FAZE_POLL2017

FAZEmag Jahrespoll 2016: Durchstarter


Die Durchstarter des Jahres – nicht zu verwechseln mit Newcomern. Die sind natürlich ein Teil dieser Kategorie, aber hier tummeln sich auch Acts, die man evt. schon auf dem Radar hatte, die aber im abgelaufenen Jahr einen besonders großen Sprung gemacht haben.

01. Enrico Sangiuliano
02. Ochs & Klick
03. Konstantin Sibold
04. Pappenheimer
05. Drumcomplex
06. Ben Dust
07. Dax J
08. Patrick Arbez
09. Christian Gerlach
10. Tim Engelhardt
11. Reinier Zonneveld
12. Jonas Saalbach
13. Victor Ruiz
14. Bjarki
15. Julian Wassermann
16. Matt Mus

Noch mehr Poll:
www.fazemag.de/jahrespoll2016
FAZEmag Jahrespoll 2015: Durchstarter

Enrico Sangiuliano im Interview

Bereits als Kind kreierte Sangiuliano in seiner Heimat Reggio Emilia, Italien, aus sämtlichen für ihn damals verfügbaren Gegenständen Geräusche und Töne. Dazu gehörten Töpfe, Pfannen und sonstige Gegenstände. In den Neunzigern erzeugte er als Teenager Sounds auf seinem Computer. Autodidaktisch erlernt er sämtliche Facetten der Produktion und beginnt, illegale Raves in Norditalien zu besuchen und aufzulegen. Heute zählt er zu den erfolgreichsten Techno-Akteuren weltweit. Belege dafür liefern in regelmäßigen Abständen u. a. die Beatport-Charts, in denen er mit seinen energetischen und deepen Produktionen teils monatelang Spitzenpositionen belegt. 2016 war er offiziell der Techno-Act, der bei Beatport die meisten Tracks verkauft hat. „X-Pollination“ belegte ganze acht Wochen den ersten Platz im Genre „Techno“ und erreichte auch in den allgemeinen Top 100 den Spitzenplatz. Sein Remix zu „Can You Hear Me“ von DJ Boris auf Alleanza ist der am längsten auf Platz 1 gewesene Techno-Track des Download-Portals, der dadurch auch der bestverkaufte Track des Jahres 2015 überhaupt war. Seine Veröffentlichungen erschienen bislang auf Imprints wie Drumcode, Truesoul, Alleanza, Gem Records, Octopus Recordings und Rhythm Converted. Die Liste der Errungenschaften könnte man an dieser Stelle ewig fortsetzen. Eine neue ist hier und jetzt dazu gekommen: Enrico Sangiuliano hat im offiziellen FAZEmag Jahrespoll mit „Best Track 2016“ für den Titel „Moon Rocks“ auf Drumcode und „Shootingstar 2016“ gleich zwei Kategorien gewonnen. Sein Remix zu „Why Does My Heart Feel So Bad“ von Moby taucht noch dazu in der Liste der besten Remixe des Jahres auf.

Enrico Sangiuliano

Enrico, wir gratulieren zu deinen Platzierungen im Jahrespoll: Gleich drei Kategorien hast du für dich entschieden. Wie geht es dir?

Danke, ich freue mich wahnsinnig darüber. Es ist fantastisch, zu sehen, dass das, was du mit deiner gesamten Leidenschaft und Liebe tust, so eine unglaublich gute Resonanz dort draußen erhält. Zumal das gar nicht meine Intention ist. Meine Musik war und ist schon immer etwas sehr Persönliches gewesen, ohne den Fokus auf Platzierungen oder Ergebnisse zu legen. Wenn diese jedoch auch noch positiv ausfallen, wie in diesem Fall, macht es das Ganze natürlich noch viel spezieller. Ich bin gerade in meiner Heimat in Italien und genieße meine Zeit mit der Familie und alten Freunden, nachdem ich mehrere Monate auf Tour war. Die Stimmung ist demnach friedlich und liebevoll.

Lass uns über den Sieger-Titel „Moon Rocks“ sprechen. Erinnerst du dich noch an die Produktion im Studio?

Ja, sehr gut. Es hat insgesamt drei Jahre gedauert, diese EP fertig zu bekommen. Es ist mir wichtig, meinen eigenen Stil in vier verschiedenen Stimmungen und einem wahren Höhepunkt zu definieren. Jeder einzelne Track auf der EP hat eine individuelle Bedeutung für mich. Sie dienen als eine Art Fenster zu meiner Seele und dem Weg, den ich gegangen bin. Nachdem ich die Tracks ein paarmal im Club getestet hatte, hatte ich im Gefühl, dass sie eventuell das Potenzial haben, für etwas mehr Furore zu sorgen. Dass der Hype so riesig wird, hätte ich aber niemals erwartet. Dass der Track dann auch noch bei Drumcode erschienen ist, ist so etwas wie die Kirsche auf der Torte.

2016 war generell ein extrem erfolgreiches Jahr für dich. Was macht dich deiner Meinung nach zum „Shootingstar“ des Jahres?

Definitiv, das Jahr war unglaublich. Zunächst möchte ich mich bei allen bedanken, die dafür gesorgt haben und die für mich gestimmt haben bei diesem Voting. Das bedeutet mir eine Menge und geht mir extrem nah. Ich habe sehr viele Clubs und Festivals besucht und war in Städten und Ländern, in denen ich niemals zuvor gewesen bin. Ein Highlight war mit Sicherheit das Loveland Festival, aber auch das ADE in Amsterdam. Die Weihnachtszeit habe ich dann in Guatemala und Südafrika verbracht – zwei extrem schöne Länder mit einer bezaubernden Kultur und Natur. Warum ausgerechnet ich der Shootingstar des Jahres bin, kann ich so nicht beantworten. Ich gebe jeden Tag mein Bestes und mache das, was mir Spaß macht.

Wie bereits erwähnt, ist auch dein Remix für Moby sehr gut weggekommen. Wie würdest du deine Interpretation im Vergleich zum Original beschreiben?

Ich bin ein großer Fan des Originals und habe das Ganze in einen Peaktime-Techno-Track verwandelt, dabei jedoch versucht, das Thema möglichst aufrechtzuerhalten, ganz besonders natürlich die Vocals, die den Track so stark prägen. Mit dem Ergebnis bin ich sehr zufrieden. Bei Remixen denke ich immer zunächst darüber nach, wie ich das Original in meine Vorstellung bzw. in meinen Sound integrieren kann.

Wie arbeitest du im Studio und welche Tools favorisierst du?

Ich benutze Ableton und Logic. Dazu sehr viele Plugins wie Massive, Sylenth One und natürlich auch jede Menge analoge Hardware. Meistens von Roland und auch von Korg in Form von Synthesizern. Zum Mixen und Mastern habe ich Brainworx, Izotope und UAD Stuff.

Wie hat sich dein Sound deiner Meinung nach im Laufe der letzten Jahre verändert?

Mein Sound war schon immer recht auf die Peaktime ausgerichtet. In der Regel versuche ich, das zu produzieren, was ich glaube, in meine Sets gut integrieren zu können. Als ich anfing aufzulegen, waren sehr viele Raves dabei. Das hat mich ungemein geprägt, sodass ich auch sehr viel Input aus Stilen wie Psychedelic, Trance und ebenso aus deepen Sachen bekommen habe. Mein Stil ist für mich eine stetige Entwicklung meines Selbst, ohne große Abweichungen nach links oder rechts.

In den kommenden Wochen und Monaten wirst du in Australien und den USA auf Tour sein. Was hast du außerdem geplant?

Die Aussichten auf einen ereignisreichen Frühling und Sommer könnten nicht besser sein. Ich freue mich auf alles, was dort kommt, habe mir jedoch immer wieder gezielt Zeiten im Studio freigeräumt, um das nicht zu vernachlässigen. Zu den großen Highlights zählen sicherlich das Loveland Festival und auch die Mayday in Dortmund, die ich erstmals bespielen werde. Auch arbeite ich an einer ganz speziellen Kollaboration und an weiterem Material für die nächsten EPs.

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