Foto: www.sexworkerfest.com


 

„A woman has a right to sell sexual services just as much as she has the right to sell her brains to a law firm or sell creative work to a museum…“

Diese Aussage fiel im Jahr 1973 von der ersten US-amerikanischen Prostituiertenorganisation COYOTE (Call Off Your Old Tired Ethics).

Haben Freier denn auch das Recht, ihnen mittels Gewalt, Vergewaltigung oder Mord ihrer Existenz zu berauben? Denn leider werden Frauen in der Sexindustrie statistisch gesehen öfter von Kunden, Zuhältern oder anderen Personen misshandelt, als irgendwer sonst. Hinzu kommen noch die äußerst schmerzhaften Situationen, in welchen sie stigmatisiert, diskriminiert oder kriminalisiert werden. Man könnte also meinen, dass Gewalt gegen Sexarbeiter schon irgendwie vom Staat geduldet wird. Sind ja auch nur Nutten oder? Glücklicherweise gibt es Menschen, die nicht einfach nur wegschauen – wie die meisten von uns. Oder wie oft bist du schon dazwischen gegangen, als du eine gewaltsame oder erniedrigende Situation beobachtet hast? Vielleicht noch schnell das Handy aus der Tasche gezückt, für ne nice Instastory? Der ein oder andere fühlt sich jetzt wohl weniger angesprochen, der andere hoffentlich mehr. Gut so, denn du bist ein Arschloch.

In den 80ern kam es in Seattle vermehrt zu einer Reihe von Morden an Prostituierten. Der sogenannte „Green River Killer“ – ein US-amerikanischer Serien-Mörder – treibte du dieser Zeit sein Unwesen. Er wurde erst 15 Jahre später geschnappt, als er schon 48 Professionellen das Leben genommen hatte. Daher wurde der 17. Dezember als internationale Tag gegen Gewalt an Sexarbeitern eingeführt.

Sexdienstleistern wird leider viel zu selten das Recht eingeräumt, ihre Geschichte mit ihren eigenen Worten erzählen zu können. Und wenn ja, hört nur ein Bruchteil der Bevölkerung zu. Zu oft sind die Erfahrungen von Menschen, die in der Sexindustrie tätig sind, auf ausbeuterische Nachrichten reduziert, falls mal Langeweile am Esstisch herrscht oder so. Frauen werden oft einfach nur auf ihr Äußeres beschränkt und sind ja auch eigentlich selbst schuld, wenn sie am Arbeitsplatz belästigt werden, ist ja schon ziemlich aufreizend und dreist, im Sommer mit kurzer Hose rumzulaufen. Wenns dann jedoch um einen neuen, unnötigen Hype im Internet geht oder warum Kim Kardashians Brüste nicht in ihr Kleid gepasst haben, hört die Welt auf einmal zu. Ganz ehrlich, ich hasse unsere Welt für solche Szenarien und Menschen, die nach diesem Motto leben. Viele Leute fragen sich auch, warum Vergewaltigungsopfer stets den Mund nach der Tat halten, na macht’s klick? Um etwas in unserer Welt verändern zu können, bedarf es schon mehr, als ein trauriges Gesicht und einen lieblosen Schulterklopfer.

In San Francisco können Sexarbeiter ihren ganzen Scheiss mal vergessen und das, bei einem 10-tägigen Symposium, das von und für Sexarbeiter und ihre Verbündeten veranstaltet wurde. Das Festival „Sex Worker Film and Arts Festival“ findet alle zwei Jahre statt und präsentiert mit ausführlichem Filmmaterial, sowie Performance und Vorträgen über die facettenreichen Erfahrungen von Bordellarbeitern bis hin zu Pornolegenden. Gegründet wurde das Ganze von der Prostituiertenrechtlerin Carol Leigh (alias Scarlot Harlot), die Ende der 70er Jahre den Begriff „Sexarbeiter“ prägte und das Festival 1999 ins Leben rief. Das Sex Worker Fest bietet einen umfangreichen Zeitplan von Workshops darüber, wie Sexarbeit nicht mit Menschenhandel gleichzusetzen ist, Selbstgespräche, Lesungen, Panels und sogar einen Sexarbeiter-Spa-Tag namens „The Whore’s Bath“. Jeder hat die Möglichkeit auf das Festival zu gehen, keiner wird aufgrund mangelnden Geldes abgewiesen. Die Ticketpreise belaufen sich zwischen null und 150 Dollar. Auch wenn das Festival nichts mit elektronischer Musik zu tun hat, so ist es doch eine super Sache, die gewürdigt werden sollte.

Das Festival findet dieses Jahr vom 22. – 26. Mai statt.

www.sexworkerfest.com