Eigentlich hatten wir ja zunächst lediglich unseren NI-Sachverständigen Martin Eyerer ein weiteres Mal darum gebeten, eine Neuerung von den Berliner Innovatoren zu testen. Das Produkt: der 2009 eingeführte Dauergroover Maschine in der Version MK2. Aber wie es bei derartig schlüpfrigen Maschinensex-Geschichten dann so ist, war auch Florian Meindl von den offensichtlichen Vorzügen des Gerätes derart angetan, dass er bei dem Test gleich mit eingestiegen ist. Ein derartiges Sandwich wollten und konnten wir natürlich nicht auseinanderreißen. Hier der Bericht.


Als inzwischen selbst Berliner ließ ich es mir diesmal nicht nehmen, das Testgerät persönlich bei Native Instruments abzuholen. Schon am Empfang sehe ich die Dinger hinter einer Glasscheibe zusammen mit dem vielfältigen  Extrazubehör ausgestellt. Anders sieht sie aus … und das machte mich schon mal sehr neugierig.

Wenige Minuten später halte ich die neue Maschine MK2 dann endlich in der Hand und bin, um es noch untertrieben zu sagen, sehr positiv überrascht. Dachte ich doch bis vor Kurzem noch, wer die Ur-Maschine besitzt, benötigt wohl die neue Version auf keinen Fall. Aber weit gefehlt! Die Verarbeitung, das angenehm höhere Gewicht und das schnittig neue Design machen das Gerät zu einem, wie  es neudeutsch so schön heißt: „Must Have“. Zurück in meinem Studio beschließe ich, meinen Freund und ebenfalls Maschine-Experten Florian Meindl zu einem gemeinsamen Test einzuladen. Wie zu erwarten, ist auch er sofort Feuer und Flamme. Und um es nicht völlig ausufern zu lassen, beschränken wir uns hier auf die unserer Meinung nach wichtigsten Verbesserungen im Vergleich zur Erstversion. Das Konzept des Hardware/Software-Hybriden dürfte ja hinlänglich bekannt sein.

Zu den harten Fakten:
Als optische Neuerung fällt direkt die silbergebürstete Aluplatte auf, die in Kombination mit dem weißen Gehäuse und einer sehr hochwertig gedruckten Beschriftung dem Gerät natürlich einen feinen Mac-Touch verleiht. Weiterhin erweist sich das neue Display als echter Augenschmeichler, das es weiße Schrift auf schwarzem Grund anzeigt und auch von der Seite noch gut lesbar ist. Übrigens: Wer andere Faceplate-Kolorationen bevorzugt, kann seine Maschine mit sogenannten „Custom Kits“ noch persönlicher gestalten. Bereits erhältliche Faceplate-Farboptionen wie „Solid Gold“, „Dragon Red“ oder „Pink Champagne“ dürften hierbei nur der Anfang eine bunten Farbreigens sein. So dürfte es auch nur eine Frage der Zeit, bis uns erste Artist-, Graffiti- und ähnliche Sondereditionen anblinken.

Auch hat sich NI hat offenbar einige User-Feedbacks zu  Herzen genommen und realisiert. So wurde beispielsweise die USB Buchse weiter ins Gehäuse eingelassen, sitzt somit fester, und gibt beim Live-Einsatz ein sicheres Gefühl. Denn bei so manchem USB-Controller sitzt das Kabel doch reichlich locker und kann versehentlich rausrutschen. Worst Case!

Beim Einschalten fallen dann sofort die Leuchtpads auf, die bidirektional arbeiten. Also den jeweiligen Software-Status der einzelnen Kissen (Belegung, Gruppierung, Anschlag, Stummschaltung etc.) in Farbe und Leuchtintensität unmissverständlich anzeigen. Auch erweisen sie sich im Druckverhalten nun als erheblich präziser und fühlen sich einfach gut an. Auch die Buttons wurden optimiert und besitzen beim Drücken einen spürbaren Anschlag mit dezentem „Click“-Sound. In der vorherigen Maschine-Version hatte man zudem noch für jeden Parameter einen Drehknopf, was sich allerdings als Nachteil erwies. Zu oft verstellte man im Zuge rasanter Arbeitsprozesse versehentlich einen der drei Parameter. Die Lösung: Ein gemeinsamer Endlosdrehregler für Volume, Swing und Tempo, umschaltbar über zugehörige Buttons und dank Rasterung schnell und exakt einstellbar. Zusammen mit dem gleichfalls überarbeiteten Transportsektion mag die Zahl der Hardware-Neuerungen zunächst gar nicht so dramatisch erscheinen. Jedoch vermitteln die verbesserte Haptik und das übersichtlichere Layout im Zusammenspiel ein völlig neues Gefühl von Hochwertigkeit und heben die Maschine definitiv in die Oberliga.

Wir werden weich:
Maschine ist ohne Software ja prinzipiell „nur“ ein MIDI-Controller. Deswegen macht es Sinn, sich auch die neue Software 1.8.1 näher anzuschauen, welche als Update fairerweise gratis heruntergeladen werden kann. Die Installation geht gewohnt schnell und unkompliziert vonstatten. Als erstes springt auch hier die neue Farbenvielfalt ins Auge und verleiht der Maschine etwas Magisches. Beim ersten Jammen auf den Pads stellte sich sofort ein Gefühl der Freude ein, inklusive des unwiderstehlichen Drangs, sofort einen Track einzuspielen. Und genau so sollte es auch sein, wenn man sich ein neues Tool anschafft! Da Florian und ich ohnehin schon begeisterte User des NI-Synthesizers „Massive“ waren, hat es uns natürlich gefreut, dass nun eine Vollversion im Lieferumfang enthalten ist. So hat Florian für sein Loop- und Sample-Label Riemann Kollektion bereits zwei Pakete mit eigenen Patches erstellt und auch ich selber habe Massive in vielen Produktionen verwendet. Tatsächlich funktioniert die Einbindung dieses (wie auch jeden anderen) Klangerzeugers absolut problemlos und erweitert die  Maschine-Möglichkeiten erheblich.

Eine wesentliche Neuerung sind die  Pitch-Shift und Time-Stretch-Features, die es erlauben, über einen sehr breiten Tempo-Bereich zu arbeiten. Klanglich sind Time-Stretch Algorithmen ja häufig von fragwürdiger Güte, die der Maschine zeigen sich jedoch sehr hochwertig und vermeiden unangenehme Verzerrungen, solange man es nicht hemmungslos übertreibt. Eine kleine, aber sehr feine Erweiterung möchten wir an dieser Stelle besonders hervorheben, nämlich den „Tube“-Mode im Saturation-Effekt. Dieser eignet sich wirklich perfekt zum Anwärmen steriler Digitalsounds und wird von uns bestimmt sehr häufig eingebunden werden! Ein komplett neuer Effekt ist auch hinzugekommen, genannt „Transient Master“, beispielsweise einer Kick-Drum zu noch mehr Durchschlagskraft verhilft.

Last but not least möchten wir auch noch die Möglichkeit auf Verlinkung der Pads erwähnen. Diese erlaubt es, komplexe Layerings für den Live-Einsatz zu erstellen. So kann man mit nur wenigen Pad-Schlägen ein ganzes Arsenal unterschiedlicher Groove-Ereignisse abfeuern und verliert dennoch nie den Überblick. Ein für viele immer wichtiger werdendes Thema ist auch Deejying in Verbindung mit Maschine. Bei der neuen Version kann man ganz bequem geräteübergreifend Sounds und Loops per Drag&Drop in Traktor ziehen und die neuen Remix Decks befüllen. Absolut empfehlenswert, sich damit einmal zu befassen!

Fazit:
Ihr merkt sicherlich schon an unserem euphorischen Text, dass die Maschine MK2 für uns auf jeden Fall eine unverzichtbare Neuerung darstellt, weil sie  klare Hardware-Verbesserungen auffährt. Wem der Luxus der farbigen Pads nicht so wichtig ist und ohne die haptischen Verbesserungen leben kann, ist im Zweifelsfalle aber auch schon mit dem neuen Software-Update ganz gut bedient. Denn diese läuft auch auf der Ur-Maschine und bringt neben Optimierungen in Performance und Workflow zwei neue Effekte sowie eine Vollversion vom „Übersynth“ Massive mit.

Test & Text: Martin Eyerer & Florian Meindl // FAZEmag 010/12.2012

Native Instruments Maschine Mk2
Hardware/Software Groove Hybrid

2 Displays (invers, 64 x 256 Pixeln)
16 Multicolor-Pads inkl. Velocity / Aftertouch
47 hintergrundbeleuchtete Buttons
8 Endlosdrehregler
1 Endlos-Push-Drehregler (30 Steps)
Host Transport Control
Sampler-Play Positionsanzeige
Time-Stretch- und Pitch-Shift Features
Neue Beat-Effekte
MIDI-In/Out, USB 2.0
Inkl. Massive, Komplete Elements
Austauschbare Faceplate „Custom Kits“
Preis: 599 EUR UVP
www.native-instruments.de