieles entstand in einer Sambaschule in El Salvador während des Karnevals.“ Eine Erklärung, weshalb die temperamentvolle südamerikanische Feiercrowd – allen voran die Südamerikanerinnen – so dermaßen auf den Signature-Sound des Bigbeat-Erfinders und Teilhabers an dem britischen Fußballclub Brighton Seagulls abfährt, hat Cook nicht wirklich parat, wie er grinsend zugeben muss. „Ich habe auch nie verstanden, warum brasilianische Frauen mich so sexy finden. Ich glaube, weil die Männer dort so unfassbar makellos und durchtrainiert sind, sind die Ladies gelangweilt und suchen sich Abwechslung bei bleichen, unmuskulösen Europäern wie mir…“ Nach „Bem Brasil“ sollte man laut Cook mit einem nächsten Fatboy Slim-Studioalbum in naher Zukunft lieber nicht rechnen, sieht sich der Brite doch momentan hauptsächlich als DJ. Doch zumindest hat man einen Last-Minute-Expertentipp in Sachen WM-Sieger im Ärmel. „Man kann nur gute Alben machen, wenn man wirklich Bock darauf hat und inspiriert ist. Vielleicht bin ich in zwei Jahren wieder so inspiriert, ins Studio zu gehen und eigene Tracks zu basteln. Bis dahin würde ich mir einen Sieg für Brasilien wünschen, denke aber, dass Argentinien den Pott am Ende holen wird!“

Fatboy Slim spielt am 12.08. bei Carl Cox’ Eventreihe Revolution im ibizenkischen Space. Mit dabei sind dann außerdem UMEK, Steve Rachmad und Carl Cox selbst. Weitere Gäste der Space-Dienstage bis zum 23. September werden Adam Beyer, Ben Sims, Danny Tenaglia, Davide Squillace, Green Velvet, Josh Wink, Laurent Garnier, Loco Dice uvm. sein.

 

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www.fatboyslim.net