Es gibt Dinge, die bedürfen eines kleinen Anstoßes von außen, damit sie ins Rollen kommen. Dinge, die ansonsten in dieser Form vielleicht nie passiert wären, weil sich zwei Wege dann doch nicht gekreuzt haben, sondern einfach weiterliefen wie bisher. Genug des Konjunktivs! Es ist passiert, die Wege kreuzten sich, die Dinge nahmen ihren Lauf und haben uns letztlich ein Album namens „Plaited“ beschert hat, das dieser Tage beim Jenaer Label Freude am Tanzen veröffentlicht wurde. Der Dank dafür geht an Karocel, dem ins Rollen gekommene Projekt von Marbert Rocel, Mathias Kaden und Michael Nagler.


Auslöser der Geschichte sind die Macher des Nachtdigital-Festivals. Wir schreiben das Jahr 2009 und Mathias Kaden war damals schon im zum sechsten Mal auf dem Festival, als er gefragt wurde, ob er sich nicht vorstellen könne im kommenden Jahr nicht als DJ oder mit Live-Set wiederzukommen, sondern mal was anderes zu machen. „Ok, ich komme mit einer Band“, war seine spontane Antwort, ohne darüber wirklich nachzudenken. Die Idee kam kurz danach: Marbert Rocel, ebenfalls Stammgäste auf dem Nachtdigital. Das Quartett aus Erfurt und Leipzig, bestehend aus Spunk, Malik, Martin Kohlstedt und Panthera Krause, sagte sofort zu, ebenso wie Michael Nagler, der Kaden regelmäßig als Drummer und Percussionist auf seinen Gigs begleitete und der auch bei Douglas Greed in der Live-Band spielt. Und so traf man sich fortan regelmäßig, um für den ersten Auftritt zu proben. „Dabei hat ich meine Beats von vorhandenen Tracks live abgespielt, und dazu haben dann Marbert Rocel ihre Titel reingefügt, wir haben einfach alles zusammengemischt.“

Ursprünglich war nur der eine Gig auf dem Nachtdigital geplant, aber weil die Resonanz darauf so überwältigend war, folgten danach noch diverse Gigs und die feste Absicht, ein Album zu produzieren. Bis dieses Unterfangen starten konnte, verging aber noch ein wenig Zeit, denn die Soloprojekte – u.a. Marbert Rocels Album „Small Hours“, das im Frühjahr letzten Jahres auf Compost erschien – liefen natürlich ebenso weiter. So wurde es um Karocel etwas stiller, da sich auch alle Beteiligten darauf geeinigt hatten, keinen Gig mehr zu spielen, bevor man nicht eigenes Material hat, bis man dann im April dieses Jahres voller Stolz das Album „Plaited“ ankündigte. Über eine Zeitspanne von acht Monaten ist das Werk entstanden, das anfangs natürlich wieder eine andere Art der Zusammenarbeit erforderte: gemeinsames Songwriting und Musikproduzieren – allerdings gestaltete sich das einfacher, als befürchtet. „Es gab eigentlich keine Anlaufschwierigkeiten, wir hatten ja ein gemeinsames Ziel und haben uns dann überlegt, wie wir die Sache angehen wollten“, erzählt Spunk, und Mathias ergänzt: „Wir haben dann jeweils mehrstündige Sessions gespielt und uns daraus dann anschließend gemeinsam die Essenz für einen Track herausgezogen. So ist jeder Song live entstanden, ohne dass wir auf irgendwas hin produziert haben, es ist ein richtiges Jam-Album.“ Das ganze gestaltete sich als sehr spannender Prozess mit Lerneffekt auf allen Seiten. Marbert Rocel bekamen ein wenig Clublehre, wie man die Hi-Hat an der richtigen Stelle einsetzt, ein Break genau platziert oder sich überhaupt in Richtung Dancefloor bewegt, während Mathias einen Einblick in Songabläufe und Harmonien bekam oder auch erfuhr, zu welchem Zeitpunkt man z.B. ein Saxophon in den Song fließen lässt: „Ich habe dadurch sehr viel gelernt und bestimmt wird sich was davon auf meinem nächsten Album wiederfinden.“
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Mit dem Longplayer geht es nun wieder auf Tour, bzw. die ersten Gigs haben die sechs schon hinter sich, die auch zur vollen Zufriedenheit aller liefen. Auf dem SonneMondSterne-Festival sind Karocel auch zu hören, es ist ihre gemeinsame Premiere auf dem Großevent an der thüringischen Bleilochtalsperre. Allerdings haben alle Beteiligten schon getrennt voneinander dort gespielt, vor allem Mathias gehört schon zum festen Inventar: „Seit zwölf Jahren bin ich dort jedes Mal am Start. Viele meiner Freunde arbeiten dort und seit vier Jahren haben wir ja auch ein Zelt – der Club Muna nahe meiner Heimatstadt Gera und Freude am Tanzen.“ Wer also zu den glücklichen Ticketinhabern gehört – SMS X7 ist ausverkauft – sollte das Heimspiel der Band nicht verpassen.

Und wer jetzt schon hofft, dass es mit Karocel weitergehen wird nach dieser Sommersaison, der können Kadens Worte beruhigen: „Wir haben bisher so viel Energie in das Projekt gesteckt und so viel Freude dabei, es geht auf jeden Fall weiter!“ Aber demnächst geht es dann natürlich erst wieder an die eigenen Projekte. „Wir spielen dieses Jahr noch ein paar Konzerte, veröffentlichen noch ein neues Video sowie eine Remixplatte. Im Studio sein und neue Musik machen steht sowieso immer auf dem Plan“, erklärt Spunk und auch Mathias’ Pläne klingen vielversprechend: „Es kommen demnächst ein paar Remixe von mir, u.a. für DJ Koze und Monika Kruse und im Oktober erscheint die neue Ausgabe der Watergate-Mixreihe, die ich abliefern werde.“

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Der Frühling bringt uns “Small Hours” von Marbert Rocel
www.freude-am-tanzen.de

SonneMondSterne X7 // 09.–11.09.13, ab 16 Uhr // Saalburg, Thüringen
-ausverkauft-
LineUp: Seed, Chase & Status, Nero, Knife Party, Boys Noize, Bloody Beetroors, MIA., Fritz Kalkbrenner, Sven Väth, Karocel, Lexy & K-Paul, Netsky, Moderat, Modestep, Moonbootica, Marek Hemmann, Modeselektor, Oliver Koletzki, Wankelmut, Mathias Kaden, Seth Troxler, Miss Kittin uvm.
www.sonnemondsterne.de