Herbst 2010. Patrick Buck und Frederic Berger präsentierten ihr Kaiserdisco-Debütalbum In No Ones Shadow. Der Titel war Programm, denn zu diesem Zeitpunkt lief die noch recht junge Karriere der beiden Hamburger schon prächtig. Gut zwei Jahre vorher hatten sie sich erst zufällig im hanseatischen Nachtleben getroffen und zu gemeinsamen Studio-Sessions verabredet. Der Start einer selbstbewusst agierenden und spannenden Kooperation, die nun zu einem weiteren Höhepunkt gekommen ist: das eigene Label namens KD Music.

 Was vor einigen Jahren noch recht umständlich zu stemmen war, ist heutzutage dank WorldWideWeb, mp3 und diverser Downloadportale recht einfach zu starten: das eigene Label. Aber trotz aller offensichtlichen Erleichterungen ist es wiederum eine ganz andere Geschichte, ob es überhaupt Sinn macht, ob es irgendjemanden da draußen interessiert, dass es Label XY nun gibt. Zu groß ist inzwischen das Angebot, so dass es nicht leicht fällt, den Überblick zu behalten. Patrick und Frederic tragen den Gedanken der Labelgründung schon seit ihrem Kaiserdisco-Start mit sich herum, haben es aber erst vor kurzem in die Tat umgesetzt. Dafür gibt es diverse Gründe, die schließlich nur einen Schluss zulassen: Bei aller Leichtigkeit, überstürztes Handeln führt selten zum Erfolg.

Label Launch Kaiserdiscos Variante

Vorweg, es gibt natürlich viele Wege, die nach Rom führen und viele mögen auch dort ankommen. Und wo wir gerade dabei sind: Es gibt bestimmt auch keinen Königsweg, aber es gibt den Kaiserdisco-Weg, der durchaus plausibel klingt und schon zu diesem frühen Zeitpunkt zeigt (zum Redaktionsschluss war lediglich Katalognummer 001 veröffentlicht), dass die beiden eine gute Entscheidung gefällt haben.

Wie lange gab es schon die Label-Pläne?

Frederic: Als wir Kaiserdisco gegründet haben, hatten wir schon von Anfang an die Idee auch ein Label zu machen. Aber uns war es wichtig, dass wir erstmal unseren Namen etablieren, dass wir dann nach und nach auf bekannten Labels veröffentlichen. Uns war es wichtig, dass wir beim Launch ein gewisses Standing haben. Wenn man dann die erste Platte auf seinem Label releast, ist es eine ganze Ecke einfacher, als wenn man als Nobody auf einem Nobody-Label erscheint. Und man hat natürlich die Möglichkeit, andere Acts entsprechend mit unserem Background zu promoten.

 Am Anfang steht doch wahrscheinlich erstmal ein großer Berg Bürokratie …

Wir sind direkt zu unserem Steuerberater gegangen, haben uns umfassend informiert und sind dann zum Amt gelaufen, um eine GbR zu gründen. Dann kam natürlich der Gang zur GEMA und zum VUT*. Alles Sachen, um die man nicht herumkommt. Bis zu diesem Schritt hat man noch keinen Gedanken an die erste Platte verschwendet, aber schon ein paar Euro investiert. Der bürokratische Aufwand im laufenden Geschäft hält sich auch bisher in Grenzen, noch haben wir ja nicht viel veröffentlicht. Wir heften immer schön alle Belege ab, und unser Steuerberater macht den Rest.

 Wie ging es dann weiter?

Die Vertriebswege aktivieren. Wir haben ja vorher schon ein Account bei Beatport gehabt, das hat die Sache wesentlich erleichtert. Heutzutage ist nicht mehr so einfach, dort einen Zugang zu bekommen. Wir haben uns dann mit weiteren Händlern auseinandergesetzt, und da wir unbedingt auch Vinyl veröffentlichen wollen, haben wir uns mit decks.de zusammen getan. Die pressen das Vinyl für uns und kümmern sich um dessen Vertreib. Wir rechnen mit ihnen Stück für Stück ab und müssen nicht wie früher z.B. 500 Vinyls in Vorleistung pressen, die man dann ja auch erstmal verkaufen muss. Mittlerweile bieten einige Vertriebe dieses Vinyl-Modell an.

 Warum überhaupt wollt ihr noch Vinyl verkaufen, ihr selbst legt ja nicht mehr damit auf?

Wir sind damit groß geworden und haben das Gefühl, dass ein Label dadurch noch mal eine andere Wertigkeit hat. Und noch ist der Markt dafür vorhanden, unser Katalognummer 001 hat sich ziemlich gut verkauft. Wir veröffentlichen grundsätzlich nur auf Labels, die noch Vinyl anbieten, wie eben auf MBF, Drumcode oder 100% Pure Ausnahmen machen wir da nur für unsere Remixe.

 Und dann kann es endlich losgehen?

Fast. Wenn man es nicht selbst machen kann, braucht man natürlich noch einen Grafiker, der in unserem Fall auch direkt unsere Homepage gemacht hat. Und dann kommt natürlich noch die Promo. Das machen wir selbst, schließlich haben wir ja in den letzten drei Jahren einen guten Verteiler aufgebaut, und Agenturen kosten auch ihr Geld, was man auch erstmal mit seinen Releases reinholen muss.

 Wie sieht es generell mit den Einnahmen aus?

Wir würden das sicherlich nicht machen, wenn wir nicht auflegen würden. Es ist zwar ganz schön, dass du nicht mehr pauschal 50% abführen musst, wenn du auf deinem eigenen Label veröffentlichst, aber um davon leben zu können ist in unseren Sphären totaler Quatsch. Ein Release alle zwei Monate, da verdient man nicht wirklich viel.

Gibt es ein Szenario, bei dem ihr das Label einstellen würdet?

Wahrscheinlich, wenn wir uns so streiten würden, dass wir nicht mehr zusammenarbeiten könnten. Davon sind wir aber weit von entfernt. Oder wenn keiner mehr unsere Releases kaufen würde. Aber auch das ist nicht wahrscheinlich. Wir testen die Tracks regelmäßig auf unseren Gigs und würden nichts veröffentlichen, was uns nicht gefällt oder was beim Publikum ankommt.

Wie sucht ihr die Tracks für KD Music aus?

Wir bekommen immer und überall Promos. Sei es von befreundeten Künstlern zum Labelstart haben wir natürlich auch einen Aufruf gestartet oder eben per Mail von vielen Acts und Newcomern, die wir gar nicht kennen. Da gibt es dann die ganz Schlauen, die den ganzen Track in die Mail packen und so unsere Inbox sprengen. Viele schicken ein Snippet mit Link für den Download, aber am bequemsten finden wir doch einfach einen Soundcloud-Link für den ganzen Track. Da brauch man nichts laden und kann im Track immer hin und her springen.

Werdet ihr auch Alben veröffentlichen?

Sicherlich werden wir unseren nächsten Longplayer auf KD Music veröffentlichen, aber das wird erst im kommenden Jahr geschehen. Vorher wird keins veröffentlicht. Unser Album soll dann auch eine Art Probelauf sein, auch hinsichtlich der Promo, die dann natürlich etwas aufwändiger sein wird.

 La Familia (KD Music 001) von Kaiserdisco ist bereits im Dezember erschienen. Im Februar kam She Said/Tonkatsu (KD Music 002) von Arjun Vagale & Tim Richards auf den Markt.

Veröffentlicht wird immer zuerst auf Vinyl, etwas später exklusiv auf beatport und dann bei weiteren Download-Portalen.

 

So geht es weiter:
KD Music 003 – Oliver Klein & Kolombo – Party Party
KD Music 004 – F.Sonik – Safari Park / Forest People (Mai)

www.kaiserdisco.net

Kaiserdisco bei dir in der Nähe:
07.04. Harry Klein, München
08.04. Bootshaus, Köln
13.04. Blue Frog, Mumbai, Indien (Frederic)
14.04. Blue Frog, Dehli, Indien (Frederic)
25.04. Weekend, Berlin (Frederic)

* GEMA: Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte
www.gema.de

VUT: Verband unabhängiger Musikunternehmen e.V.
www.vut-online.de