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Seit 2015 bietet der Arzt David Lang zusammen mit dem Juristen Markus Cronjäger an jedem ersten Mittwoch des Monats im Gesundheitsamt eine Beratung zu Cannabis als Arzneimittel an. Lange galt Cannabis als Arzneimittel in Europa. Doch 1925 änderte sich das. Cannabis wurde neben Heroin und Kokain auf der 2. Internationalen Opiumkonferenz in Genf verboten. Lang äußerte sich dazu: „Die Substanz ist zu Unrecht verteufelt worden, aber sie sollte nicht glorifiziert werden“.

Zu diesen Beratungsterminen kommen hauptsächlich Schmerzpatienten und Leute, die an ADHS leiden. Letztere sind hyperaktiv und finden keine Ruhe. Sie fragen oft, ob medizinisches Cannabis in der Apotheke erhältlich ist. Egal ob als Tropfen, Dragees, Mundspray oder eben auch in Form von Blüten. Die beiden Spezialisten beraten, bei welchen Krankheitsbildern Cannabis auf Rezept theoretisch einsetzbar ist. Ebenfalls wird über Nebenwirkungen und Risiken aufgeklärt.

Rezepte ausstellen darf Lang nicht. Höchstens Empfehlungen geben, sich einen anderen Arzt zu suchen. Viele Patienten haben erfolglos versucht, solch ein Rezept zu bekommen. Doch viele Ärzte wollen dies einfach nicht tun. Hintergrund sei die „Hemmung“, eine illegale Droge zu verschreiben. Außerdem sei damit ein hoher bürokratischer Aufwand verbunden und die Cannabis-Patienten seien sehr teuer, was zulasten des Budgets eines niedergelassenen Arztes gehen.

Vor der Gesetzesänderung 2017 haben Patienten zwischen 450 und 900 EUR für ihre Behandlung bezahlt. Die Preise seien nochmals gestiegen, seitdem das neue Gesetz in Kraft getreten ist. So ist es vermutlich noch schwerer geworden, an medizinisches Marihuana zu kommen, da sich die Krankenkassen quer stellen.

Mehr als 17.000 Anträge seien seit der Gesetzesänderung bei den vier größten Krankenkassen eingegangen. Pauschal wird die Behandlung mit Cannabis aber abgelehnt. Auch wenn die Kassen laut Gesetz nur in „Ausnahmefällen“ die Kostenübernahme verweigern dürfen.

Es fehlt wohl weitesgehend an Aufklärung. Fest steht, dass Cannabis als Alternative zu sonst bei starken Schmerzen verordneten Opioiden weniger Nebenwirkungen hat. Außerdem ist die Gefahr einer Sucht deutlich geringer. Leider gibt es aber „zu wenig klinische Daten“, die dies untermauern. Da jede Behandlung und deren Krankheitsverlauf dokumentiert und ausgewertet werden muss, würde sich dies automatisch ändern, wenn medizinisches Cannabis bundesweit öfter verschrieben werden würde.

Also liebe Ärzte, stellt fleißig Cannabis-Rezepte aus! So macht ihr auch gleichzeitig etwas für die Forschung…

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