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Man kreuzt den Kino-Blockbuster „Inception“ mit Alice im Wunderland und streut ordentlich Franz Kafka drauf. Heraus kommt: „Der unsichtbare Apfel“. Der Debütroman von Robert Gwisdek, besser bekannt als Indie-HipHopper Käptn Peng, ist aus einer anderen Welt herübergereist. Diese lässt sich am besten von seiner Homepage „Kreismusik“ aus erklären. Denn der Kreis ist Erkennungszeichen von Gwisdek und seiner HipHop-Crew „Käptn Peng & Die Tentakel von Delphi“, die mit außergewöhnlichen Instrumenten (Kuchenblech, alter Koffer, Klobürste), ohne Samples daherkommen und Sachen rappen wie: “Hallo Freunde, hallo Feinde/Hallo Individuum, hallo Gemeinde/Hallo Wölfe und hallo Schweine/Hallo Fink, hallo Star, hallo Meise/Hallo Bäume und hallo Fluß/Hallo Hypophyse, hallo Hypothalamus.“ Der Kreis ist auch auf dem Cover zu sehen. Zusammen mit der Überschrift „Der unsichtbare Apfel“ wird daraus eine stilisierte Frucht und nebenbei der Hinweis: Mit Sprache ist die Welt doppelt da. Ein Kreis wird ein Apfel, wenn man ihn so nennt. Und ein etwas verschrobener Junge avanciert zum Fantasy-Helden, wenn man ihn nur lässt. Igor, Held aus „Der unsichtbare Apfel“ kommt eigensinnig wie so viele Fanatsy-Helden (Harry Potter, der kleine Hobbit) daher: “Lange glaubte er, die Welt sei eine unglaublich raffinierte Konstruktion, die vergessen hatte, wofür sie da war. Sie schien verlassen, wie ein Vergnügungspark, dessen Besitzer verschwunden war, dessen Attraktionen aber noch blinkten und der angefüllt war mit Besuchern. Nur diejenigen, die den Park gebaut hatten, waren nirgendwo zu finden.“ Als Igor 23 Jahre alt wird scheinen alle Sicherungen bei ihm durchzudrehen. Denn ab da erlebt der Junge die bizarrsten Szenen, in denen er unter anderem einen Apfel gebiert, aus dem mehrere Kinder entstehen, für die er wiederum Unmengen an Essen zubereiten muss (also eine Art Mix aus Schneewittchen, den Alien-Filmen und der süße Brei). Er spaziert durch ein Schlaraffenland und spricht mit den Tieren, die ihn von nun an auf seinem Weg begleiten werden. Das Ganze wird als lange Reise beschrieben, als sei Igor durch ein Loch gefallen und in einer Parallelwelt aufgewacht, durch die er nun gehen muss. Aber eigentlich ist klar, dass das hier nur eine Reise durch die Phantasie sein kann. Passenderweise bekommt Igor als ständigen Begleiter einen magischen Kreis hinzugestellt, der hinter seinem Rücken das „Tor ins Nichts“ offen hält. Klar, auch das kann ein Kreis sein: Apfel, Loch, Tor ins Nichts. Unheimlich – und gut.

Robert Gwisdek – Der unsichtbare Apfel
Kiepenheuer & Witsch, 358 Seiten, 12,99 EUR

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