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Wenn sich am 29. und 30. August die Tore der 144.000 Einwohner-Gemeinde Haarlemmermeer in den Niederlanden zur diesjährigen Edition des Mysteryland öffnen, werden erneut Tausende von Begeisterten das Gelände stürmen. In diesem Jahr findet das Spektakel erstmals an zwei Tagen statt. Mit der Verlängerung um einen Tag erhalten die Festivalbesucher somit noch mehr Zeit und Raum, um das immense Angebot an Musik, Kunst und Kultur zu erleben. Seine Premiere feierte das von ID&T veranstaltete Festival 1994. Über zwei Jahrzehnte später hat sich der Fokus von Hardcore und Techno zu einem vielfältigen Angebot weiterentwickelt. Seit 2011 gibt es zudem Ableger des Festivals in Chile in einem Anden-Tal sowie auf dem Gelände des legendären Woodstock- Festivals in Bethel Woods, New York. Der Ticketvorverkauf für die Heimat-Ausgabe läuft – wie zuvor – schon jetzt auf Hochtouren. Grund dafür sind die Akteure, die von den Verantwortlichen bis dato verkündet wurden.


Darunter befinden sich illustre Namen wie Martin Garrix, Alesso, Oliver Heldens, Steve Angello, Knife Party, Wildstylez, Nicky Romero, Netsky, Chris Liebing, Joris Voorn, Porter Robinson, Dave Clarke, Ben Sims, Maya Jane Coles, DVBBS, DJ Jazzy Jeff, Laidback Luke, R3hab, Sunnery James & Ryan Marciano, Joseph Capriati, Tommie Sunshine, AN21 und Agoria. Zusammen mit Kuratoren wie Q-Tanz, Spinnin’ Sessions, Beatport, CLR, HYTE, Heineken Star Club und Radio Noet Noet wird das Festival insgesamt über 40 Bühnen präsentieren. Hauptverantwortlich für das musikalische Programm ist Olga Zegers. Seit Jahren sorgt sie für das Aufgebot an Künstlern, welche das Festival zu dem gemacht haben, was es heute ist. Von Julie’s Bicycle wurde Mysteryland mit einem 3-Sterne-Nachhaltigkeitszertifikat ausgezeichnet; dies ist das höchste Prädikat für Nachhaltigkeit in der Kunst-, Musik- und Theaterszene. Das Festival ist auch im Rahmen des A Greener Festival Award mit drei Sternen ausgezeichnet worden. Jahrelang lebte Zegers in Melbourne, wo sie bei ihrem dem Studium Ende der 80er und Anfang der 90er Jahre die erste Rave-Welle aus UK in Down Under erreichte. „Ich erinnere mich an meinen ersten richtigen Rave, der jeden Club, den ich bis dahin besucht hatte, vergessen machte. Es war dieser typische Warehouse- Style, mit einer ganz eigenen Musik und einem speziellen Vibe. Diese Raves wurden mit der Zeit immer größer. 1991 war ich in den Niederlanden im Urlaub, dem Land wo ich auch geboren wurde. Dort landete ich in einem Club namens RoXY. Ich lernte dort viele Leute kennen, darunter auch meinen damaligen Freund. Also beschloss ich zu bleiben und nicht mehr zurück nach Australien zu gehen. Ich habe angefangen in dem Club zu arbeiten, und das für ganze acht Jahre. Dort ist definitiv Musikgeschichte geschrieben und eine Menge für unsere nationale, musikalische Kultur getan worden. Tagsüber habe ich in einer der ersten holländischen Booking-Agenturen gearbeitet, die u.a. Dimitri und Carl Craig verbucht haben. 2000 hat mich dann ein Freund gefragt, ob ich mir nicht vorstellen könnte, für ID&T zu arbeiten. Ich nahm die Herausforderung an. Damals hätte ich mir niemals vorstellen können, das diese Szene so unglaublich groß und bedeutend wird.“

Einen herkömmlichen Arbeitsalltag hat Zegers seitdem nicht gehabt. Zu zahlreich und verschieden sind die Aufgaben, die über die Saison erledigt werden müssen. „Wenn ich das mit wenigen Worten zusammenfasse, kann man einen Großteil der Arbeit aber mit unzähligen E-Mails und Anrufen abtun. Es müssen tausende Details geklärt werden und je nach Größe und Bekanntheitsgrad der Künstler, kann es auch mal Monate dauern, bis man sich mit den Agenturen einig ist und man Namen endgültig bestätigen und verkünden kann. In den Wochen und Mona- ten vor dem Event gilt es dann, diese Puzzleteile zu einem Gesamtpaket, dass dann auch noch funktioniert, in Stein zu meißeln. Abläufe werden geschrieben, sämtliche Eventualitäten durchgesprochen. Bevor auch nur ein Beat aus den Boxen ertönt, ist es also ein langer Weg. Drei Wochen vor Beginn arbeiten wir dann vor Ort auf dem Gelände.“

Angesprochen auf die Philosophie, die sie bei der Zusammenstellung des Line-ups und der Partner verfolgt, erklärt sie, wofür Mysteryland seit der ersten Edition steht. „Das Festival ist ein internationales, musikalisch vielfältiges, aufgeschlossenes, zum Teil auch kommerzielles Projekt, das in seinem Angebot keinerlei Grenzen kennt. Wir bedienen nahezu alle Nischen und Aspekte der elektronischen Musik und darüber hinaus auch gerne diverse andere Stile. Wir sind froh und glücklich, ein treues und offenes Publikum zu haben, dass uns seit Jahren vertraut und sich für unsere Ideen interessiert. Bei uns gehen die Musikinteressierten Nerds mit denen, die sich eher an kommerziell angehauchten Sachen erfreuen, Hand in Hand.“ Auch Lokale Künstler, Marken und Projekte finden statt und kollaborieren den Organisatoren. „So entscheiden wir zunächst immer, mit welchen Partnern wir unsere Bühnen kuratieren. Je nach Label/Agentur, zeichnet sich dadurch schonmal ein musikalischer Stil aus. Zusammen stellen wir dann ein Programm aus den Künstlern zusammen, die für uns am sinnigsten und relevantesten zu dieser Zeit erscheinen. Wir sorgen dafür, dass jede Bühne eine andere ergänzt und sich nichts zu sehr ähnelt. Dann kommt es natürlich vor, dass ein Künstler plötzlich für drei verschiedene Bühnen vorgeschlagen wird. Wir versuchen dann zu eruieren, wo es am meisten Sinn macht. Für die großen Mainstages arbeiten wir dann auf eigene Faust etwas aus.“ Im Laufe der letzten Jahre hat sich ihre Arbeit in einigen Punkten allerdings auch zum Negativen verändert, stellt sie rückblickend fest. „Die Gagen für die wirklich großen Mainacts sind unverhältnismäßig gestiegen. Das ist manchmal vollkommen absurd, was die verlangen. Zumal die Ticketpreise nicht in so einem Verhältnis gestiegen sind. Diskussionen über Rechnungsstellung, wer vor oder danach spielt, wie groß und wo genau der Name auf dem Flyer steht, ob der Rider auch komplett erfüllt wird, alles das sind Dinge, die einen manchmal in den Wahnsinn treiben und auch vieles zum scheitern oder uns zu dem Punkt bringen, dass wir da nicht mitspielen. Ich verstehe, dass Künstler, die ständig unterwegs sind, gewisse Dinge einfach brauchen. Dazu gehören gute, angenehme Hotels, eine vernünftige Betreuung, aber sicherlich nicht hunderte Liter an Alkohol oder dutzende Groupies im Backstage.“ Vergleicht sie die erste Ausgabe in 1994 mit denen aus den Vorjahren, ist sie über die Entwicklung insgesamt aber mehr als stolz. „Wir sind heute eines der facettenreichsten und interessantesten Festivals der elektronischen Kultur. Das Mysteryland heute hat viel mehr Tiefe als noch zu Beginn. Wir haben viel gelernt und sind, wie auch im echten Leben, Erwachsen geworden. Allein das Team, welches sich um die Dekoration, die ja immer wichtiger wurde für uns, ist enorm gewachsen. Sie gehen jeden Tag mit Leidenschaft und Liebe zum Detail ans Werk.“

Auch in diesem Jahr wird Kunst und Kultur groß geschrieben. Besucher können auf einer geheimen Bühne in einen Caravan gehen und dort Musik hören, sie können sich entlang eines Kunstwegs kraftvollen künstlerischen Eindrücken hingeben, sie können an einem schamanischen Meditations-Workshop in einem Tipi teilnehmen etc. Interaktive Installationen, surreale Performances, ein innovatives kulinarisches Angebot und die Zusammenarbeit mit erstrangigen Institutionen. „Es ist uns wichtig, dass wir weit mehr als nur die typische DJ plus Publikum-Situation erschaffen. Wenn wir so viele junge und interessierte Besucher an einen Ort vereinen, ist es doch eine wunderbare Gelegenheit, auch Kultur in das Ganze zu integrieren. Ich finde, wir haben da z.B. ganz andere Möglichkeiten und Zielgruppen, als ein Museum es hat. Es ist toll, mit Menschen zusammenarbeiten, die ihren Job genau
so lieben wie ich. Und gibt es schöneres, als mit Kollegen zu arbeiten, deren größte Aufforderung an die Besucher ist, ihr Leben zu genießen?“

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