pioneer-djm750mk2


Stünde nicht schon in der Überschrift, dass es sich den DJM-750 handelt, könnte man durchaus fragen: Welcher Klassiker genau ist denn gemeint? Denn es gibt inzwischen einige Pioneer-Vertreter, die dieses Attribut tragen könnten. Selbst wenn man es auf die Vierkanaler eingrenzt, kämen aktuell neben dem DJM-750(MK2) immer noch der DJM-850 und DJM-900 infrage. Hinzu kommen die zwar nicht mehr produzierten, aber immer in Restbeständen immer noch verfügbaren Vorläufer.

Fast alle Vierkanaler, und nicht nur Pioneer, sind dabei Verästelungen im Stammbaum des mythischen Urahnen DJM-500/600. Sie setzten Mitte der 1990er den Standard zunächst in den Clubs und folgend im Home-DJ-Bereich. Das Grundprinzip hat sich bis zum heutigen Tage bewährt und wird entsprechend weitervererbt. Was die heutigen Enkel voneinander unterscheidet, sind die Zusatzausstattung, der Grad der Digitalisierung und somit auch der Preis. Der DJM-750 steht dabei nicht nur in der numerischen Bezeichnung sondern auch im Funktionsumfang dem Kult-Tool DJM-500/600 am nächsten.

Das Layout ist entsprechend altbekannt: In der Mitte befinden sich die vier Kanalzüge, auf die zum einen über die rückseitigen Cinch-Eingänge wahlweise ein Phono- oder Line-Signal gelegt werden kann. Die Zuweisung erfolgt über einen Drehschalter am Kopf der Kanalzüge. Die beiden zusätzlichen Input-Optionen Computer und Return Aux machen jedoch auch sofort deutlich, dass der DJM-750MK2 technisch mit dem Ur-DJM technisch nichts mehr gemeinsam hat. Denn das aktuelle Modell ist inzwischen selbstverständlich voll digitalisiert. Es bringt eine interne, im Vergleich zum alten 750 nochmals optimierte Soundkarte mit und arbeitet mit einem 64-bit Digital-Signal-Prozessor sowie 32-bit A/D- und D/A-Wandler. Prädestiniert ist das Gerät, wie zu erwarten, für die Zusammenarbeit mit der Pioneer-eigenen Software recordbox DJ. Eine Vollversion zum Herunterladen erwirbt man bei Kauf des Tools glücklicherweise gleich mit. Die weiterhin rückseitig vorhandenen XLR-Outs, der ebenfalls symmetrische Booth-Out sowie ein Stereo-Send-/Return weisen den Mixer als absolut Club-taugliches Profi-Tool aus. Der Send/Return-Weg kann dabei übrigens auch unabhängig von den internen FX-Abteilungen eingesetzt werden. So lassen sich beispielsweise Klangerzeuger anschließen und mit den DJM-Effekten bearbeiten. Oder aber man schleift das Mixersignal über ein externes Effektgerät.

Überhaupt wurden zahlreiche Details vom Flaggschiff DJM-900NXS2 übernommen. Da sind zum Beispiel die 3-Band-EQs, die bei Regler-Linksanschlag das Signal komplett auslöschen. Alternativ können die EQs klassisch als Isolatoren für die klangliche Frequenzbearbeitung eingesetzt werden. Ebenso arbeiten die Kanalfader und der Crossfader mit denselben Curves wie das Topmodell und lassen sich entsprechend im Blendverhalten anpassen. Sogar den Magvel Crossfader hat Pioneer dem 750er jetzt spendiert – präzise Übergänge sowie harte Cuts bis in den Bereich von 10 Millionen Moves sind somit garantiert. Seit dem DJM-600 gehört eine interne Effektabteilung zum wortwörtlich guten Ton der Pioneer-Vierkanaler. Auch hier haben sich die japanischen Entwickler bei Modell 900NXS bedient. So bringt der DJM-700MK2 sowohl Color FX als auch Beat FX mit. Im Unterschied zum vorangegangenen 750er-Modell befindet sich die Color FX-Abteilung nun auf der linken statt rechten Geräteseite. Ebenso wurden sie in wesentlichen Punkten verbessert. So lassen sich der Dub Echo-, Sweep-, Noise- oder Filtereffekt nun nicht mehr nur einem globalen Parameterregler sondern auch in jedem Hauptkanal über einen fetten Hi/Low-Color-Poti getrennt variieren. Kreative Erweiterungen bietet ebenso die Beat-FX-Sektion. Zwar wurde Gesamtzahl von ehemals 14 auf nun 11 reduziert. Auch wurden einige Typen wie Robot rausgeschmissen und gegen neue wie zum Beispiel Helix ersetzt. Dafür jedoch lässt sich jedoch über drei Buttons festlegen, auf welche Frequenzen (Hi, Mid, Low) der Effekt wirken soll. Ansonsten bringt der Pioneer-Neuling die seit DJM-600-Tagen gewohnten und unverändert untereinander angeordneten Effektfunktionen mit: Den Drehschalter für die Kanalzuweisung, den Time-Poti für die Effektdauer sowie den Level/Depth-Regler für die Intensität. Ein- und ausgeschaltet wird der Effekt durch den legendären Rundbutton am unteren rechten Rand.

Der DJM-750MK2 ist somit keineswegs nur eine verbesserte Version des Vorgängermodells, sondern ebenso eine verkleinerte Variante des Flaggschiffs DJM-900NXS2. Minimale Verschlechterungen wie die gröber segmentierten Level Meter oder fehlende Extras wie digitale I/O fallen da überhaupt nicht ins Gewicht. Den perfekten Mixer zum Minimalpreis gibt es halt nicht. Der neutrale und doch warme, satte Grundsound ist dank abermals verbesserter Digitalkomponenten über jeden Zweifel erhaben – wer noch einen DJM-600 zu Hause hat, kann ja mal spaßeshalber einen Vergleich machen. Zwischen dem analogen Urahnen und heutigen Enkel liegen auch in dieser Hinsicht Welten. Aus heutiger Sicht ist es gar nicht mehr vorstellbar, dass man sich damals damit zufrieden gab und sogar offizielle Mix-CDs auf dem DJM-600 mischte. Ein Highlight noch zum Schluss: mit der im Lieferumfang enthaltenen rekordbox-DJ-Lizenz zieht man gleichzeitig auch die DVS-Erweiterung mit an Land. Selten zuvor war Pioneer DJ-Produkt derart gut im Preis/Leistungsverhältnis wie der DJM-750MK2. Die Kosten liegen übrigens bei 1.199 EUR (ca. 900 EUR Straße).
Aus dem FAZEmag 068/10.2017
www.pioneer.com

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