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Pioneer Toraiz SP-16 – Building a bridge to your (he)art


Ihre Mixer, Media-Player und Controller in allen Variationen sind weithin bekannt – sie bilden seit vielen Jahren den Standard in Clubs und folglich daheim. Hardware-Effektgeräte hat Pioneer ebenfalls regelmäßig auf den Weg gebracht, zuletzt den abgespeckten RMX-Ableger 500. Selbst in die Bereiche DJ-Software, DVS-Systeme und Analog-Plattenspieler ist der Marktführer inzwischen vorgestoßen. Eine Gattung haben die Japaner jedoch bislang ausgelassen: das Hardware-Instrument. Also etwas, dass die Brücke zwischen originärer Track-Produktion und kreativem DJing schlägt. Und siehe da: Mit dem Sampler Toraiz SP-16 haben die Asiaten nun ihr erstes Instrument vorgelegt. Und zwar ad hoc in einer Güte, die selbst arrivierte Hersteller mit den Ohren schlacken lassen dürfte.

Toraiz SP-16 Konzept
Dass das erste Pioneer-Instrument ein Sampler sein würde, ist folgerichtig. Denn Samples sind aufgrund ihrer klanglichen Flexibilität und spontanen Einsetzbarkeit seit je her das bevorzugte Mittel, um ein Set musikalisch anzureichern. Kein anderes Instrument bietet die Möglichkeit, gleichzeitig Drums, Voices, Basses und Synthesizer-Hooks jeder gewünschten Herkunft einzustreuen – Selbstmittschnitte ebenso wie Fremdmaterial. Alle DJ-Applikationen von Rane Serato bis NI Traktor bringen deshalb heute umfassende Sample-Abteilungen mit, selbst Ableton Live basiert auf diesem Prinzip. So ist die Entwicklung des Toraiz für die Japaner ein zwar großer, aber dennoch evolutionär logischer Schritt. Bereits der erste Kultmixer DJM-600 aus dem Jahre 1996 verfügte über eine kleine Sample-Abteilung, gleiches gilt für die externen Effektgeräte und selbst die CDJs kommen ohne Sampling-Technologie nicht aus. Entsprechend konnte Pioneer bei der Sampling-Technologie auf einen langjährigen Erfahrungsschatz zurückgreifen.

Der muskulöse Körper von Pioneers Mr. T
Was beim Toraiz als erstes ins Auge fällt, sind die Größe des Instruments und seine außergewöhnlich gute Verarbeitung. Pioneer hat sein Instrument vollständig in einen Metallmantel gekleidet, so dass es aufgrund seiner Dimension, etwa so groß wie eine luxuriöse Computertastatur, immerhin 3,2 Kilogramm auf die Waage bringt. Für ein haptisches Hochgefühl sorgen ebenfalls die Bedienelemente. Die 16 Performance-Pads auf der linken Seite sind mitnichten nur harte Launcher, sondern reagieren anschlagdynamisch und stehen in ihrer Weichgummi-Ergonomie denen einer Akai MPC in Nichts nach. Wer mag, kann die Schlagempfindlichkeit sogar in den Werkseinstellungen anpassen. Am unteren Rand schließen sich die 16 Step-Buttons als zusätzliche Klangeingabe-Option an. Diese korrespondieren in ihrer mehrfarbigen Hinterleuchtung mit den Pads und sorgen so bei der Trackgestaltung für ein grandioses Wechselspiel zwischen Live- und Step-Eingabe. Ein Bass-Sample, das über ein gelb illuminiertes Kissen in Echtzeit eingespielt wurde, findet sich also im Step-Sequencer an entsprechender Stelle auf dem gleichermaßen gelb hinterleuchteten Step-Button wieder. Wenn nötig, lässt sich die Sequenz ratzfatz nachkorrigieren oder eben auch komplett umgestalten. Wie sehr sich Pioneer bis ins Detail Gedanken über die erforderliche Ergonomie im rasanten Live-Einsatz Gedanken gemacht hat, wird beispielsweise an den durchsichtigen Step-Buttons deutlich. Abgesehen vom Pluspunkt, dass sie, wie alle anderen Elemente auch, herrlich groß ausgeführt und in einem idealen Abstand angeordnet sind, stehen sie kuppelartig hervor. Das ermöglicht unter anderem, eine Step-Sequenz mit einem langen Fingerstreich innerhalb einer Sekunde ansatzlos abzuräumen oder zu belegen

Touch Down!
Mit der synchronen Farbcodierung der Kissen und Steps ist es aber keinesfalls getan. Sie erstreckt sich bis in das Touch-Display hinein. Dort wird die Belegung der 16 Pads inklusive der Sample-Namen und Farbcodierung als 4 x 4-Gitter virtuell gespiegelt. Schlägt man ein Kissen an, so wird das betreffende Sample im hoch auflösenden Vollfarb-Display umrahmt und man kann mit der Bearbeitung beginnen. Dazu berührt man den gerahmten Klang und gelangt so in die Editier-Unterfenster. Dort lässt sich mit dem Klanghappen so ziemlich alles anstellen, was man von professionellen Samplern kennt: Abspielbereiche definieren und umkehren, die Amp-Hüllkurve verändern, den Trigger-Modus einstellen, sogar eine kleine Auswahl an Insert-Effekten kann man auf direkt den Klang legen. Je nachdem, welche Editfunktion man berührt, gelangt man in ein weiteres Unterfenster. Dieses Subemenü-Gehangel ist das ureigene und wohl gar nicht anders lösbare Leid eines jeden Sample-Musikers. Jedoch hält der Toraiz das Leid dank der Touch-Technologie und des logischen Aufbaus derart gering, dass kaum ein anderer (und schon gar kein Hardware-Sampler) mitkommt. Überhaupt fragt man sich, wieso Pioneer aus dem Stand etwas hinbekommt, das keinem bekannten Samplerhersteller bislang vergleichbar überzeugend gelungen ist. Eine Akai MPC Touch beispielsweise fällt da ganz weit ab. Das riesige Touch-Display stellt übrigens noch zahlreiche weitere Fenster und Funktionen bereit. Von Tempo- und Quantisierungs-Veränderungen über Step-Sequenz-Feinjustierungen bis hin zu kompletten Grid-Verschiebungen ist alles möglich. Auch können hier grafisch übersichtlich Pattern kopiert, eingefügt und deren chronologischer Ablauf festgelegt werden. Selbst ein übersichtliches Mixer-Fenster ist vorhanden, um Master-Effekte einzubinden oder Klänge auf die Einzelausgänge zu routen. Moment – Einzelausgänge? Ja, tatsächlich. Neben dem Stereo-Master-Out trumpft der Toraiz mit drei weiteren Stereo- oder sechs Mono-Ausgängen auf, so dass sich Tracks getrennt ausführen lassen. Ein ganz fetter Pluspunkt, mit dem der Nippon-Sampler seine Studiotauglichkeit unterstreicht.

Synchronschwimmen mit Herrn Schmidt
Ein weiteres Highlight des Toraiz ist die Filtersektion. Bereits bei Ankündigung hat diese Sektion für Erstaunen gesorgt. Denn es arbeitet voll analog und stammt von Synthesizer-Legende Dave Smith, der auf der Musikmesse alleine schon durch seine Anwesenheit am Pioneer-Stand ein wenig die Werbetrommel für den Toraiz rührte. Anwendbar ist die zuschaltbare Sektion erwartungsgemäß nur auf den Master und unterteilt sich in einen Lowpass-Typen mit Cutoff- und Resonance-Reglern und einen Highpass mit Cutoff. Das Filter klingt sehr edel, warm und voll, vor allem wenn man den Sound mit dem zusätzlichen Drive-Poti noch ein wenig zerrt. Ein Alleinstellungsmerkmal des Toraiz sei abschließend noch erwähnt: die automatische Synchronisierbarkeit mit anderen Pioneer-Tools. Sie erfolgt über den Pro-DJ-Link-Anschluss, den auch der Toraiz mitbringt. Der Sampler lässt sich also beispielsweise über einen CDJ-2000NXS als Master entweder im Beat-Sync oder Bar-Sync parallel takten. Damit hätte Pioneer das seit jeher bestehende Hauptproblem beim Einsatz von Samplern im DJ-Betrieb gelöst: den groovenden Parallellauf.

Was den Toraiz so kaufträchtig macht
Es gibt Instrumente, die mögen zahllose Funktionen bieten, trotzdem wird man nie so richtig mit ihnen warm. Und es gibt Instrumente, in die verliebt man sich sofort. Der Toraiz gehört zur zweiten Kategorie. Warum das so ist, kann und muss man auch gar nicht bis ins Detail analysieren. Es ist der Zauber, der bestimmten Geräten einfach innewohnt. Natürlich ist das Grundkonzept keinesfalls neu. Ein bisschen Akai MPC (Touch) und somit auch NI Maschine (Jam), eine Prise Ableton Live, auch die Korg Volca/Electribe-Sampler kommen einem partiell in den Sinn – und dennoch: Die Symbiose aus klassischen Hardware-Reglern und Touch Screen-Bedienung greift wie bei eigentlich keinem anderem Hersteller derart organisch ineinander. Selten zuvor konnte man mit Samples derart flexibel umgehen und on-the-flow Pattern erstellen. Die Samples liegen wie ein weicher Klumpen Ton in der Hand uns lassen sich organisch formen. Die geforderten 1.599 EUR UVP sind sicher kein Pappenstil. Jedoch tritt er in Anbetracht der Stabilität, Verarbeitungsqualität und des sensationellen Workflows sowohl im Live-Einsatz als auch Studiobetrieb schnell in den Hintergrund.

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Aus dem FAZEmag 057
Text: Matthias Tienel
www.pioneerdj.com