„Es spielt nicht wirklich eine Rolle, welches Equipment du benutzt, die Frage ist, wie du es benutzt“ – mit dieser Einstellung veröffentlichte der serbische Produzent nun bereits seine neunte EP auf Filth on Acid. Nach erfolgreicher Zusammenarbeit mit etablierten Labels wie Terminal M, Phobiq Recordings oder Soundspace muss er sich wohl kaum Sorgen um den Erfolg seiner Musik machen. Dabei begann seine musikalische Laufbahn erst im Jahr 2010. 2016 kam dann der erste große Erfolg mit dem Track „Syndrome“, der auf Phobiq Recordings veröffentlicht wurde. Schon bemerkenswert, in welcher Geschwindigkeit der Künstler es geschafft hat, die Aufmerksamkeit der Musikindustrie auf sich zu ziehen. In diesem Sinne gleiten wir doch mal in die Welt von Ilija Djoković und lassen uns von seinem dunklen Sound einnehmen – im besten Fall im Rahmen eines seiner DJ-Sets.

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Am 11. Januar erschien seine neue EP „Gravity“, die starken Anklang bei dem Labelboss und Produzenten Reinier Zonneveld fand. Der Kontakt kam nicht auf übliche Weise zustande: „Ich hatte Reinier bereits ein Demo zugesandt, doch erhielt leider nie eine Antwort. Ich wollte nicht lockerlassen, da ich unbedingt etwas Neues kreieren wollte. Es war mir wichtig, mich mit meiner Musik auch mal von einer anderen Seite zu zeigen. Emotional, aber trotzdem knallend. Ich traf ihn dann zum ersten Mal bei einem seiner Gigs im Berliner Watergate, als er zusammen mit Coyu spielte. Ich ging also auf ihn zu und fragte einfach, warum er sich meine Demos nicht angehört hatte. Im Anschluss hörte er dann rein und es gefiel ihm.“

Nun hat er bereits mit einigen herausragenden Künstlern zusammengearbeitet, die Arbeit mit dem Team von Filth on Acid stellte sich jedoch als besonders angenehm heraus. „Alle Labels, mit denen ich bisher gearbeitet habe, waren wirklich spitze. Im Moment jedoch genieße ich es besonders, mit den Jungs von Filth on Acid im Studio zu sein. Sie stehen voll und ganz hinter meinem Sound und unterstützen meine Musik. Die Arbeit verlief wirklich relaxt, ich genoss vollste Freiheit. Dazu kommt noch, dass alle in einem freundschaftlichen Verhältnis zueinander stehen, was wirklich toll ist.“

Während die ersten drei Titel seines Tonträgers seine typisch dunkle Note aufweisen, bringt der letzte Track „1991“ viele Emotionen und melodische Klänge zum Vorschein. An eine Pause ist erst mal nicht zu denken – Djoković versteckt nach wie vor seinen Kopf hinter dem Laptop, um seinem Traum einen Schritt näher zu kommen. Denn in Sachen Label hat sich Ilija noch etwas anderes in den Kopf gesetzt. „Zu meinen größten Idolen zählt Adam Beyer. Seit meinen Anfängen vergöttere ich ihn. Ich kann mir kein besseres Label für die Veröffentlichung meiner Musik vorstellen als Drumcode. Um das zu erreichen, arbeite ich sehr hart.“ Nicht gerade bescheiden, doch durchaus nicht unrealistisch. Alle seine Tracks weisen eine gewisse Drumcode-Note auf – es fehlt nur noch die Aufmerksamkeit des Labelbosses. Dabei begann die Arbeit im Studio erst in den letzten Jahren. „Ein ernstzunehmendes Niveau erlangte mein DJing erst im Jahr 2010. Zu Beginn spielte ich noch auf privaten Partys oder einfach nur für meine Freunde. Ich war schon immer ein sehr leidenschaftlicher Kerl. Musik ist das, was ich bin. Es liegt in meiner Natur, Musik zu produzieren. Damit begann ich dann im Jahr 2012. Wenn man ernsthaft ans Produzieren denkt, sind viele Dinge sehr wichtig. Auf der einen Seite die Übung, man muss sich erst mal ausprobieren. Hier und da ein Klick. Tutorials können da auch sehr hilfreich sein, genauso wie andere Künstler. Und auf der anderen Seite die Geduld. Sie ist der Schlüssel zum Erfolg, denn der kommt nicht von heute auf morgen.“

Dass man dabei nicht immer das neuste und teuerste Equipment benötigt, hat er nicht nur einmal bewiesen. „Ich arbeite immer noch nur mit Software, ohne Hardware als Waffe – unterstützt von meiner Fantasie und guten Ideen. Das gute alte Schlafzimmerstudio eben. Ich plane, dieses Jahr ein kleines Heimstudio mit einigen Drum Machines und Synthesizern zu bauen. Ich kann es kaum erwarten, richtig loszulegen.“ Welches Genre dabei für ihn das passende ist, war nicht auf Anhieb klar. Als er damit begann, sich für elektronische Musik zu interessieren, fiel die Wahl zuerst auf groovigen House und nicht auf sein jetziges Markenzeichen: Dark Techno. „Als ich mit der Produktion von Musik begann, konzentrierte ich mich erst mal auf UK/Garage. Wie man hört, änderte ich meine Richtung total. Ich folgte einfach immer meinen Gefühlen. Deepes Zeug, etwas Melodisches – das ist mein Ding. Auch Break-Beat oder Electro sind ein Muss.“ Stetige Weiterentwicklung ist ja auch nicht wegzudenken aus dem Leben eines Künstlers – ohne diese sähe es wohl eher düster und trist aus in der Musikbranche.

Ein Album von Ilija Djoković gibt es bislang noch nicht – und wie steht es eigentlich um den Wunsch nach einem eigenen Label? „Ich werde weiter an meinem Sound und meinen Skills arbeiten und mich voll und ganz auf das Erreichen meiner Ziele konzentrieren. Das bedeutet auch, dass die Gründung eines eigenen Labels erst mal nicht auf meinem Plan steht. Jedoch arbeite ich an einem Album, das ich nächstes Jahr veröffentlichen möchte.“ Und wie läuft die serbische Szene so? „Ich wohne in einer kleinen Stadt in der Nähe der Hauptstadt Serbiens. Belgrad ist natürlich ein Epizentrum unserer Clubbing-Szene. Wir haben das EXIT Festival in Novi Sad, eines der größten Events der Welt, und das wunderschöne Lovefest. Ich denke, das Potenzial in Serbien ist da, aber leider sind wir einfach ein armes Land. Das macht es problematisch.“

Besonders in Erinnerung geblieben ist dem DJ eine Party in Belgrad – das war im Jahr 2016, als Monika Kruse seine Terminal-M-Platte signierte. Kurz davor spielte sie seinen berüchtigten Track „Syndrome“, der die Menge zum Toben brachte. „Es war ein unglaubliches Gefühl und das erste Mal, dass ein so bekannter Künstler einen meiner Tracks vor meinen Augen spielte. Meine Knie zitterten, so nervös war ich. Aber vor allem war ich stolz. Man muss dazu sagen, dass dies zuvor keinem serbischen Künstler passiert ist und ich demnach große Anerkennung von meinen Leuten erhielt.“ Auf die Frage, was sich denn seine Eltern für ihn vorgestellt hatten, ertönt erst mal Gelächter. „Wie so oft wünschten sich auch meine Eltern eine ordentliche Ausbildung für mich. Als ich ihnen dann mitteilte, dass ich mein Studium abbreche, um als DJ und Musikproduzent zu arbeiten, waren sie verdammt sauer.“

 

 

Aus dem FAZEmag 84/02.2019
Text: Sofia Kröplin
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