Nuclear Winter Garden press photo 25
Nach unzähligen Longplayern binnen zwei Jahrzehnten präsentiert uns der Finne Jori Hulkkonen als Nuclear Winter Garden das gleichnamige Werk, das auf seiner Partyreihe in seiner Geburtsstadt Kemi basiert und er traditionell in seinen Alppi-Houz-Studios aufnahm. Dort veranstaltet er seit 2004 Events in einem Mittelaltermuseum. Die Partys nutzt er als Abwechslung zu seinen normalen DJ-Sets und spielt Jazz, Folk, Avantgarde und Indie. Eine Tatsache, die sich auch auf dem Langspieler wiederfindet: „Die Idee ist, einen persönlichen Bezug zu seinem Werk zu finden, anstatt es zu einfach zugänglich zu machen. In der Musik von vielen Leuten heutzutage fehlt die Bereitschaft, Risiken einzugehen. Und ich mag das Risiko“, sagt Hulkkonen über sein Arbeitscredo. „Ich bin in den späten 70er und frühen 80er Jahren in Finnland groß geworden. Das Radio, bei dem ich damals mit verschiedensten Genres wie Pop, Folk, Klassik, Experimental oder gar Religiösem konfrontiert wurde, hatte eine große Rolle. Ich war sehr interessiert an allen möglichen Stilen. Daher habe ich mich in der örtlichen Bibliothek oftmals nach Empfehlungen erkundet. So habe ich mit der Zeit Leute wie Steve Reich oder Stockhausen lieben gelernt. Auch Eric Satie oder Miles Davis waren und sind nach wie vor prägend für mich. Sie gehören für mich in eine zeitlose Kategorie. Aber ich könnte eine unendliche Liste mit Namen niederschreiben. Essenziell waren aber definitiv das Radio und die Bibliothek.“


Und so kommen wir auf seine musikalisch Genre-übergreifende Nacht im 14. Museum zu sprechen, die er seit nunmehr elf Jahren Woche für Woche veranstaltet. „Als ich damit begann, war ich rund 100 Tage im Jahr als DJ unterwegs und ich spürte, dass ich eine Art Kontrast zum normalen Clubkontext brauchte. Wie durch ein Zufall haben einige Freunde eine Bar in diesem Museum eröffnet, welche einen angrenzenden, kleinen Garten hat. So entstand die Idee, dass ich dort abends von 21 bis 2 Uhr stilistisch querfeldein auflege. Ohne Dancefloor, dafür mit ein paar ein Stühlen, Hängematten, einer guten Bar sowie einem guten Soundsystem. Dabei verhält sich die Musik aber keineswegs als Hintergrundmusik. Es ist eher ein Ort an den man kommt, um bei einem guten Drink und einer Cigarre Scott Walkers ‚Farmer In The City‘ zu hören und dabei in die Sterne zu gucken“, erzählt der 41-jährige zum Konzept, das seit Anbeginn keiner Veränderung unterzogen wurde. „Ein Fakt, der mich an diesem Konzept sehr begeistert, ist der, dass ich keinerlei Absichten habe, dieses kleine perfekte Universum zu verändern. Keine Live-Shows, keine Überraschungen.“ Und so beständig diese Idee klingt, so ähnlich sah der Studioprozess zum nun erscheinenden Album aus. Sämtliche Vocals hat er in diesem Fall selbst eingesungen. „In den letzten Wochen habe ich sehr viele Sachen von Ariel Pink, John Maus oder auch Connan Mockasin gehört. Ihre Sachen sind etwas Lo-Fi und alle in Eigenregie entstanden. Das war ein Ansporn, bei diesem Projekt auch einzig auf mich allein gestellt zu sein.“

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