Sein erstes Release hatte Sharam Jey, Kölner mit iranischen Wurzeln, bereits vor 25 Jahren. Seitdem hat sich der DJ und Produzent nicht nur zum Headliner in Clubs und auf Festivals entwickelt, auch als Label-Betreiber und Designer hat er sich einen Namen gemacht. King Kong Records und Bunny Tiger sind in der Szene zwei renommierte Brands. Am 20. Dezember ist auf letztgenanntem Label die zehnte „Bunny Tiger Selection“ erschienen: mit 20 Titeln – darunter exklusive und unveröffentlichte aus dem Label-Innercircle sowie alte Klassiker im neuen Gewand – von Künstlern wie FREYA, David Fesser, Fish from Japan, Andruss, Dmitri Saidi, LouLou Players und vielen anderen.


Sharam, das vergangene Jahr war erneut sehr erfolgreich für dich – du hast auch wieder vermehrt auf anderen Labels veröffentlicht.

Ja, 2019 war ein gutes Jahr für mich. Ich war viel unterwegs und hatte tolle Gigs. Und in der Tat: Nachdem ich in den Vorjahren meist für meine eigenen Labels Musik gemacht hatte, konnte ich dieses Jahr etwas mehr Zeit im Studio verbringen und habe auch für andere Imprints produziert.

Dabei waren Labels wie Katermukke, Kittball, Flashmob, Superfett, Sola Records und Toolroom – und unter den Veröffentlichungen waren zahlreiche Kollaborationen.

Alle genannten Labels gehören zu meinen absoluten Favoriten und ich bin happy, mit ihnen arbeiten zu können. Die Szene ist überschaubar und wir sind schon alle lange dabei, dementsprechend hat man untereinander guten Kontakt. Ich hab dann einfach die Produktionen, bei denen ich dachte, es passt, an die jeweiligen Labels weitergeschickt. Die mochten die Sachen. Es hat dann einfach gepasst. Lucky me! (lacht)

Du hast unter anderem mit Jean Bacarreza, Andruss und Branzei gearbeitet. Wie lief das?

Bei den dreien war es so, dass sie mir Demos gesendet haben und ich überzeugt war. Sie alle haben Talent. Der Austausch von Ideen und Sounds lief dann über Skype etc. Alle sind ja verstreut in der ganzen Welt. Jean Bacarreza kommt aus Bolivien und lebt in Brasilien, Andruss lebt in Mexiko und Branzei kommt aus Vancouver, Kanada. Somit sind die Releases sehr international.

Generell kollaborierst du sehr gerne mit anderen Künstlern. Was macht für dich eine gute Zusammenarbeit aus?

Wichtig ist natürlich, dass man auf einer Wellenlänge ist. Wenn man so viel rumreist und dadurch selten im Studio ist, dann muss der Vibe passen. Von unterwegs kann man sich zu jeder Zeit Files hin- und herschieben, daran arbeiten und übers Arrangement sprechen. So passt das schon.

Wie suchst du deine Co-Worker im Studio aus und wie schwierig ist es, die verschiedenen Einflüsse am Ende harmonieren zu lassen?

Eigentlich ist das gar nicht so schwierig. Man kennt sich ja und weiß, was der andere musikalisch gut findet. Viele hatten ja auch schon Releases bei Bunny Tiger. Dadurch weiß der andere eigentlich immer ganz gut, wohin die Reise gehen soll mit dem Sound und Style des Tracks. Wir vertrauen uns da auf jeden Fall mittlerweile alle ganz gut.

Du bist schon sehr lange im Business. Wie betrachtest du deine musikalische Entwicklung?

Ich glaube, es hat sich ehrlich gesagt gar nicht so viel verändert. Ich habe von Anfang an Clubmusik von DJs für DJs gemacht und alles bezieht sich doch irgendwie auf House und Techno. Natürlich gibt es verschiedene Genres – mal kommen neue, mal verschwinden welche, aber es geht doch immer darum, was funktioniert im Club, denke ich.

Mit Bunny Tiger führst du ein erfolgreiches Label. Gerade habt ihr eine Various-Artists-Platte mit 20 Titeln rausgebracht.

Korrekt. Das ist jetzt Volume 10 für uns. Für uns ist es das jährliche Highlight vor Weihnachten. Ich suche dafür immer 20 Tracks von unseren Bunny-Tiger-Künstlern aus, die bis dahin unveröffentlicht waren. Dieses Jahr wollte ich zusätzlich einige Klassiker des Labels neu geremixt haben. Es ist ein schönes Paket geworden.

Wie hat sich deine Arbeit als Label-Inhaber mit der Zeit verändert? Ist es schwieriger geworden, passende und gute Musik zu finden, oder vielleicht sogar einfacher?

Ich würde sagen: sowohl als auch. Klar, durch das Internet und die digitalen Möglichkeiten ist es einfacher, an passende Musik zu kommen, da du aus allen Ecken der Welt Demos erhältst. Die Schattenseite ist, dass ich oftmals das Gefühl habe, dass die Leute nicht so richtig überlegen und wahllos Sachen schicken. Das führt dann dazu, dass es halt doch schwierig ist, gute Musik zu finden, da man sich durch sehr viele Demos hören muss.

Was sind deine Pläne mit Bunny Tiger für 2020?

So weitermachen wie bisher, eigentlich! Das heißt, touren und Musik veröffentlichen. Vor allem freue ich mich darauf, unser neuestes Label Elly Fly weiter aufzubauen. Wir hatten Ende 2019 schon drei Releases und wollen in diesem Jahr richtig Gas geben. Das Label hat eher einen deepen, melodischen Sound. Wenn man sich beispielsweise das erste Release von Aiwaska anhört, das Megasupport von Acts wie Damian Lazarus, Audiofly und DJ Behrouz bekommen hat, dann kriegt man ein gutes Feeling dafür, wohin es gehen soll mit dem Sound.

Der Januar steht traditionell ganz im Zeichen der Vorsätze. Was ist auf deiner Agenda zu finden?

Dass ich genau in dieser Ausgabe vertreten bin, ist ja schon mal ein gutes Omen! (lacht)
Ich möchte mich stark auf unsere „Bunny Tiger Clothing Line“ konzentrieren und endlich unsere Kids-Collection fertigstellen. Zurzeit arbeite ich noch an einem weiteren „geheimen“ Musikprojekt. Ich kann noch nicht allzu viel sagen, daher immer schön meinem Social-Media-Feed folgen!

In diesem Monat lieferst du den offiziellen Download-Mix für FAZE – und damit den ersten des Jahres 2020.

Das freut mich sehr. Ich habe eine schöne Mischung aus Tracks von allen unseren Labels mit Sachen von Bunny Tiger gemixt, also eher cluborientiert. Und mit Bunny Tiger Dubs wird es etwas deeper und „düsterer“. Und klar, auch ein paar Tracks vom neuen Label Elly Fly sind dabei. Also insgesamt eine schöne, runde Mischung.

Du bist zwar in Köln ansässig, aber du verbringst unheimlich viel Zeit in Südamerika. Wo bist du dort am liebsten?

Ja, ich bin sehr oft in Brasilien und Argentinien. In Brasilien bin ich, gerade wenn ich privat dort bin, immer in Florianopolis. Dort ist es ruhiger und relaxter als in den großen Städten wie São Paulo. Da gibt es einige nette Bars und Restaurants. Am liebsten gehe ich ins Praia La Serena, ein schönes Restaurant mit frischem Fisch. Da können die Kids am Strand spielen und ich trink mit meiner Frau ein Glas Wein – herrlich.

Was sind deine aktuellen Top 5 in Sachen aufstrebender Künstler, denen es zu folgen gilt?

1. Aiwaska
2. Andruss
3. Branzei
4. Jean Bacarreza
5. Dmitri Saidi

 

Aus dem FAZEmag 095/01.2020
Text: Triple P
www.facebook.com/sharamjey