Steve Angello ist im EDM-Bereich jetzt schon eine lebende Legende, hat er doch unter anderem als Swedish House Mafia – zusammen mit Axwell und Sebastian Ingrosso – die Dance-Musik in die breite Öffentlichkeit gerückt. Der 35-jährige Superstar, der schon etliche Male mit seinen Veröffentlichungen Platin-Status erreicht hat, ist trotzdem anders; ein wenig unbequemer, nicht im Trend mitschwimmend, sondern eher suchend. Gerade ist sein neues Album „Human“ frisch erschienen und wir haben ihn zum Gespräch gebeten.

Photo credit - Alexander Wessely5


Wer deine Social-Media-Profile in letzter Zeit verfolgt hat, dem ist aufgefallen, dass dort viel passiert ist. Ist diese Arbeit für dich mit viel Stress verbunden? Und wie sieht es momentan aus?

Ehrlich gesagt bin ich insgesamt nicht so gestresst. Ich habe mich ziemlich gut entspannt und gesammelt! Ich bin in meinem Element, wenn Chaos um mich herum herrscht, da fühle ich mich wohl. Ich wache um 7:00 Uhr morgens auf und arbeite bis ca. 10:00 Uhr kreativ. Ich beginne den Tag immer mit Ideen, da nichts meinen Gedankenprozess beeinflusst oder bereits in ihn eingegriffen hat. Danach gehe ich zur Arbeit und anschließend, gegen Mittag, gehe ich ins Studio; dort bleibe ich, bis meine Kinder von der Schule nach Hause kommen. Wenn die Musik fertig ist, konzentriere ich mich auf die Visuals, das Design, Social Media und das Merchandise; ich genieße das, denn so bleibe ich kreativ, auch nachdem die Musik schon geliefert wurde. Wie sieht deine Woche denn gerade aus?

Ja, meine Woche ist auch stets gut gefüllt, auch wenn sich die Kreativarbeit eher in der Nacht abspielt, da mein Nachwuchs noch sehr klein ist.
Du bist ein sehr vielseitiger Künstler. War das Album lange von dir geplant oder ist das bei dir eher ein Prozess, der sich relativ spontan ergibt?

Ich liebe es, ein Album zu planen. Ich denke, dass der Albumprozess für bestimmte Künstler sehr wichtig ist, denn dann bist du als Mensch am verletzlichsten. Du stellst alles zurück und nimmst einen enormen Druck auf dich, um wieder ein Vertrauen mit dem aufzubauen, was neu ist. Ich mag dieses Gefühl. Ich fühle mich dann wie neu geboren.

21 Songs, das ist eine gigantische Zahl. War das wirklich geplant? Sind alle Tracks auf dem Album gelandet, die es dorthin schaffen sollten, oder haben einige nicht mehr draufgepasst?

Viele Dinge haben sich während des Prozesses geändert. Ich hatte das Gefühl, Musik zu machen, mit der ich den Rest meines Lebens leben könnte. Ich gehe ins Studio und ich kreiere. Kein Kompromiss, kein Plan, keine Formel – ich erschaffe nur. Und egal, ob es 21 oder 31 Stücke sind: Es ist das, was ich mit diesem Konzept geschaffen habe. Es hätten weniger oder mehr Lieder sein können, aber bei diesen 21 Songs fühlte ich das Richtige!

Ist eine komplette Album-Tour geplant und führt sie nach Deutschland, Österreich oder in die Schweiz?

Ich werde auf vielen Sommerfestivals spielen und vereinzelte Solo-Shows machen, aber die wirkliche Album-Tour wird im Herbst sein, dann komme ich mit meiner eigenen Produktionsshow auf Tournee.

Du hast fast die ganze Welt bereist und hast wirklich eine Menge gemacht und bewegt. Würdest du sagen, dass du alles richtig gemacht hast? Würdest du alles genauso wieder tun?

Niemand ist perfekt, aber ich bin verdammt nah dran! Wir alle machen Fehler, aber wenn ich es noch einmal machen müsste, würde ich es wieder genauso tun – und dieselben Fehler machen. Ich bin stolz darauf, wer ich bin; meine Reise hat mich zu dem gemacht, was ich heute bin.

Mit deinem Label SIZE setzt du auf neue, frische Künstler, die auch im Albumformat arbeiten können. Wie ist Steve Angello als Labelchef? Unterstützt er seine Künstler mit Fragen und Antworten, Tipps und Tricks?

Absolut! Ich helfe und betreue, so viel ich kann. Ich kann den Künstlern eine Menge Tipps und Antworten geben, aber sie sollen eben nicht so klingen wie ich. Jeder Künstler auf meiner Liste hat seine eigene Identität und ist unglaublich kreativ. Ich helfe jedem Einzelnen beim kreativen Prozess und den Ideen; ich kann den Künstler führen, aber er muss seinen eigenen Weg gehen.

Wenn du all deine Studioalben vergleichst, wie würdest du sie heute beurteilen und wie würdest du deine Entwicklung beschreiben?

Bei meinem letzten Album „Wild Youth” ging es darum, eine Geschichte zu erzählen. „Human” ist eher ein Konzeptalbum: Beton, blinkende Lichter, Motorräder, Paris und Tokio in der Nacht, Großstadt, Mode und PVC.

Kommen wir zu Steve Angello als Solokünstler: Fühlt es sich freier an, allein zu arbeiten, genau das tun zu können, was du willst?

Ich war immer frei. Beide Sachen, sowohl das Arbeiten als Solokünstler als auch das Arbeiten in einer Gruppenformation wie der Swedish House Mafia, machen Spaß. Ich bin glücklich, dass ich beides machen kann!

Die Welt weiß relativ wenig über dein Privatleben. Warum ist es so wichtig für dich, da diskret zu bleiben bzw. es geheim zu halten?

Ich war früher ziemlich offen. Für mich ist es wichtig, mit meinen Fans zu kommunizieren, aber ich denke, dass Privatsphäre auch sehr wichtig ist, besonders dann, wenn man Kinder hat.

Welcher Weg ist für dich der beste, um zu entspannen? Was würdest du machen, wenn du eine Woche Zeit hättest, komplett ohne Gigs und Studiozeit?

Ich liebe es, mit meinen Kindern zu spielen, Musik zu hören, Abendessen zu kochen und mit Freunden rumzuhängen.

Das wirst du wahrscheinlich sehr oft gefragt: Welche Tipps gibst du jungen Musikern, die am Anfang ihrer Karriere stehen?

Arbeite dir den Arsch ab, mach niemals Kompromisse bezüglich der Kreativität und werde nie bequem.

Worin bestehen deine nächsten Aufgaben, was kommt als nächstes?

In der nächsten Zeit wird sich alles um das Album drehen. Ich bin aufgeregt und freue mich darauf, dieses nächste Kapitel aufzuschlagen. Ich werde viel auf Tour sein, der ganze Sommer ist voll; es ist wohl der am meisten ausgebuchte Sommer der letzten fünf Jahre. Ich freue mich darauf, rauszugehen und meine Musik in der Welt zu spielen!

Vielen Dank für deine Zeit! Wir hoffen, dich bald bei einer der angesagten Solo-Shows zu sehen. Es war uns eine Ehre und wir drücken dir die Daumen für ein erfolgreiches „Human”-Release!

 

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Aus dem FAZEmag 075/05.2018
Text: Falko Niestolik
Fotos: Alexander Wessely
www.steveangello.com