Etwa 90 Kilometer südlich von Sizilien im Herzen des Mittelmeers liegt die Republik Malta. Die Inselgruppe, bestehend aus Malta, Gozo und Comino, ist keine drei Flugstunden von Deutschland entfernt und bietet zudem eine enorme Vielfalt. Allein die Hauptstadt des Landes, Valletta, zählt aufgrund ihres kulturellen Erbes seit beinahe 40 Jahren zum UNESCO-Weltkulturerbe. Doch neben einer eindrucksvollen Geschichte, die unter anderem von Eroberungen der Römer, Mauren, des Johanniterordens, der Franzosen und Briten erzählt, locken die zahlreichen Naturschauplätze. Gerade Freizeitsportler kommen hier in den Genuss von aufregenden Tauchspots und Schnorchel-Gebieten. Wer nach Sonnenuntergang noch nicht genug Action hatte, der taucht in Maltas Nachtleben ein und lässt sich durch Bars und Clubs treiben. Seit Jahren wächst die elektronische Szene Maltas, die mit interessanten Bookings und großen Events zu überraschen weiß. Zu dieser lokalen Szene zählt auch Cain, der seit über einer Dekade die Clubs der kleinen Republik bespielt und zu den Mitbegründern des Glitch Festivals gehört, das vom 14. bis zum 16. August stattfindet und dessen musikalischer Schwerpunkt auf House und Techno liegt. Im Interview hat er uns seine Heimat nähergebracht.


Cain, du bist hier auf Malta geboren und aufgewachsen. Die Kindheit auf einer Insel zu verbringen, stelle ich mir großartig vor. Wie hast du das erlebt?

Auf solch einer kleinen Insel aufzuwachsen, hat den Vorteil, dass man nie wirklich weit von seinen Freunden entfernt ist. Und da wir hier beinahe das ganze Jahr Sommer haben, verbrachten wir die meiste Zeit damit, im Meer zu baden, die Inseln zu erkunden und nach dem nächsten Abenteuer zu suchen. Baustellen oder alte, verlassene Gebäude zu erforschen, stand da ganz hoch im Kurs. In gewisser Weise gilt diese Suche nach dem nächsten Abenteuer heute noch. Malta legt großen Wert auf seine Traditionen und ist in gewisser Weise konservativ. Das bedeutet auch, dass sich hier so manche Kunst- und Ausdrucksform noch nicht so entfalten konnte wie anderenorts. Das Potenzial ist also riesig und ich sehe das als tolle Möglichkeit an, Neues zu entdecken. Wie damals, als wir noch Kinder waren.

Wie viel Zeit sollte ich deiner Ansicht nach einplanen, um vollständig in den Spirit der Inseln eintauchen zu können?

Das ist gar nicht so einfach zu beantworten und kommt auf verschiedene Dinge an. Zum einen hängt es davon ab, wie schnell man sich an Temperatur und Luftfeuchtigkeit gewöhnt, und zum anderen, welchen Zweck der Urlaub hat. Zu bieten haben wir auf den Inseln jedenfalls eine ganze Menge. Unsere Geschichte reicht viele Tausend Jahre zurück und mit ihren Tempeln birgt sie Bauten, die zu den ältesten der Menschheit gehören. Sie erzählen von vielen Kriegen und von den Zeiten als Kolonie. Nicht nur an Land finden sich jede Menge Überbleibsel: Unter Wasser bildet so manches Schiffs- oder U-Boot-Wrack ein neues, künstliches Riff. Für Taucher gehören diese Trips definitiv zu den Highlights. Wer lieber entspannt am Strand und statt im Wasser in der Sonne baden möchte, findet auch hier tolle Möglichkeiten. Ich persönlich mag es ja, auf einem der vielen Pfade entlang der Klippen zu wandern. Da komme auch ich immer wieder an unbekannte Orte!

Da ich selbst noch nicht dort war, muss ich mich mit Bildern begnügen. Tolle Architektur, türkisfarbenes Meer, schöne Strände und bestimmt auch eine vorzügliche Küche. Was könntest du uns hier auf Anhieb empfehlen?

Einen Trip nach Marsaxlokk, ein Fischerdorf im Südosten von Malta, sollte man nicht auslassen. Dort gibt es großartige Restaurants, in denen jeder etwas Leckeres findet!

 

Lass uns doch noch etwas an der Kunst- und Kulturszene deines Landes teilhaben. Inspiration scheint es ja eine ganze Menge zu geben.

Abgesehen von der Musik, komme ich mit lokaler Kunst erst seit Kurzem in Berührung. Doch ich bin sehr interessiert und versuche, so viele Events wie nur möglich mitzunehmen. Vor allem die Arbeiten von Gabriel Caruana begeistern mich – er gilt auf der Insel als Pionier moderner Kunst. Leider verstarb er letzten Sommer. Er schuf etwas Neues, blieb seinen Wurzeln jedoch immer treu. Das schätze ich sehr.

Verrätst du uns noch den ein oder anderen Ausgeh-Tipp? Wo treibt es dich hin, wenn du tanzen willst? Und wo bekommst du neue Platten für dein nächstes Set her?

Egal, ob bei Tag oder bei Nacht, hier ist Valletta genau der richtige Ort. Wir haben hier übrigens auch eine ganz gute Jazz-Szene. Wer darauf abfährt, wird sich im Offbeat sicher wohlfühlen. Eine kleine, minimalistische Bar, in der regelmäßig tolle Musiker aus nah und fern spielen. In der Hauptstadt findet ihr auch einen meiner persönlichen Lieblingsorte: Café Society. Klein, charmant und mit wechselnden lokalen DJs. Sehr zu empfehlen ist auch der Besuch des Manoel Theaters, eines der ältesten aktiven Schauspielhäuser in Europa.

Wer tagsüber in Valletta ist, sollte bei D’Amato vorbeischauen und sich durch die vielen Second-Hand-Platten hören. Er wird als solcher nicht gelistet, aber eine kleine ortsansässige Gruppe an Vinyl-Enthusiasten vermutet, dass dieser Plattenladen der erste seiner Art sein könnte. Sie haben einen Bericht über ihre Nachforschungen veröffentlicht, der auf alle Fälle sehr unterhaltsam ist. Ich persönlich besorge mein neues Vinyl bei Sunset Records. Den findet ihr in Sliema, nördlich der Hauptstadt. Das Sortiment ist breit und reicht von Rock, Pop, House und Techno bis hin zu Soundtracks. Der Betreiber Brian Pederson hilft immer gern weiter. Seit über 20 Jahren gibt es nun auch schon den Liquid Club in San Gwann, der damit der älteste Techno-Club der Insel ist und schon so einige internationale Größen an den Decks begrüßen durfte.

Allein in den vergangenen Monaten spielten dort Oscar Mulero, Peter Van Hoesen, SHDW & Obscure Shape, The Hacker, UVB, Nur Jaber, 999999999, Inhalt der Nacht, Dax J und Virginia. Ein wirklich hochkarätiges Programm.
Wie würdest du den Sound der Insel denn persönlich beschreiben? Welcher Track symbolisiert ihn am besten?

Keine einfache Frage – und jeder würde sie wohl anders beantworten. Ich bin mir jedoch sicher, dass die 300 Tage Sonne im Jahr großen Einfluss auf die Leute hier haben, das macht sie warmherzig und bescheiden – man fühlt sich also recht schnell willkommen. Dieses Gefühl wird meiner Meinung nach am besten mit „To Be Surreal“ von The 7th Plain hörbar.

 

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Fotos: www.viewingmalta.com