
Wiesbaden hat sein Pilotprojekt zum Cannabis-Checking ausgewertet. Innerhalb von fünf Monaten wurden bei neun Veranstaltungen 48 Proben untersucht.
Die Stadt zieht eine positive Bilanz: Der Bedarf sei vorhanden, auch wenn die finanziellen Mittel für eine Fortsetzung bislang nicht gesichert sind. Das Angebot wurde bei Hip-Hop-Partys, Dub-Reggae-Abenden und einem Punkrock-Konzert eingesetzt.
Besucher konnten mitgebrachtes Gras oder Haschisch an einem Infostand prüfen lassen, bevor sie es konsumierten. Dabei zeigte sich, dass das untersuchte Cannabis häufig einen hohen THC-Gehalt hatte.
Zudem waren viele Proben zu feucht. Laut Projektleiterin Teresa Müller von der Stadt ist das relevant, weil schlecht getrocknetes Eigenanbau-Cannabis Schimmelsporen enthalten kann. Der Informationsaspekt stand für die Stadt im Mittelpunkt.
Insgesamt führten die Mitarbeiter 520 Gespräche. Viele der Besucher hätten sonst keinen Kontakt zu Angeboten der klassischen Suchthilfe, heißt es in der Auswertung. Umgesetzt wurde das Projekt gemeinsam mit dem Frankfurter Beratungsprojekt Safe Party People.
Die Untersuchungen beschränkten sich auf den THC-Gehalt und die Feuchtigkeit des Cannabis. Eine Analyse auf Streckmittel, wie sie bei Drug-Checking-Angeboten für andere Substanzen üblich ist, fand nicht statt.
Bei Substanzen wie Speed, Ketamin oder Kokain gibt es in Hessen bislang kein entsprechendes Angebot. Anders als Berlin, Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern verfügt das Bundesland laut Loop Rituals über keine eigene Landesverordnung für das Drug-Checking illegaler Substanzen.
Wie es in Wiesbaden weitergeht, muss nun die neu gewählte „Maracuja“-Koalition aus CDU, Grünen, FDP und Volt entscheiden. Eine Fortsetzung des Cannabis-Checkings würde rund 50.000 Euro pro Jahr kosten.
Parallel werden weitere Angebote der Drogenhilfe diskutiert. Dazu gehören ein Drogenkonsumraum, ein Drogenmobil und zusätzliche Streetwork-Stunden. Außerdem plant die Stadt künftig Abwasseranalysen, um Erkenntnisse darüber zu gewinnen, welche Substanzen tatsächlich in Wiesbaden konsumiert werden.
Die Stadt empfiehlt, den bisherigen Infostand dauerhaft weiterzuführen und gezielt bei „cannabisaffinen Events“ einzusetzen. Gleichzeitig wird eine Ausweitung des Drug-Checkings auf illegale Substanzen gefordert.
Die Begründung: „die Zielgruppe breit“, die „Akzeptanz bei Gästen wie Clubs hoch“. Cannabis ist in Deutschland seit April 2024 teilweise legal. Erwachsene dürfen bis zu 25 Gramm besitzen und bis zu drei Pflanzen selbst anbauen.
Einen regulierten Verkauf über Fachgeschäfte oder Apotheken gibt es dagegen nicht. Ein von Wiesbaden angedachtes Modellprojekt für einen solchen Verkauf wurde laut Loop Rituals von der Bundesregierung gestoppt. Für legal erhältliches Cannabis bleiben damit Eigenanbau und Anbauvereinigungen die genannten Möglichkeiten.
Quelle: Loop Rituals
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