Neben der Tatsache, dass beide Metropolen mit demselben Buchstaben beginnen, verbindet Miami und München nicht sonderlich viel. Das Label Hatching Creatures jedoch, 2016 gegründet von zwei Musikliebhabern und Produzenten, sorgt für Abhilfe bei diesem Missstand. Der Sound ist hier breit gefächert und geht von deepen Sachen bis hin zu Techno. Groovige Basslines, Melodien und Vocals stehen oftmals im Fokus der gesignten Akteure. Wir haben mit den beiden Gründern Julian Velez aus Miami sowie Adriana Ruppert aka Ruppert, die mit ihrem Label bereits einige Showcases in beiden Städten organisiert haben, gesprochen.

Hatching Creatures

V. l. n. r: Ruppert, Riven, Julian, Maurizio


Wann wurde Hatching Creatures gegründet und was war beziehungsweise ist eure Idee hinter dem Label?

Julian: Hatching Creatures wurde im Sommer 2016 in Miami offiziell mit der Idee ins Leben gerufen, eines der herausragendsten Plattenlabels der Stadt zu werden. Eines der Ziele war es, mit Hatching Creatures den Stil von Miami zu repräsentieren. Kurz darauf hat das Label ein zweites Headquarter in München eröffnet, um die amerikanische und europäische Underground-Electronic-Music-Szene miteinander zu verbinden.

Wie habt ihr euch in der elektronischen Szene bewegt, bevor ihr das Label gegründet habt?

Ruppert: Neben dem Label sind wir Teil einer Crew, die einen Radiosender ins Leben gerufen hat, der Künstler des Labels beherbergt. Diese Underground-Musikplattform ist ein wichtiges Projekt für uns beide, da sie aufstrebende Künstler unterstützt. Der Radiosender sendet Podcasts, exklusive unveröffentlichte Musik und Interviews. Auch hatten wir eine DJ-Live-Streaming-Show namens „Studio Sessions Miami“, wo wir Live-Performances und DJ-Sets von lokalen Künstlern und weltweit bekannten DJs präsentiert haben.

Wie habt ihr euch kennengelernt und was verbindet euch beide?

Julian: Wir haben uns 2015 in Miami getroffen, durch einen Freund von mir, der zufällig Ruppert kannte. Wir wurden einander recht zügig vorgestellt und hatten direkt Ideen, wie wir unser Wissen bündeln und gemeinsame Projekte in Sachen Musikproduktion angehen können. Eine der ersten Kollaborationen war die Single „Cast Away“ mit einem Hauch Deep House. Nachdem wir an einigen Projekten gearbeitet hatten, wurde mir klar, dass wir nicht nur ähnliche Gedanken haben, sondern auch gemeinsam reisen und Dinge zusammen erleben möchten.

Ihr habt ein recht interessantes Cover-Artwork – welche Idee steckt hinter der aus einem Ei schlüpfenden Kreatur?

Ruppert: Wie in jedem Business spielt Marketing eine wichtige Rolle. Menschen neigen dazu, ihre Waren abhängig von der Präsentation des Produkts zu erwerben. Aus diesem Grund beauftragten wir einen Grafikdesigner, der maßgeschneiderte Zeichnungen erstellt. Die Idee zum Cover kam tatsächlich aus dem Nichts und Julian dachte darüber nach, ein anderes, eher fiktives Artwork zu wählen: „Ein Wal, der aus einem Ei schlüpft“, sagte er. Am Anfang begannen wir mit „traditionellen“ Tieren, aber dann haben wir beschlossen, die Kreaturen in blutige Zombies zu verwandeln, um sie zu aktivieren. (lacht)

Ein weiterer Punkt, der euer Label auszeichnet: Ihr seid komplett gegen Ghost-Producer.

Ruppert: Korrekt, denn wir sind ja nicht nur Label-Inhaber, sondern auch Produzenten. Daher wissen wir aus erster Hand, wie schwierig es ist, Musik auf einem Plattenlabel zu veröffentlichen beziehungsweise zu signen. Gleichzeitig wissen wir, wie frustrierend es ist, dass „Künstler“ in dieser Szene wachsen, während sie Ghost-Producer dafür bezahlen, ihre Hits zu machen. Es ist unfair gegenüber hart arbeitenden und talentierten Produzenten. Das schadet der Musikindustrie, denn sie zollt echten Komponisten keine Anerkennung. Mit unserem Label möchten wir dem entgegenwirken.

Eure Diskografie weist Releases von Künstlern aus der gesamten Welt auf. Welche Philosophie steckt hinter der Auswahl?

Julian: Wir sind der Meinung, dass jede Kultur einen anderen Einfluss auf die Szene hat. Hatching Creatures ist immer offen für Künstler aus der ganzen Welt und deren musikalischen Hintergrund. Musikvielfalt ist sehr wichtig, um eine größere Erfahrung für alle Beteiligten zu schaffen. Eines unserer Ziele ist es, uns innerhalb der Szene zu entwickeln, indem wir durch Veröffentlichungen auf unserem Label verschiedene Kulturen und deren Sicht auf die Musik zum Ausdruck kommen lassen. Wir sind stolz darauf, großartige Künstler aus Süd-, Mittel- und Nordamerika, aus Europa bis hin zu Australien und sogar aus Afrika verpflichtet zu haben.

Bei Beatport habt ihr bereits große Erfolge gefeiert, darunter zahlreiche Top-10-Tracks sowie Features auf der Startseite und mehr. Wie stolz macht euch das?

Julian: Wir glauben, dass Erfolg erreicht werden kann, wenn man diese Schlüsselwörter in die Praxis umsetzt: Kontinuität, Intensität und Professionalität. Laut unserer Vertriebsfirma ist Hatching Creatures eines von 60 000 offiziellen Plattenlabels auf dem Markt. Wir sind verdammt stolz darauf, jeden Monat in den wichtigsten elektronischen Musikgeschäften wie Beatport, Traxsource und Trackitdown in den Top 100 zu sein und solch ein positives Feedback zu erhalten. Es fühlt sich wie eine Art Belohnung an, zumal wir ein noch sehr junges Label sind.

Was sind eure Pläne für das Label?

Ruppert: Neben der „Hatching Creatures Radio Show“ in Zusammenarbeit mit dem neuen Radiosender in Miami www.ritmikradio.com präsentieren wir das Label mit einigen unserer besten Acts im September und Oktober auch in Panama City und in Medellín, Bogotá sowie Pereira in Kolumbien. Wir freuen uns auch über die Veröffentlichung unseres allerersten Vinyls mit dem Titel „Get The Funk“ von Maurizio Ruggiero und Danyelino, Remixe von Alexi Delano und mir inklusive. Darüber hinaus arbeiten wir auch daran, im nächsten Jahr auf Festivals vertreten zu sein – wie zum Beispiel MiamiMusicWeek –, und planen einige andere Shows verteilt auf ganz Europa. Da München der zweite Hauptsitz ist, zielen wir auch darauf ab, in der deutschen Szene zu wachsen, indem wir nationale Künstler verpflichten und Showcases im ganzen Land organisieren. Außerdem wollen wir im Sommer 2019 eine Hatching-Creatures-Tour durch Europa starten und so unsere Künstler vorstellen. Es gibt konkrete Pläne für Events in Deutschland, Italien, Spanien und Rumänien.

 

Der Hatching-Creatures-Innercircle
Ruppert
DJ, Produzentin und Musikerin aus Deutschland. Ihre Produktionen variieren zwischen Tech-House und deepem Techno, sind melodiös und bestechen nicht selten durch eingängige Vocals. Auf verschiedensten Portalen wurden ihre Tracks bereits gefeaturt. Ihr Titel „Adjust“ erreichte Platz 2 in den offiziellen Beatport-Charts in der Kategorie Minimal/Deep Tech. Mit ihrer großen Leidenschaft für afrikanische und südamerikanische Sounds sowie modulare und analoge Welten tourte sie bereits auf dem gesamten amerikanischen sowie europäischen Kontinent.

Julian Velez
In Miami ansässiger DJ und Produzent, der hauptsächlich von Minimal House und deepem Techno beeinflusst wurde und auch dafür bekannt ist, seine Musik auf recht erfolgreichem Niveau zu veröffentlichen – so erreichte zum Beispiel seine Single „Lock The House“ Platz 9 in den Beatport-Charts für die besten Releases aus dem Bereich Minimal/Deep Tech. Julian wurde außerdem viermal von Beatstats und Beatports Top 10 als Nr. 41 der „Best Minimal Producers“ ausgezeichnet. Auch er tourte bereits mehrfach durch die ganze Welt.

Riven Benavi
Aus Honduras stammend und in Chicago lebend, begeistert Benavi mit einem Sound, der sich durch düstere und groovige Elemente auszeichnet und dabei zweifelsfrei auf die nächtliche Peaktime abzielt. 2017 stieß er zu Hatching Creatures, nachdem er schon mehrfach bei Showcases mitgewirkt hatte. Sein Titel „Hialeh Con Pinga“ erreichte die 13. Position in der Kategorie „Deep Techno“.

Maurizio Ruggiero
Wie sein Name schon erahnen lässt, stammt Ruggiero aus Italien. In Miami beheimatet, ist der DJ, Produzent, Audio-Engineer und passionierte Musiker bereits seit 2005 in der Szene aktiv und spielt dabei eine bedeutende Rolle im Underground seiner Wahlheimat. Neben Releases auf Hatching Creatures, wo er für das Mastering und die nötige Qualität zuständig ist, hat er bereits auf zahlreichen weiteren Imprints veröffentlicht. Sein Titel „El Chongo“ erreichte die Top-10-Charts bei Beatport in der Kategorie „Best Minimal“.

 

Aus dem FAZEmag 079/09.2018
Text: Triple P
www.facebook.com/hatchingcreatures