Joey Negro
Über die Jahre hat sich mein Studio-Setup drastisch verändert. 1988 benutzten wir für alles einen Allesis MMt8 Sequenzer, ein Casio Sampler/Keyboard mit nur sieben Sekunden Sampling-Zeit und ein Yamaha tx8z. Anders als heute, wo man Datenspeicher im Überfluss hat, wurde man immer zu einer Entscheidung gezwungen.


In den 90ern hatte ich dann ein High-End Studio namens Unit 3. Ich benutzte es für ein paar Jahre und auf dem Papier schien es auch finanziell durchaus sinnvoll. Damals gab es noch viel mehr Geld im Musik-Business und ich machte immer gut bezahlte Remixe für Major-Labels, aber es bedeutete auch eine große Verpflichtung und in meinen Erinnerungen an diese Zeit habe ich die ganze verdammte Zeit im Studio verbracht! Unit 3 hatte ein massives 48-Track DDA Desk, Studer 24 Track, einen großen Live-Room und diese wundervollen Einzel angefertigten Lautsprecher von Roger Questhead. Das Ganze endete nach vier Jahren, da der Besitzer das Doppelte an Miete für das Studio haben wollte. Also musste ich ausziehen und alle akustischen Aufbauten im Studio zerstören, wie es Bedingung im Mietvertrag war. Das war offensichtlich das große Problem, in ein Objekt zu investieren, was einem nicht gehört.

In einer gewissen Weise verdarb mich Unit 3, denn meine nächste Bleibe war ein Raum in einem Gebäude mit verschiedenen Studios war – viel kleiner, mit einem kleineren Desk (das DDA hätte niemals reingepasst) und vergleichsweise beschissenen Genelec Lautsprechern. Wie auch immer, nach einem paar frustrierenden Monaten hat man sich an die neuen Umstände gewöhnt und dementsprechend gearbeitet. Das war als ich vom Programmieren mit Logic auf der Atari zum Mac wechselte. Mein Computer wurde zu meinem Bandgerät, auch für die Mix-Automation – was vorher eine Aufgabe für das DDA Desk war. Es war ein großer Wandel. Ein Computer ist viel flexibler als eine Bandmaschine, vieles ist einfach unkomplizierter und man hat mehr Möglichkeiten.

Heutzutage habe ich das Setup im Keller meines Hauses. Ich habe ein Soundtracs Solitaire Desk in den letzten zehn Jahren genutzt, und nachdem ich den Wert wieder erwirtschaftet habe, benutze ich es kaum noch. Ich denke darüber nach, es zu verkaufen und auf digital umzusteigen. Ich benutze immer noch Ventilverstärker von z.B. Tube-Tech, um den Sound wärmer zu gestalten. Seit den 90ern beitze ich einen Roland Juno 106 – der Synthie, den ich am meisten benutze, für ca. 70% meiner Produktionen. Er ist ein großartiger Allround-
Analog-Synthesizer und sehr unkompliziert in der Handhabung. Ich habe auch noch einen Jupiter-8, bei dem ich darauf achte ihn regelmäßig zu nutzen, da ich ihn erst vor ein paar Jahren gekauft habe und er sehr teuer war. Ich finde die Sounds nicht immer gut, wenn man sie durchscrollt, aber man findest immer mal einen, editierst ihn und am Ende passt er gut und hört sich toll an. Ich bin kein Analog-Snob, ich benutze meine Software Synthies sehr oft – Rob Papen’s Predator ist gut, genau wie Mini Monster. Momentan benutze ich das Filter
Plug-In Sugar Bytes WOW, das einen warmen Sound hat. Ich habe auch einen echten Fender Rhodes. Normalerweise programmiere ich solche Sounds zwar mit Scarbee von Logic, aber wenn der Rhodes der Mittelpunkt des Tracks ist, dann spiele ich den Sound auch darauf ein. Ich habe nur einen kleinen Live-Raum, den ich meistens für Vocals, Gitarren oder Bläser-Parts.

Songs produzieren ist ein laufender Prozess, und oft bastle ich an dem „finalen“ Mix Jahre nachdem ich ihn eigentlich schon fertig hatte. Manchmal ist das total zwecklos und bei anderen Sachen ist es dann der große Durchbruch und verbessert das Ergebnis drastisch. Man kann nicht sagen wie es wird, wenn man es nicht ausprobiert hat, denke ich. Idealerweise mag ich es, die Dinge erst mal liegen zu lassen und sie dann mit halbneuen Ohren noch mal anzuhören. Manchmal hört man auf Anhieb, wenn etwas falsch ist und man bekommt eine
bessere Perspektive, als wenn man es zwei Wochen durchgehend hört. Außerdem versuche ich es auf so vielen Systemen wie möglich zu hören, wie in Clubs, Hotels, im Auto oder auf dem Computer, um das Volumen auf verschiedenen Lautsprechern zu hören.

“The Secret Life Of Us” von Joey Negro & The Sunburst Band ist Mitte August auf Z Records erschienen.

www.soundcloud.com/joeynegro