
Das Clubsterben in Deutschland geht weiter: In einem Landkreis in Schleswig-Holstein schließen gleich zwei Anlaufstellen für Partygänger. Nachdem ein beliebter Großraumclub erst vor wenigen Tagen sein Ende nach 18 Jahren Betrieb verkündet hatte, steht jetzt fest: Auch für einen weiteren Betrieb in der Nähe wird es keine Zukunft geben. Die übergeordnete Frage, die sich stellt: Gibt es überhaupt eine Zukunft für Musik-Clubs im ländlichen Raum?
Erst eine Woche ist es her, dass der Fun-Parc Trittau den Abschluss einer Ära bekannt gab: Der Kultclub im Kreis Stormarn, nordöstlich von Hamburg in Schleswig-Holstein gelegen, schließt seine Türen für immer – zwei Jahre vor dem 20-jährigen Betriebsjubiläum und zwei Jahre vor dem 40-jährigen Jubiläum eines Club-Betriebs in der norddeutschen Gemeinde.
Im April kam vor dem beliebten Club zu einer Schlägerei mit Todesopfer – ein 21 Jahre junger Mann starb, der Tatverdächtige floh zunächst, stellte sich zwei Wochen später aber der Polizei.
Im Mai mussten die Betreiber Insolvenz anmelden. Gerüchte einer Schließung wurden zunächst dementiert, die Insolvenz gelte nur für eine der drei unterhaltenden Gesellschaften, die den Betrieb führten, das operative Geschäft und die Veranstaltungen liefen weiter.
Doch damit ist jetzt Schluss: Während die Ermittlungen zum Vorfall im April fast abgeschlossen sind, gab der Fun-Parc sein endgültiges Ende zum 1. September an. Nicht bekannt ist, ob die damalige Auseinandersetzung Schließungsgrund ist. Laut einem Insolvenzverwalter spiele sie allerdings „sicherlich eine Rolle“.
Vor der Schließung finden an diesem Wochenende noch zwei Veranstaltungen statt. Am vergangenen Wochenende gab es einen letzten Rave mit Hardstyle Takeover.
Als wäre die Schließung des Fun-Parcs nicht genug, wurde jetzt bekannt, dass auch ein weiterer Club in der Umgebung aufgeben musste. Nur etwa 20 Kilometer entfernt, für den ländlichen Raum keine weite Distanz, gibt es für den N1 Club in Ahrensburg wohl keine Zukunft.
Der gerade einmal im Juni 2022 eröffnete Club hatte sein letztes Event im März, danach herrschte Funkstille. Gerüchte machten bei den Einheimischen die Runde. Nun herrscht Klarheit: Club-Betreiberin Pamela Brun äußerte sich, dass eine Wiedereröffnung „nicht geplant und auch in Zukunft unwahrscheinlich“ sei. Damit haben potenzielle Besucher nun traurige Gewissheit.
Der Grund für das Aus: finanzielle Schwierigkeiten. Der während der Covid-19-Pandemie geplante Club in den Räumlichkeiten des ehemaligen J’s Kellaa zog nicht genug Gäste an, trotz hoher Erwartungen nach den Ausgangssperren der Pandemie – und das, obwohl der Club für einen sechsstelligen Betrag aufwendig umgebaut wurde. Gleichzeitig kamen hohe Kosten für die Miete, Gehälter sowie GEMA-Gebühren der Rentabilität in die Quere.
Für die Gäste in der Umgebung hatte der Club zudem anscheinend ein zu teures Image, wie Brun erzählt. Außerdem habe man sich unter den Gesellschaftern der GmbH, die den Club unterhielt, zerstritten. Nun steht Brun vor einen hohen Kostenberg, über die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens wurde noch nicht gerichtlich entschieden.
Die Fälle des Fun-Parc Trittau und des N1 Clubs zeigen, mit welchen Herausforderungen Clubs im ländlichen Raum sich konfrontiert sehen. Im Landkreis Ahrensburg gibt es laut den Hamburger Abendblatt nur noch zwei Clubs nach dem Ende des N1 und des Fun-Parcs. Ansonsten muss man für Clubnächte nach Hamburg oder Lübeck fahren. Es stellt sich die Frage, ob Clubs in Zeiten der Clubkrise und steigender Kosten auf dem Land überhaupt noch profitabel sein können – ein Thema, das uns in der nächsten Zeit sicherlich noch weiter beschäftigen wird.
Quellen: Hamburger Abendblatt, t-online, NDR
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