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“The Emperor takes place” – Der Imperator nimmt Platz. So der Titel eines frühen Hardcore-Klassikers von Marc Acardipane aka The Mover. Kaum ein Titel könnte den Eindruck besser beschreiben, den der neue NS7II Controller von Numark hinterlässt. Außer vielleicht noch „The Dominator“ von Human Resource. Denn Hardcore ist auch der NS7II in jedem Falle. Hardcore in der Größe. Hardcore im Funktionsumfang. Und Hardcore leider auch im Preis.

Bereits die Ankunft des Paketes macht überdeutlich: Der NS7II ist nichts, was man unter einem klassisch portablen Tool versteht. Mit seinen insgesamt 15,7 kg (entspricht etwa einem Technics MKII) möchte man ihn am liebsten nur einmal Leben auspacken, aufstellen, um dann fröhlich mixend zuzusehen, wie die Jahrzehnte vergehen. Die Erde bebt? Ein Atomschlag droht? Kein Problem. Der NS7II steckt auch das schadlos weg. Das bezieht die vorbildliche Verarbeitung übrigens gleich mit ein. Vom Metallchassis über die motorisierten Turntable-Sektonen bis zu den Bedienelementen des Vierkanalmixers werden wirklich keine Zugeständnisse gemacht. Zudem wirkt der NS7II auch optisch wie aus einem Guss, ist logisch aufgebaut und bietet, dank der motorisierten Platter, auch DJs alter Vinylschule ein sehr vertrautes Bild. Diese kommen sogar wieder in den Genuss eines Turntable-Zusammenbaus. Denn die Platter-Einheiten des NS7II werden ab Werk, wie es sich gehört, aus Schutzgründen in Einzelteilen geliefert.

Damit der NS7II in Größe und Gewicht nicht komplett jeden Rahmen sprengt, war die Verkleinerung einiger Elemente unvermeidbar. So entsprechen die Plattenteller in ihrem 7-inch-Durchmesser dem klassischen Single-Vinylmaß und nicht etwa 12Inch-Plattenspielerstandard; und wer sich bislang noch fragte, wo die „7“ im Produktnamen herrührt, hat nun die Antwort gefunden. Im Unterschied zum Vorgänger-NS7 wurde die schwarz glänzende Mixersektion um gleich zwei komplette zusätz- liche Kanalzüge erweitert – und lässt nun folglich die Einbindung von vier Decks zu. Wir schreiben an dieser Stelle bewusst nicht „virtuelle Decks“. Denn obwohl der NS7II ein ausgesprochener Sera- to DJ-Freund ist, lässt sich die Mixersektion nun auch mit externen Zuspielern füttern (CD-Player, Turntables, Sampler …), ja sogar Standalone betreiben. Selbst zwei Mikrofoneingänge vermochten die Numark-Entwickler noch unterzubringen. Dafür muss man bei den Faderwegen des Mixers eine geringfügige Verkürzung hinnehmen, was aber in Anbetracht der exzellenten Führbarkeit keiner- lei Beeinträchtigung in Spiel und Spaß darstellt.

Kissenschlacht
Kommen wir zu den Dingen, die den NS7II maßgeblich von der 2009 veröffentlichten Erstversion unterschieden. Am augenfälligsten sind dabei die jeweils acht Touch-Pads pro Seite. Einmal mehr profitiert Numark von seiner partnerschaftlichen Nähe zu Akai Pro. Denn auch diese Pads entspre- chen der sagenumwobenem MPC-Güte. Fünf verschiedene Modi lassen sich für die Kissen anwählen. Wobei jedes Kissen, seinem jeweiligen Status entsprechend, RotGelbBlau-farblich hinterleuchtet wird. Aber das Lichtspiel gehört ja inzwischen keineswegs nur bei Oberklassetools inzwischen zum Standard. Die Modi sind:

1. Cue: Damit lassen sich, über die links des Plattentellers untergebrachten fünf Cue-Punkte hinaus, weitere acht Cue-Punkte setzen. Erweitert um die Option „Cue Loop“, wodurch eine bestimmbare Taktlänge ab dem festgelegten Cue-Punkt automatisch wiederholt wird.

2. Auto Loop/Roll: Hierbei verlängert oder verkürzt sich der Loop mit der Wahl des gedrückten Pads. Mit den Parameter-Buttons lassen sich die Schleifen verdoppeln oder halbieren. Alternativ ist das Auslösen eines Rolls in Pad-definierter Länge bei nahtlosem Wiedereinsetzen des abgespielten Tracks möglich.

3. Manual Loop: Jetzt übernehmen die Pads die Aufgaben eines händisch eingetapten Loops. Die oberen vier Pads dienen als Speicher für jeweils einen Loop. Mit den Pads der unteren Reihe lassen sich die Start- und Endpunkte festlegen, die Loop ein- und aus- schalten sowie reloopen. Mittels Plattenteller lassen sich Punkte bei gleichzeitigem Drücken der In-/Out-Kissen noch verschieben, ebenso ist über die Parameter-Pfeile das komplette Verschieben des Loop-Ausschnittes möglich.

4. Sampler: In diesem Modus lassen sich die jeweils sechs Samples innerhalb einer Bank mittels der Parameter-Buttons auswählen und über die Kissen auslösen. Wie die einzelnen Samples sich verhalten (One-Shot, Loop usw.) muss in der DJ-Software festgelegt wer- den. Denn bitte nicht vergessen: Der NS7II ist ein reiner Controller und kein MPC-Sampler.

5. Slice: Der ideale Modus für den, der seine Lieblingstracks filetieren möchte. Ein acht Takte langer Abschnitt wird gezogen und in regelmäßigen Portionen auf die acht Pads verteilt. Von hier aus lassen sich diese dann in beliebiger Reihenfolge abrufen, wobei die Slice-Länge veränderlich ist.

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Platter und Mixer
Wie schon beim Vorgänger sind die motorisierten Platter (don’t call em Jogwheels!) das bezeichnende Highlight des NS7II. Kaum jemand, wahrscheinlich nicht einmal Numark selbst, wird bestrei- ten, dass sie einen Anachronismus darstellen. Sie machen die ganze Sache groß, schwer und teuer. Einfach unvernünftig. Gleichzeitig sind auch DJs eine nicht unbedingt von Vernunft geleitete Spezies. Es trifft also Unvernunft auf Unvernunft. Mit dem Ergebnis entfesselter Wollust und purer Emotion. Für nicht wenige machen genau diese Turntable-Einheiten noch immer den Unterschied zwischen einem hastigen Internet-Pornowichs und dem genüsslichen Sex mit einer echten Frau (wahlweise Mann) aus. Und wer wären wir, dieser Einschätzung zu widersprechen? Das Hantieren mit den 7-inch-Scheiben macht, vor allem wenn wie bei diesem Tool umgesetzt, einfach unglaublichen Spaß. Man hat das Gefühl, mit etwas Lebendigem zu arbeiten, ja geradezu zu verschmelzen. Die Durchzugskraft des Direktantriebs kann mittels Switch zwischen dem 1210er-gemäßen „Low Torque“ und weitaus strammeren „High Torque“ umschalten. Ebenfalls vorhanden sind TT-Gimmicks wie einstellbare Start/Stopp-Zeiten, das berüchtigte Motor Off oder eine Reverse-Funktion.

Einige Besonderheiten gibt es bei der Mixereinheit zu beachten. Dieser bringt neben 3-Band-EQs auch einen Filter-Poti-pro Kanal mit. Aufpassen: Auch dieser ist lediglich ein Controller, der auf die Filter der Software zugreift. Zwar lässt sich der Mixer bei Anschluss externer CD-Player oder Plattenspieler Standalone nutzen. Samt der Fader und EQs. Die Filter bleiben davon jedoch ausgeschlossen. Die externen Signale können beim NS7II ganz grundsätzlich nicht in die Software geschleift werden. Entsprechend lassen sich auch die Effekte natürlich nicht auf die extern zugespielten Sounds an- wenden. Drei Effektregler pro Playerseite bringt der Controller mit, ausgestattet mit einer Touch-Funktion, um den Effekt per bloßer Berührung ein- und ausschalten zu können. Ähnliches kann man bei Bedarf mit den EQ-Reglern vollführen. Der vierte Effektregler „Beat“ pro Controllerseite sorgt übrigens für eine Veränderung der eingestellten Effektmodulationstiefe, immer in Abhängigkeit von der eingestellten Beatmatrix.

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Fuck you, Kiss me!
Gewicht hin, Größe her: Wer einen rundum professionellen Serato-Controller benötigt und weiß, dass er fürs DJ-Glück das haptische Hochgefühl des schwarzen Vinyls benötigt, kommt um den NS7II nicht herum. Mochte man den alten NS7 ob seines postmodernistischen Prinzips noch als Relikt aus vergangenen Zeiten belächelt haben, wird es mit der Version II richtig ernst mit dem Spaß. Oder um es mit Human Resource zu sagen: „I’m bigger and bolder and rougher and tougher, in other words sucker there is no other. I’m the one and only dominator. Wanna kiss myself!“ Eine Vollversion von Serato ist übrigens im Lieferumfang enthalten.

Numark NS7II im Überblick:
– Active Platter Serato DJ Controller
– Internes Audio-Interface (24 Bit, 44.1 kHz)
– Berührungsempfindliche 3-Wege Filterregler (Filter einzeln, Filter FX, Filter Roll)
– 16 Akai MPC Pads (zweifach belegbar, RGB-hinterleuchtet)
– Pad-Funktionen: Cue, Auto Roll, Loop, Sampler, Slicer
– Master FX (auf alle Kanäle zuweisbar)
– CP-Pro Crossfader mit variabler Curve-Einstellung
– Dedizierte Hot Cue-Buttons
– Berührungsempfindliche Effekte & EQ-Regler
– EQ-Kills
– Einhand-Effektsteuerung
– 12 Isotope-Effekte (2 Effekt-Bänke pro Kanal, 3 Effekte pro Bank und 6 Effekte gleichzeitig pro Kanal)
– 7-inch Active Platter (High/Low Torque)
– Start/Stop-Zeit einstellbar.
– Bleep/Reverse Schalter mit Federspannung
– 4 Deck Auswahltasten
– 2 XLR-6,3mm Kombi-Eingänge für Mikrofone
– Beat Grid Funktion
– Erweitertes Strip Search
– Slip Mode
– Audioeingänge: 2 Mic (XLR u. 6,3mm Kombiklinken, symm.), 4 Stereo Line/Phono (Cinch)
– Audioausgänge: Stereo Master (XLR und Cinch) Stereo Booth (Cinch) 2 Kopfhörer (Stereo 6,3 mm und Stereo 3,5 mm)
– Abmessungen: 76,2 cm x 40,3 cm x 10,7 cm
– Gewicht: 15,3 kg

Preis: 1.799 EUR UVP 

Dieser Artikel erschien in unserer Heft-Ausgabe #026 – April 2014