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Das Internet verzeiht nie. Auch wenn es gerade wenig Neues um den Veranstaltungsriesen SFX Entertainment gibt, geistern wieder einige Diskussionen durch die Social Media Kanäle. Liegt SFX jeder einzelne Kunde am Herzen oder eher die Gewinnoptimierung? Was passiert mit Unternehmen, nach dem SFX sie aufkauft? Wir nehmen dies zum Anlass, die letzten Ereignisse rund um den New Yorker Konzern zusammenzufassen.

Der US-Konzern SFX Entertainment hat in den letzten Jahren des Öfteren Schlagzeilen gemacht. Wenn auch nicht mit seinem eigenen Namen, so waren deren Tochterunternehmen im Fadenkreuz der Kritik. Bei dem Portfolio, das SFX an den Tag legt, ist es aber auch kein Wunder, dass mindestens eine Firma des Media-Riesen, nein sogar -Giganten, in den News zu finden ist: Electric Zoo, Tomorrowland, Tomorrowworld, Sensation, Mysteryland, Nature One, MAYDAY, Ruhr-In-Love – es scheint, dass alle mehr oder weniger namhaften EDM-Festivals dieses Planeten irgendwie und in irgendeiner Form mit SFX zusammenhängen. Doch irgendwann reichte es nicht mehr aus, nur Festivals zu organisieren. Die gespielte Musik wollte man von nun auch verkaufen und so wurde im Februar letzten Jahres Beatport für etwas mehr als 50 Millionen US-Dollar von SFX aufgekauft, um das Portfolio des Konzerns in Sachen elektronischer Musik zu erweitern. Beim beliebten Download-Portal für elektronische Musik änderte sich vorerst nichts. Man konnte weiter wie gewohnt seine Musik kaufen, Künstler ihre dort verkaufen und es kamen ein paar neue Features hinzu: Beatport Sounds und die Beatport Mixes, bei der DJs gleich ihre ganzen Mixe verkaufen können, z.B.

Mitarbeiter raus, Gewinn rein

Im Dezember 2013 dann der erste Eklat seit der Übernahme durch SFX Entertainment. Beatport feuerte einen Großteil seines Ingenieurteams. Sie packten ein paar Leute der Personalabteilung ins Flugzeug, flogen sie nach San Fransisco und dort erzählten sie den Mitarbeitern, dass sie doch bitte ihre Sachen packen sollen, sie seien gefeuert. Gegenüber Techcrunch äußerten sich Insider zu diesem Fall: Man wollte sie erst über einen Konferenzanruf darüber informieren, doch dann war Beatport besorgt. Sie fürchteten, dass “die Leute das Büro komplett zerstören, wenn wir keinen hinfliegen.” Kontrolliertes Kündigungsmanagement könnte man das zynisch nennen. Weiter heißt es: “[SFX] ist nur auf das Geschäft fokussiert. Es war Wahnsinn. […] Einige der gekündigten haben fast zehn Jahre dort gearbeitet.” Auch in Denver, wo Beatport seinen Hauptsitz hat, wurden Stellen gestrichen. Eine Welle der Entrüstung schwappte durch das Web. Nicht nur die Anzahl der Kündigungen wurde kritisiert, die Art und Weise wie man ihnen kündigte löste bei vielen in der Netzgemeinde Fassungslosigkeit über die rabiaten Methoden des Konzern aus. SFX Entertainment äußerte sich einige Tage später zu diesem Fall. In einer Stellungnahme hieß es: “Mit den zusätzlichen Ressourcen durch SFX machen wir neue Investitionen und fokussieren uns auf das Bereitstellen der bestmöglichen User-Experience. […] Um uns zu verbessern war es nötig, einige organisatorische Veränderungen vorzunehmen. […] Wir freuen uns auf neue, aufregende Technologien in 2014.

beatport

Eine dieser “neuen Technologien” wurde schon Ende 2013 vorgestellt: Paid Content auf Beatport. Labels sollen schon bald für Highlight-Banner bezahlen können, um ihre Veröffentlichungen bevorzugt zu bewerben und damit so ihre eigenen Umsätze erhöhen. Klingt im eigentlichen Sinne nicht allzu verkehrt. Die Banner werden dann als “sponsored” angezeigt und diese Praxis ist von anderen Plattformen bereits bekannt. Was übel aufstößt ist jedoch, dass Beatport CEO Matt Adell heraushebt, dass “über 90% aller verkauften Titel auf Beatport […] von kleinen, unabhängigen Labels und Künstlern” kommen. Auf anderen Plattformen sollen nur drei große Labels fast 85% aller Verkäufe einfahren, so Adell weiter. Er brüstet sich also damit, dass Beatport quasi das Sprachohr für alle kleinen Labels in der weltweiten elektronischen Musikszene ist. Wenn man sich jedoch die happigen Startpreise für die Sposored-Banner anschaut, kommen berechtigte Zweifel auf, ob Beatport überhaupt an der Mehrheit seiner Kundschaft interessiert ist. Die Preise starten bei saftigen 2.000 US-Dollar für weniger prominent, und 4.000 US-Dollar für mehr prominent platzierte Banner.

Nach einigen Wochen wurde es wieder still um den Konzern aus New York. Dann, im Februar 2014, gab Westbam eine Pressemitteilung heraus, in der er seinen Ausstieg aus der MAYDAY bekanntgibt. Kurz zur Erinnerung, die MAYDAY wurde 1991 unter anderem von Westbam mitinitiiert, er trat auf allen 60 MAYDAY-Events auf, und im November 2013 zusammen mit dem Veranstalter i-Motion an SFX Entertainment verkauft. Westbam beklagte, dass die heutige Veranstaltung nichts mehr mit dem Ursprungsgedanken der MAYDAY zu tun haben würde. Das Medienecho war gewaltig und SFX Entertainment stand mit seiner neuen Tochtergesellschaft i-Motion erneut in der Kritik. Das vor einigen Tagen veröffentlichte Line-up stößt ebenso auf größtenteils negatives Echo.

Übernahme durch die Hintertür

Damit aber nicht genug. Die Gier von SFX, alles auch nur annähernd relevante im EDM-Bereich unter Kontrolle zu haben, reißt nicht ab. Auch das Electric Forest Festival im US-Staat Michigan soll, wenn es nach den Verantwortlichen geht, ins Portfolio. Dafür werden allem Anschein Methoden genutzt, die ihresgleichen suchen. Bereits 2013 zeigten sie Interesse an dem Festival und wollten Insomniac, eine der Veranstalterfirmen, aufkaufen. Diese lehnten ab und SFX wandten sich an den anderen Veranstalter, Madison House Presents. Auch die lehnten ab und verkauften ihre Anteile am Festival lieber anderweitig. Der Event-Riese gibt aber nicht auf und versucht das Festival noch in diesem Jahr über die Hintertür zu schlucken. SFX Entertainment möchte gerne die Double JJ Ranch zu kaufen. Das Gelände, auf dem das Electric Forest Festival stattfindet. Dafür gehen sie sogar vor Gericht und versuchen den Vertrag zwischen den Organisatoren und dem aktuellen Geländebesitzer für unwirksam zu erklären, um so Druck auf die Festival-Organisatoren auszuüben. “Was SFX da versucht, ist wirklich unübersehbar. Sie versuchen Eigentum eines etablierten Festival-Konkurrenten zu übernehmen, um all diejenigen zu bestrafen, die nicht nach ihren Regeln spielen. Sie interessieren sich nicht für die 21.000 Leute, die bereits Tickets gekauft haben” sagte Jennifer Forkish, Pressesprecherin des Electric Forest Festivals, in einem Interview. SFX sieht das natürlich ganz anders und reagierte prompt auf dieses Statement: “Es ist überhaupt kein Funken Wahrheit an dieser Geschichte […] In Wahrheit haben wir uns darauf geeinigt den jetzigen Eigentümer des Geländes zu schützen und die andere Partei begann den Kampf vor Gericht – sehr zu unserer Verwunderung. […] Wir bedauern diese Entwicklung, können aber versprechen, dass wir nur daran interessiert sind die Möglichkeiten für alle EMC-Fans zu erweitern.”

Die Praktiken um die Welt für alle zu verbessern sind durchaus fragwürdig. Wir wollten mit den Verantwortlichen von SFX-Entertainment sprechen und sie über die aktuelle Situation und zukünftige Pläne befragen. Alle unsere Anfragen blieben bisher leider unbeantwortet. Schade.

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