Loveparade 2010 - ein Unglück hängt nach

Loveparade 2010 – ein Unglück hängt nach


Am 24.07.2010 fand die größte Tanzveranstaltung der Welt, oder das, was davon übrig geblieben war, die Loveparade in Duisburg im Ruhrgebiet statt. Es war die neunzehnte Loveparade. Was auf dem Kurfürstendamm in Berlin als Umzug unter ver- und entrückten Gleichgesinnten unter der Ägide von Dr. Motte begann und über die Jahre auf der Straße des 17. Juni zu einem Massen-Phänomen mit knapp einer Million Teilnehmern anwuchs, kostete an diesem Samstag im Juli 21 Personen das Leben. Mehr als 500 weitere Teilnehmer erlitten zum Teil schwerwiegende Verletzungen.

Gehen wir einen Schritt zurück. Die Loveparade wurde, nachdem die ausführende Veranstalter-GmbH Insolvenz anmeldete, in den Jahren 2007, 2008 und 2010 an wechselnden Orten im Ruhrgebiet durchgeführt. Vorgeschobener Grund für den Ortswechsel von Berlin in das Ruhrgebiet waren Meinungsverschiedenheiten mit der Stadt Berlin; in Wahrheit erhoffte man sich marketingwirksamen Rückenwind durch die hoch budgetierte RUHR 2010-Kampagne, deren Teil die Loveparade im Ruhrgebiet wurde.

Die Lopavent GmbH des Unternehmers Rainer Schaller schloss 2007 einen Vertrag mit der Wirtschaftsförderung metropoleruhr GmbH, der für die Jahre 2007 bis 2011 die jährliche Durchführung der Loveparade an wechselnden Orten des Ruhrgebiets beinhaltete. Nachdem die Paraden in Essen und Dortmund durchgeführt werden konnten – im Nachhinein stellte sich heraus, dass die öffentlich kommunizierten Zahlen massiv geschönt (euphemistisch formuliert) waren -, und die Parade in Bochum aus Sicherheitsbedenken abgesagt wurde, wuchs der Druck auf die Lopavent GmbH und die Köpfe der metropoleruhr GmbH. Deswegen wurde Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs unweit des Bahnhofs Duisburg, das im Frühjahr 2009 vom damaligen Polizeipräsidenten Duisburgs als nicht geeignet eingestuft worden war, doch zum Veranstaltungsgelände. Dieses haben wir uns – damals noch in Lohn und Brot bei einem anderen Techno-Magazin – in einer Streckenbefahrung im Frühjahr 2010 anschauen können. Als erfahrene Loveparade-Besucher aber Laien im Bereich Eventplanung taxierten wir die maximale Menge an Besuchern auf 300.000 Personen.
Aus veröffentlichten internen Planungsunterlagen der Lopavent GmbH ging hervor, dass knapp 500.000 Gäste das abgesperrte Veranstaltungsgelände mit einer Fläche von 230.000 Quadratmetern über den Tag verteilt besuchen würden. Und das, obwohl den Veranstaltern, dem Ordnungsamt und der Polizei bekannt war, dass nur eine Besucherzahl von 250.000 Menschen genehmigt war.

Das Infame an dieser Tragödie ist natürlich das Leid der Betroffenen aber auch die Taktik des Schwarzen-Peter-Zuschiebens, was letztlich dazu führte, dass die Staatsanwaltschaft Bauernopfer an den Pranger gestellt und auf die Anklagebank gesetzt hat. Jeder gute Unternehmer hat einen Plan für das Worst Case Scenario. Und dazu gehört sicherlich auch, dass – wie wir Anfang der Woche berichteten – eine Bochumer Rechtsanwältin Zivilklage einreichen wird. Und diese Klage richtet sich gegen die Veranstalter und die Polizei. Aber die haben damit sicherlich schon am Vorabend des 24. Juli gerechnet.

Wir denken heute an die Opfer und hoffen, dass die Schuldigen bestraft werden.

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