Nicht nur unser August-Cover-Act Deborah De Luca, auch I AM BAM kommt aus der italienischen Hafenstadt Neapel. I AM BAM heißt in Wirklichkeit Bamdad, ein für europäische Verhältnisse ungewöhnlicher Name, der seine Wurzeln im Iran hat. Laut eigener Aussage bedeutet er so viel wie „Sunrise“ – und als „rising Act“ lässt sich I AM BAM, der erst seit Kurzem im elektronischen Zirkus mitmischt, mit Sicherheit einstufen. Wir haben ihn zu seinem musikalischen Background befragt und er hat nicht nur Antworten, sondern auch den aktuellen Mix des Monats geliefert.


Bamdad, du bist Wahlberliner. Woher kommst du ursprünglich und wieso musste es für dich Berlin sein?

Genau, ich wohne in Berlin, pendle aber regelmäßig zwischen meiner alten Heimat Neapel und eurer Hauptstadt hin und her. Berlin hat natürlich ganz allgemein eine große, internationale Anziehungskraft und erschien auch mir als der geeignete Ort, um mich als Künstler weiterzuentwickeln. Die Möglichkeiten, die sich hier bieten, haben mir in Italien doch gefehlt.

Doch obwohl Berlin für dich musikalisch den größeren Reiz hat, konntest du dich noch nicht ganz von deiner Heimat lossagen. Ist es der gute Kaffee, der dich regelmäßig nach Hause lockt?

In Neapel habe ich nach wie vor mein altes Studio, zu dem ich eine enge musikalische wie auch emotionale Verbindung habe – der Hauptgrund für das ganze Hin und Her.

Ich habe mir sagen lassen, dass Neapolitaner einen ausgeprägten Aberglauben haben. Gilt das auch für dich?

Das stimmt und trifft wohl auf sehr viele Leute dort zu. Das hängt meiner Meinung nach mit der alten Kultur und den verschiedenen Mythen zusammen, die sich dort bis heute hartnäckig halten – mit denen ich mich jedoch, ehrlicherweise, nie großartig beschäftigt habe. Ich pflege da eine andere Denke: Ich bin eher davon überzeugt, dass man für sein Schicksal selbst verantwortlich ist.

Das Schicksal selbst in die Hand nehmen und selbstständig Entscheidungen treffen – das hast du bereits in jungen Jahren getan. Queen sei Dank?

Ich bin wirklich ein großer Fan von Queen, insbesondere von Freddie Mercury. Hätte es diese Band nicht gegeben, würde ich selbst vermutlich auch keine Musik machen. Die Kreativität und Vielfalt, die von Queen ausgingen, haben mich begeistert und stark beeinflusst. Ich war sieben Jahre alt, als meine Mum sich im Fernsehen das Queen-Live-Konzert ansah – Wembley-Stadion 1986. Die Energie schlug auf mich über: Ich sprang wild umher, spielte Luftgitarre, fühlte mich wie Brian May und war mir fortan sicher, selbst einmal Musiker zu werden. Auch heute noch spüre ich diese Gänsehaut!

Wie ging es dann weiter?

Einige Jahre gingen ins Land, ich lernte Gitarre spielen und beschäftigte mich mit Klassik. Sich mit musikalischem Grundwissen auszustatten und zumindest ein bisschen den Bezug zu einem bestimmten Instrument herzustellen, kann ich übrigens nur jedem empfehlen. Klassische Musik war dann auch sehr wichtig für mich, besonders die Werke von Bach und Vivaldi. Mit 18 Jahren ging ich in die USA, arbeitete als Session-Gitarrist sowohl in New York als auch in Los Angeles und wurde außerdem Teil der Band The Mazons, mit der ich regelmäßig am Sunset Strip und in Hollywood spielte.

Klingt cool! Doch ganz erfüllt hat dich das noch nicht?

Von den USA ging ich nach Australien, genauer gesagt nach Sydney, und studierte eine Weile Marketing und Sales, was mich jedoch nicht zufriedenstellte. Die Zeit, die mir für die Musik blieb, war einfach viel zu gering – damit kam ich nicht zurecht. Schlussendlich zog ich zurück nach Europa und konzentrierte mich von da an voll auf meinen musikalischen Werdegang. Diese Zeit, fern von der Heimat, hat mich insgesamt reifen lassen und meinen Horizont deutlich erweitert.

Bisher, so scheint es jedenfalls, bestand also eher wenig Kontakt zur elektronischen Musikszene. Wie kam es zum Genrewandel?

Nun, da ich in Neapel aufgewachsen bin, kam ich natürlich schon im Teenie-Alter mit Techno, House und Disco in Kontakt. Ich erinnere mich noch gut, wie ich mit Klassenkameraden durch die Clubs zog und zum Sound von Marco Carola, Little Louie Vega oder anderen großen DJs feierte. Ich habe noch einige tollen Platten aus dieser Zeit in meiner Sammlung, die wiederum ihren Teil dazu beitrugen, dass ich mich mit Musikproduktion beschäftigte und letztendlich vollständig in elektronische Gefilde vorwagte.

Und ab 2016 kam mit deiner ersten Veröffentlichung der Ball dann so richtig ins Rollen.

Jahrelang hatte ich mit vielen anderen Musikern und Produzenten zusammengearbeitet, nun war es an der Zeit, den Fokus auf mein eigenes, ganz persönliches Projekt zu lenken – und so entstand I AM BAM. 2016 hat sich dann mit dem Release meines ersten Tracks „Lose Control“ auf Spinnin’ Records tatsächlich so einiges für mich geändert. Zu dieser Zeit verbrachte ich 17 bis 18 Stunden täglich im Studio, ich war absolut euphorisch. Mein Track lief zwei Wochen nach Release sogar auf BBC Radio 1 und damit hatte ich, obwohl ich alles in die Waagschale geworfen hatte, nun wirklich nicht gerechnet!

Darauf lässt sich natürlich aufbauen! In den letzten drei Jahren kam auch noch einiges dazu: Deine Musik wurde über Octopus Recordings, OFF oder auch Suara veröffentlicht. Wie geht es für dich musikalisch weiter?

Ende Juli erschienen im Rahmen der „Octopus Warehouse Series“ fünf neue Stücke, die Label-Boss Sian bereits im letzten halben Jahr stark supportet und oft gespielt hat. Für August ist neben meiner Single „Berlin” auf Monika Kruses Terminal M auch eine EP auf Paul Ritchs Label Quartz geplant. Ende des Monats, vielleicht aber auch Anfang September kommen drei weitere Nummern über Dense & Pikas Label Kneaded Pains.

Die geballte Release-Power im Sommer!

Wenn alles gut geht, erscheint gegen Ende des Jahres noch ein Remix für meinen Freund Sharam Jey. Mehr darf ich zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht verraten.

Du bist also ziemlich aktiv im Studio und der Output stimmt. Wie sieht es denn mit einem Album aus, wäre das nicht auch mal was?

Das habe ich auf jeden Fall auf meiner Liste, so viel steht fest. Wann es jedoch so weit sein wird, kann ich noch nicht sagen. Ein eigenes Album ist zwar nach wie vor eine tolle Sache, um sich einen Wunsch zu erfüllen oder sich als Künstler speziell auszudrücken, jedoch spielt das Format selbst eine viel kleinere Rolle als damals in den 70ern, 80ern oder 90ern. Da führte ja kein Weg am Album vorbei, ganz egal in welchem Genre. Vier bis fünf Tracks pro Release halte ich heute für die optimale Menge.

Wie du vorhin schon erwähnt hast, kommst du regelmäßig zurück nach Neapel wegen deines Studios. Hast du dort spezielles Equipment stehen? Welche Geräte nutzt du für deinen Sound?

Um ehrlich zu sein nutze ich zurzeit nur noch meinen Computer mit Ableton 9 und einigen digitalen Tools. Ohne Sylenth und die Waves-Plugins für den Mix könnte ich zwar nicht mehr arbeiten, aber arg viel mehr braucht es auch nicht.

Das hört sich nach dem genauen Gegenteil deiner früheren Zeit als Musiker an.

Früher hatte ich allerhand fancy Zeug im Studio stehen, vor allem um meine Gitarren und andere Instrumente aufzunehmen. Aber die Arbeit damit raubte mir letztendlich zu viel Zeit und damit auch Kreativität. Nach und nach habe ich also Platz geschaffen und fühle mich heute besser. Wenn ich Ideen habe, dann möchte ich schnell und unkompliziert arbeiten können – andernfalls müsste ich damit klarkommen, diese besonderen Momente nicht ausreichend auszuschöpfen. Also: Keep it simple!

Welcher Workflow unterstützt deine Kreativität?

Alles beginnt mit der Kick und einer Bassline, die ich fast immer auf die gleiche Art und Weise baue: Die Kick kommt reverse, zusammen mit 909-Toms. Im Anschluss suche ich mir Vocals heraus, denn ich muss gestehen, dass ich da absolut drauf stehe! Wenn ich diese drei Elemente beisammen habe, kommt der Rest wie von allein.

Bring uns doch zum Abschluss noch auf den aktuellen Stand darüber, wo wir dich und deinen Sound diesen Sommer live hören können.

Im August und September komme ich in Europa ganz gut herum – da spiele ich Gigs in Irland, UK, Luxemburg, den Niederlanden und in Deutschland. Ich freue mich sehr darauf und bin gespannt!

Womöglich bei dem ein oder anderen Leser ums Eck?

In Deutschland sind bisher Gigs in Düsseldorf, Berlin, Würzburg, Hannover, Limburg und Siegen geplant. Wer nicht dabei sein kann, der kann das Treiben aber über meine Social-Media-Kanäle verfolgen, dort werden meine Sets live übertragen.

Aus dem FAZEmag 090/08.2019
Text: Julian Haußmann
Bild: Stefano Vacca