Sick Travellin
An diesem Mann kommt man derzeit einfach nicht vorbei, welche Gazette man auch immer aufschlägt. Auch ich habe mir Fritz Kalkbrenners zweites Album „Sick Travellin’“ einmal ganz genau angehört und es für verdammt gut befunden.

Stand er anfänglich noch im Schatten seines Bruders Paul, hat Fritz Kalkbrenner ihn in Sachen Standing mindestens hierzulande längst überholt. Meiner Meinung nach zu recht, denn schon sein erstes Album „Here Today, Gone Tomorrow“ konnte 2010 überzeugen und definierte mit Techno Soul gleich ein neues Genre. Deepness gepaart mit Funkyness, Disco, HipHop und Soul sind die musikalischen Zutaten dieses Longplayers. Ein berührender Mix, der ihn deutlich von den Produktionen seines Bruders abhebt – von dem von ihm co-produzierten und eingesungenen „Sky & Sand“ einmal abgesehen. Lässt Paul die Fans dieser Nummer mit seinen nachfolgenden Releases – wohl ganz bewusst – hängen, fängt Fritz sie mit seiner Musik wieder auf, nimmt sie beinahe zärtlich in den Arm und lässt sie so schnell nicht wieder los. Und so können sich auf seinen Sound (fast) alle einigen.

Das dürfte sich auch mit „Sick Travellin’“ nicht ändern, im Gegenteil … Fritz Kalkbrenner gelingt erneut der Spagat zwischen credibiler Club- und chartkompatibler Popmusik wie keinem anderen Künstler des Genres. Melancholie und Happiness, Stärke und Zartheit, Club und Wohnzimmer, Instrumental und Vocal – bei Fritz halten sich die Gegensätze stets die Waage und ergänzen sich nahezu perfekt. Und dabei ist „Sick Travellin’“ noch ein ganzes Stück runder, ausgefeilter, erwachsener und detailverliebter als sein Vorgänger. Nach dem Intro geht es mit „Chequer Heart Day“ gleich ab auf die Tanzfläche, und spätestens wenn die Vocals beim darauf folgenden „Get A Life“ einsetzen, entfaltet sich der ganze Charme der Fritz’schen Produktionen, die einen lässig über die Gesamtlänge des Albums von mehr als einer Stunde bei der Stange bleiben lassen. Vielleicht auch ein bisschen, weil Fritz mit dem vor Release des Albums verbreiteten Videoteaser einen Blick in sein Studio während der Entstehung dieses Songs gewährte und dank seiner recht natürlichen, angenehmen Art weitere Sympathiepunkte sammeln konnte.

Neben gefälligeren Nummern wie „No Peace Of Mind“, „Can’t Stand The Fire“ und der tollen Coverversion von Gil Scott-Herons „Willing“ sind es die treibenderen Tracks wie das technoide „Hummin’ Hills“ und das housige „By Any Means“, die das Paket rund machen. Für mich ist „Sick Travellin’“ schon Mitte Oktober eines der besten Alben des Jahres in diesem Segment. Und ja, ich lasse mir dabei durchaus den Vorwurf gefallen, dass Fritz Kalkbrenner auch ein bisschen Musik für Mädchen macht. Daran finde ich nichts Verwerfliches …

Gratis Download des Non-Album-Tracks „Scissor Kick“: