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Pioneer DJ und Hip-Hop – das war bis in die Nullerjahre hinein nicht unbedingt eine innige Liebe. Scratcher und Turntablisten setzten lieber auf Spezial-Tools anderer Hersteller. Allen voran natürlich auf die der japanischen Konkurrenz von Vestax, gefolgt von den uramerikanischen Marken Numark, Stanton und Rane. Speziell auf dem europäischen Markt konnte man zudem mit einem Battler des spanischen Nischenherstellers Ecler imagemäßig richtig was reißen. Pioneer DJ hingegen war assoziiert mit Dance, Digitalisierung, Beatcounter und CDJing statt Vinyl-Turntablism.

Inzwischen hat sich das Blatt jedoch gewendet. Zum einen, weil sich der Markt gerade im professionellen Battle-Mixer-Segment dramatisch ausgedünnt hat. Primus Vestax hat inzwischen endgültig die Segel gestrichen, Numark ist im Controller- und somit Dance-Bereich heute deutlich besser aufgestellt als im klassischen Turntablism und Stanton schwächelt auch nach der Übernahme durch den Gitarrengiganten Gibson im Jahr 2011 weiter vor sich hin. Weiterhin kam Pioneer der Siegeszug der DVS-Technologie zugute. Dank der kodierten Vinyls war die Digitalisierung selbst für DMC-Turntablisten kein generell skillvernichtendes Teufelszeug mehr.

Zurück auf Los
Seinen ersten Zweikanalmixer brachte Pioneer mit dem DJM-300 vor fast genau 20 Jahren heraus. Als Scratch-Tool war er jedoch nicht konzipiert. Vielmehr war er eine größenhalbierte und technisch abgespeckte Ausgabe des Fünfkanal-Bestsellers DJM-500. Für Club-DJs hilfreiche Funktionen wie die integrierten Beat-Counter pro Kanal oder Fader-Starts für Pioneer-CDJ-Player waren für Turntablisten überflüssig wie ein Kropf. Diese gaben lieber dem wenige Wochen später veröffentlichten Vestax PMC-05 Pro den Vorzug: Ein speziell für Scratcher entwickelter, extrem robuster Zweikanaler, ausgestattet mit einem speziellen Leichtlauf-Crossfader inklusive frei einstellbarer Blendkurve sowie Fader-Reverse. Ein lupenreiner „Battler“ aus dem Hause Pioneer folgte tatsächlich erst 2003 mit dem DJM-909 und dem abgespeckten DJM-707. Gleichzeitig sollten sie in ihrer radikal aufs Turntablism ausgerichteten Bauweise Ausnahmen im Produktkatalog bleiben. Denn der im Jahr 2006 veröffentlichte DJM-400 war zwar ebenfalls ein Zweikanaler, der dank CF-Reverse, Leichtlauf-CF und anderer Funktionen als Scratching-Tool genutzt werden konnte, aufgrund des Layouts und dank der üppigen Effekt-Features hatte er jedoch mehr noch die klassische Dance-Fraktion im Blick. Der DJM-400 lieferte die Blaupause für alle folgenden Pioneer-Zweikanal-Mixer: Kompakt, bezahlbar und auf dem neusten Stand der hauseigenen Technik, ohne sich zu sehr auf einen bestimmten Einsatzzweck festzulegen. Gleiches galt für die vergleichbaren Kompakt-Follow-ups DJM-350 (2010) und DJM-250 (2011).

Faderfreuden
Die Zweikanalmixer von Pioneer als reine Einsteiger-Tools zu klassifizieren, griff schon beim DJM-300 zu kurz und trifft heute noch viel weniger zu. Zwar sind sie kompakter, im Funktionsumfang limitierter und folglich auch günstiger als die großen Pulte. Technologisch befinden sie sich jedoch auf dem Stand der jeweils letzten Mehrkanal-Generation. Wer „Einsteiger-Tool“ mit verminderter Klang- oder Bauteil-Qualität gleichsetzt, könnte kaum schiefer gewickelt sein. Der DJM-250 war bereits in der ersten und ist in der jetzigen zweiten Generation ein exzellentes Beispiel. So verfügt er über den identischen Magvel-Crossfader, der bereits beim Flaggschiff DJM-900NXS2 verbaut wird. Aufgrund der extremen Beanspruchung bei Battle-Mixern seit jeher ein neuralgischer Punkt, überzeugt der magnetische Magvel durch sein genaues und leichtgängiges Regelverhalten und soll mehr als 10 Millionen Reglerbewegungen standhalten. Ähnliches gilt für die ebenso präzise und leichtgängig arbeitenden Up-Fader. Zwischen den Fader-Elementen befinden sich schließlich der battle-obligatorische CF-Reverse-Schalter sowie ein in zwei Positionen einstellbarer CF-Curve-Switch. Letzterer verfügt über die Preset-Einstellungen weich und „cut“ – Feinjustierungen beispielsweise über einen Drehregler sind nicht möglich. Dafür kann der CF jedoch in der Position „Thru“ ganz abgekoppelt werden, um nur mit den Line-Fadern zu mixen. Anschlussseitig zeigt sich der Pioneer-Neuling ebenfalls professionell: Als Eingänge sind drei Stereo-Line-Ins und zwei Phono-Ins im Cinch-Format vorhanden. Hinzu kommt ein Mikrofon-Eingang im 6,3-mm-Klinkeformat. Ausgangsseitig stehen sowohl ein symmetrisches Master-XLR-Paar als auch ein unsymmetrisches Master-Cinch-Paar bereit. Kopfhörer-Ports sind sowohl als Klinke- als auch als Miniklinke vorhanden. Perfekt wäre, hätte der DJM-250MK2 auch noch einen unabhängigen Booth-Out an Bord.

Klang und Bearbeitung
Die im DJM-250MK2 eingesetzte Dithering-Technologie sorgt – wie schon beim Vorgänger – für einen außergewöhnlich warmen, hochwertigen Klang, der mit großen Markenpulten absolut mithalten kann. Dank der integrierten Soundkarte und des USB-Anschlusses lassen sich auf PCs oder Macs abgelegte Tracks über DJ-Programme einbinden. Dazu stellt man einfach den Eingangskanalschalter auf die Laptop-Position. Über die USB-Verbindung werden die Ein- und Ausgänge übertragen, sodass die Mixe direkt auf der Computer-Festplatte aufgenommen werden können. Bis zu einem gewissen Grad lässt sich eine DJ-Software dank Midifizierung sogar ausschließlich über die Mixer-Elemente steuern. Im Regelfall wird man das aber über CDJ-Player oder Plattenspieler mit Timecode-Vinyls erledigen. Die Software-Lizenzen für die hauseigene Software rekordbox DJ sowie die DVS-Erweiterung sind übrigens bereits im Lieferumfang enthalten. Lediglich die passenden Timecode-Vinyls (RB-VS1-K) muss man bei Bedarf für rund 15 EUR pro Stück hinzukaufen. Dem Digitaltrubel nach Pioneer-Art sind allerdings auch Grenzen gesetzt: Den von den großen Brüdern bekannten Netzwerkanschluss Pro DJ-Link zwecks digitaler Direktanbindung eines CDJ-Players oder Effektgeräts besitzt der DJM-250MK2 nicht. Im Gegenzug lockt der Mixer jedoch mit einer anderen, weitaus wichtigeren Besonderheit: Dem Sound-Color-FX „Filter“ aus dem Top-Mixer DJM-900NXS2. Das kombinierte HP/LP-Filter lässt sich über eigene Drehregler jedem der beiden Kanäle separat zuweisen. In Erweiterung zum DJM-250-Vorgänger wurde sogar ein Parameter-Regler implementiert, um die Resonanz zu beeinflussen. Zudem sind nun auch die ehemaligen 3-Band-EQs pro Kanal waschechte Isolatoren, sodass sich die Bässe, Mitten und Höhen über die gummierten Potis ad hoc und vollständig killen lassen.

Wer preisbewusst hardcore batteln oder auch einfach nur genüsslich traditionell auflegen will, kommt um den DJM-250 auch in der MK2-Version nicht herum. Im Lieferumfang des metallgefassten Hardware-Tools ist zum Preis von 349 EUR UVP das entscheidende Software-Package (rekordbox DJ, rekordbox dvs) im Wert von 249 EUR sogar schon enthalten. Kostengünstiger und zugleich hochwertiger ist der Einstieg und Aufstieg kaum denkbar.

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Aus dem FAZEmag 062/04.2017
www.pioneerdj.com

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