Wie man weiß kann man bei diversen Anlaufstellen in der Schweiz seine Drogen gratis und legal auf den Inhalt testen lassen. Die Suchthilfestiftung Contact in Bern (Speichergasse 8) bietet zum Beispiel seit 2014 ein solches Angebot. Am Mittwoch publizierte die Beratungsstelle eine Bilanz. Die 1256 durchgeführten Tests zeigten auffällige Abweichungen bei den Partysubstanzen. Viele der getesteten Drogen sind sehr stark dosiert, mit Streckmitteln versetzt oder beinhalten „Zutaten“, die man bei Weitem nicht vermutet hätte.

Laborleiter Hans-Jörg Helmlin betreibt unter anderem schon seit 1998 eine mobile Analysestation und gilt als einer der Pioniere des Drug-Checking. Ein Trend, den Helmlin besonders bei Ecstasy-Pillen in den vergangenen drei Jahren beobachten konnte war, dass die Konzentration des psychoaktiven Wirkstoffes MDMA in den Ecstasy-Pillen stark zu genommen hat. Vor einigen Jahren war durchschnittlich in einem E ca. 80 mg MDMA zu finden. Heute liegt der Durchschnittswert bei 140 mg MDMA. Spitzenwerte liegen bei 240 mg MDMA pro Pille.
Ein Luxusproblem? Vielleicht. Aber weiter ist die Hochdosierung der Pillen ein Problem der Fehleinschätzungen. Viele gehen davon aus, dass eine Pille einen Trip entspricht. Erfahrene Konsumenten, bzw. Konsumenten, die die Wirkung einer „modernen“ Pille einschätzen können, teilen sich eine solche Pille über die ganze Nacht ein. Zumindest wird oft nicht mehr als die halbe Pille auf ein Mal geschluckt. Helmlin warnt ausdrücklich vor unwissentlicher Überdosierung. Denn geht man beispielsweise davon aus, dass eine Frau, die in etwa 50 kg wiegt eine ganze dieser hochdosierten Pillen nimmt, befindet sie sich schon an der Schwelle zur Lebensgefahr.

Neben der Gefahr von hochdosierten Ecstasys wird gerne auch mal etwas anderes in die Drogen reingemischt als man vermuten würde. Anabolika in Ecstasy-Pillen sind leider keine Seltenheit.
Heftiger wird es, wenn es um Kokain geht. Das Kokaingeschäft wird grötenteils von Schwarzafrikanern betrieben und die mischen so Allerlei in das weiße Pulver mit hinein. In sechs von zehn Kokaintests wird das Wurmmittel Levamisol festgestellt. Dieses Mittel kommt aus dem tierärztlichen Bereich und beeinträchtigt unser Immunsystem, je nach (Kokain-)Konsum mehr oder weniger. Auch weitere Mittel werden sehr oft als Täuschung unter das Kokain gemischt, z.B. Lokalanästhetika. Lokalanästhetika täuschen beim Probieren eine gute Qualität vor, weil es eben den typischen betäubenden Effekt von Koks nachahmt. Solche Mittel und Tricks sind für die Dealer verkaufsfördernd. Aber der Konsument bezahlt im Endeffekt eine Menge Geld für vorgegaukelte Substanzen.

Wer sich nicht die Wurmkur seines Hundes durch die Nase ziehen will. Oder irgendwelche Fake-Substanzen konsumieren möchte. Oder wer einfach wissen möchte, wie stark eine Pille dosiert ist. Der sollte auf Nummer sicher gehen und seine Drogen testen lassen. Leider gibt es in Deutschland keine vorbildlichen mobilen Drug-Checks auf Partys oder kostenlose stationäre Anlaufstellen, so wie in der Schweiz. Aber man hat auch hier die Möglichkeit seine Drogen testen zu lassen. In Apotheken und im Internet gibt es ähnliche Analysetests käuflich zu erwerben. Ein Blick hinter die Kulissen bzw. in die Substanzen lohnt sich. Safer Use!

Quelle: Berner Zeitung

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