Das Jahr 2012 hatte es in jeder Hinsicht in sich in der Alpenrepublik. Nicht nur, dass es wieder fette Partys gab, die Dimensionen sprengten. Es war auch das Geburtsjahr für etliche kleine Sternchen am elektronischen Genre-Himmel. Sei es mit aufstrebenden Clubs, ein Rebirthing der Afterhour-Szene, oder der eine oder andere Label-Firestarter mit Dancefloordestroyer-Produktionen. Lassen wir also mal das Spotlight anmachen und das Wichtigste beleuchten.


Die besten Clubs dieses Jahres sind nach wie vor in Wien zu finden. Jedenfalls fast alle. Allen voran bieten hier Pratersauna und Grelle Forelle mit ihrem innovativen, teils sehr mutigen Booking und guter Türpolitik ein „Einfach mehr“ an erlesenen Abfeier- Optionen für Nachteulen und Tanzbären. Pratersaunas ausgefallenes Ambiente, die idyllische Landschaft samt Pool in einem neu definierten Bad aus dem Jahre 1965, dient als Spielwiese und Partyhölle für schlaflose Musiksüchtige. Seit 2012 nun auch mit neuen Mainfloor „Bunker“ inkl. 360-Degree-Panorama-Visual-Show und neuer Dimension an Soundsystem. Die Grelle Forelle, wir brachten heuer schon mal einen ausführlichen Bericht, bringt als frischer, rein elektronischer Club pumpenden Wind an Wiens Donaukanal. Geboten wird auf zwei Floors einen Sound zwischen House, Techno und Minimal. Booking no Mainstream, only Underground. Mit 1.000 Quad- ratmetern ist in der Grellen Forelle genug Platz zum Tanzen. Ein maßgeschneidertes, cluborientiertes Soundsystem und das Lichtkonzept des Wiener Visualisten-Kollektivs Neon Golden machen die Sache dort wirklich rund. Und dann wäre da noch der im Herzens Wiens stylischste Club Sass. Ein kleines, aber feines legendäres Raum-Zeit-Gefüge, das zur Hälfte mit Blattgold verziert und mit Kristallluster geschmückt ist, macht seit Neuestem auch als Afterhour-Location von sich reden. Sogar Altmeister Sven Väth dreht hier jährlich mal richtig auf.

Abseits der Hauptstadt findet man – vereinzelt aber doch – auch ein paar sehr nennenswerte Clubkonzepte. Das Kulturwerk Sakog im oberösterreichischen Innviertel, schon nahe Salzburg und Deutschland, bietet seit nun elf Jahren feinste elektronische Musikkultur mit immer innovativeren, internationalen und nationalen Highlights, die ihres Gleichen sucht. In Linz etablierte sich 2012 die ehemalige Tabakfabrik, ein riesiges Industriegelände in Donauflussnähe, als veranstaltungstechnisches Highlight mit etlichen elektronischen Events wie z.B. einem OpenAir Konzert von Parov Stelar & Band, dem mittlerweile international bekannten Linzer Urgestein, sowie regelmä- ßige Großverantstaltungen vom Promoter der ersten Stunde und Gründer des über die Grenzen bekannten ehemaligen Danube Rave, Eric Fischer. Letzterer punktete heuer mit Full House bei Oliver Koletzkis Großstadmärchen und mit weiteren erle- senen LineUps, wie Tube & Berger, Progressive Trance Shooting-Star Dj Alezzaro mit seiner Progressiv Selektion-Partyreihe und dem Hamburger Klopfgeister als Headliner. Auch ein neuer Club namens „Zoo“ belebt die ehemalige Technohauptstadt Linz wieder mit neuen Trieben und exzessiven Afterhour-Stunden an Samstagen und Sonntagen. Auffällig ist hier die Berlin-Sympathie, denn es spielen monatlich auch bekannte Berliner Acts wie Kollektiv Klang-Gut. Die Linzer Shine-Bar punktet ebenfalls beim Linzer Partyvolk mit nationalen und immer mehr internationalen Acts, die lange Nächte mit deepen House- bis Techhouse-Klängen versüßen. Erwähnt sei zu guter Letzt noch ein kleiner elitärer Club in Salzburg namens Freak Sound Member Club, der nur mit Clubcard Einlass gewährt, mit erlesenem nationalen wie internationalen LineUp punktet und mit monatlichen DJ- und Musikproduktion-Workshops kreative junge Menschen fördert. Neu eingeführt wurde auch jeden ersten Samstag ein Techno-Kino.

Stil vor TalentKommen wir zur Musik selbst und bleiben wir gleich noch in Salzburg. Das Produzenten-Duo Klangkarussell aka Tobias Rieser und Adrian Held ist der Shooting-Star des Alpenlandes. Mit seinem unverwechselbaren neuen elektronischen Sound und dem Track „Sonnentanz“ schaffte es das Zweigergespann 2012 in die Top 5 der Charts in Deutschland, der Schweiz und Österreich. Mittlerweile können sich die Jungs vor Bookings im In- und Ausland nicht mehr retten. Man darf gespannt sein, was da noch kommt. Das bekannte Wiener Ur-Gestein Clemens Neufeld, DJ und Pro- ducer seit den späten 80er-/frühen 90er-Jahren, Gründer und Betreiber der bekannten Labels Fön und Giant Wheel, auf denen Produktionen von Künstlern wie Thomas Schumacher, John Dahlbäck, Oliver Huntemann und Matthias Tanzmann erschienen, startete 2012 mit seinem Imprint Neufeld neu durch. Zwei absolute Dancefloor-Destroyer der Marke Oldskool und Acid-Techno schlugenein wie eine Bombe und ließen österreichischen Techno neu aufleben. Die erste Release „Acid Is“, geremixt von Paul Birken und Mark Hawkings. Das Vinyl landete umgehend auf Platz 1 in den djshop-Charts. Und auch die zweite Release hat es in sich. Der Track „Sawtooth Grinder“ mit den Remixes von Gabeen und von Sebastian Bayne landetet ebenfalls sofort auf Platz 1 in den Techno-Vinyl- Charts. Freuen wir uns schon auf weitere Bomben, die da auf den Floors einschlagen werden.

Zu guter Letzt noch ein junges österreichisches Label mit Berliner Wurzeln (Berliner Labelmanager und Wahlösterreicher), das ich euch vorstellen möchte. Sonoro Records bereichert uns nun schon mit seinem dritten Vinyl und bringt gleich eine EP in das neue Jahr, die es richtig in sich hat. Produ- ziert von der jungen Oberösterreicherin Bettina Striegl, die nach „Weltenbastler“ nun ihre zweite Vinyl an den Start bringt. Mit einem Remix von Martin Books wird dieser Veröffentlichung noch- mal das gewisse Etwas verliehen. „Oman“, ein Track, den sie nach eigenen Angaben bei einem Kitesurftrip im Oman gestaltete, geht eher in die ru- higere Schiene, drückt jedoch mit ordentlich Bass und fällt durch eine fast orientalische Klangform der Vocals auf. Augen zu und den Kitesurfern beim Fliegen zusehen. Der Remix von Martin Books macht aus diesem Track eine echte Clubnummer, bringt nochmals mehr Druck und den typischen für guten Clubflair bekannten Sound. Weiteres Highlight aus dem Hause Sonoro ist das im Herbst erschienene digitale Album „Sternschnuppen- festival“. Dieses Ding punktet mit Tracks von be- kannten Größen wie Marco Fender, Raumakus- tik, Marcio Kantana, Ken Hayakawa, Steve Haze, Mogahertz uvm. Unterm Strich ein aufstrebendes Label, von dem man noch einiges hören wird im neuen Jahr.

Text: Uwe Moran

www.soundcloud.com/ucmoran