Luca Schreiner


 

In der letzten Ausgabe habe ich euch gezeigt, wie man überhaupt grundsätzlich an Aufträge gelangt und welche Punkte ihr vor der eigentlichen Produktion des Remixes mit dem dafür verantwortlichen Label besprechen solltet. Dabei war insbesondere auch die Frage nach dem stilistischen Wunsch von mir genannt worden. Um Missverständnissen vorzubeugen, versuche ich euch hier nochmal zu erklären was Ich genau damit gemeint habe.

Natürlich sollte der Remixer seine eigene kreative Interpretation des Tracks bei der Anfertigung verfolgen, jedoch haben viele Labels bereits genaue Vorstellungen für den Remix, bspw. bezüglich des Tempos oder der Stilistik. Hierzu vielleicht ein kurzes Beispiel: Stellt euch vor, ihr seid nicht der einzige Remixer des Originaltracks und habt euch ohne vorher mit dem Label abgesprochen zu haben, vorgenommen dem Track einen Festivalanstrich zu verpassen. Möglicherweise hat das Label aber genau für solch einen Festivalremix bereits einen anderen Produzenten beauftragt, der vielleicht sogar noch etwas bekannter ist als ihr. Die Chance, dass relativ ähnlich klingende Remixe veröffentlicht werden, ist dabei nur sehr gering. Aus diesem Grund kann ich nur empfehlen im Voraus so viele Infos wie nur möglich bei dem Label einzuholen.

Screenshot

Auch solltet ihr euch im Klaren sein, dass ein Remix dazu dient neue Hörergruppen zu erschließen. Versucht deshalb das Original möglichst genau zu analysieren und euch einen Plan zurechtzulegen, wie der Remix zu klingen hat. Ist der Originaltrack z.B. eine typische Top-10-Radionummer, so ist vermutlich ein eher cluborientierter Remix gefragt, der das Original für DJs auf Festivals und/oder in Clubs spielbar macht.

Nachdem ihr euch mit dem jeweiligen Label ausgetauscht habt und euch über die gewünschte Stilistik im Klaren seid, werden euch meist die Stems des Originals zugeschickt. In manchen Fällen bekommt der Remixer ausschließlich die Vocals – also den Gesang – zur Verfügung gestellt. Viel häufiger jedoch bekommt man „Grouped-Stems“ zugeschickt, also gruppierter Wav-Spuren aller Elemente des Originaltracks. Hört euch am Besten die Stems in „solo“ an und schaut, ob euch irgendwelche Passage für euren Remix inspirieren. Alle Spuren, die ihr nicht verwendet, empfehle ich euch vorerst nicht zu löschen, sondern einfach zu muten, möglicherweise wollt ihr ja während der Produktion auf eine andere Spur nochmal zurückgreifen. Da ich selbst nicht der allerfitteste in Sachen Musiktheorie bin, helfen mir besonders oft die Bassspuren weiter, um die Grundharmonie des Originals zu erkennen. Mit Hilfe eines Tuners lassen sich so ganz einfach die Noten des Bass-Synths analysieren (siehe Bild) und die Harmonie des Originals identifizieren.

In der nächsten Ausgabe zeige ich euch wie ich mit Tempoveränderungen und der eigentlichen Produktion des Remixes umgehe.

Luca Schreiner – Die Kunst des Remixens Pt. 1 

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