Superstrobe & Dominik Vaillant – ein musikalisches Duo, das in Zukunft nicht mehr aus der Techno-Szene wegzudenken sein wird. Gemeinsam führen die Berliner ihr Label Analogue Audio, das eine ausgewählte Plattform für ein stetig wachsendes Künstlerverzeichnis darstellt – etablierte Künstler wie DJ Rush, Joel Beltram, Sven Wittekind, The Advent und The YellowHeads finden hier ihren Platz. Als Solo-Künstler hatten die beiden erfahrenen DJs und Produzenten ihren Durchbruch bereits. Jetzt ist die Zeit gekommen, um gemeinsam durchzustarten. Ein erstes Anzeichen dafür, dass das klappt, ist ihre vor Kurzem erschienene Single „Intensity“ und die geplante Deutschlandtour.


Hey Manuel, hey Dominik. Erzählt doch mal: Wie habt ihr euch kennengelernt und wie kam eure musikalische Zusammenarbeit zustande? Immerhin seid ihr beide auch erfolgreich als Solo-Künstler unterwegs.

Manuel: Wir haben uns über Social Media connectet, musikalisch supportet und kurz darauf zum Produzieren verabredet.

Dominik: Wir merkten schnell, dass diese Verbindung super funktioniert.

Seit 2018 führt ihr gemeinsam das Label Analogue Audio, das du, Dominik, 2012 allein ins Leben gerufen hast. Manuel, du warst vorher mit deinem eigenen Label IU2U unterwegs, das du 2014 gegründet hast. Wie kam es zu dem Label-Wechsel?

Manuel: Zu der Zeit hatte jeder von uns schon mit der Idee gespielt, die Label-Arbeit zu konzentrieren und Energien zu bündeln. Daher fragte Dominik mich kurzerhand, ob ich Lust hätte, bei ihm einzusteigen. Da wir uns super verstehen, gab es keinen Grund, abzulehnen.

Euer gemeinsamer Track „Intensity“ wurde vor Kurzem auf Alan Fitzpatricks Label We Are The Brave veröffentlicht. Wie sieht die Rollenverteilung beim Produzieren aus?

Manuel: Dominik, der Drummer, ist oft für das Perkussive und für atonale Elemente zuständig. Ich als gelernter Sounddesigner für Melodien und tonale Elemente. Das ist nicht die Regel, denn einer lernt vom anderen.

Dominik: Wir fachsimpeln viel und stimmen uns bei dem Sound so lange ab, bis wir beide mit den Ergebnissen zufrieden sind. Da werden Maus und Synth schon mal hin und her gereicht. (lacht)

Wie sieht ein typischer Tag im Studio bei euch aus? Gibt es herausragende Unterschiede im Vergleich zum solo Produzieren?

Manuel: Wir treffen uns so früh wie möglich, um den Tag maximal zu nutzen. Erst werden ein paar Brötchen verdrückt und dabei anstehende Projekte besprochen.

Dominik: Der Unterschied ist auch das direkte Feedback, ich beschreibe es mal als Bandfeeling. Da zwei Köpfe bei der Produktion beteiligt sind, entstehen oft Dinge, die so allein nicht entstanden wären. Dennoch sind Solo-Sessions wichtig, um in Ruhe der Kreativität freien Lauf zu lassen.

Gewährt uns doch mal Einblicke in euer Studio. Mit welcher Soft- und Hardware produziert ihr?

Dominik: Der Kreativprozess findet bei uns in Ableton Live statt, der finale Mixdown und das Mastering bei mir in Logic und bei Manuel in Cubase. Als Hardware nutzen wir gern Sounds von 909, ARhytm, AFour, Digitone, Reaktor und Korg-Synths.

Manuel: Für die FX-Sounds sind bei uns die Sherman-Filterbank, Soma Lyra8 und die NI-Maschine zuständig. Neben dem guten alten Sylenth1 kommt auch Software von Fabfilter, Arturia und NI zum Einsatz.

Produziert ihr lieber allein oder zusammen?

Manuel: Ich produziere gern allein, wobei ein zweites Hirn oft super ist, wenn es einfach nicht weitergehen will. Wenn ich allein produziere, entstehen völlig andere Tracks, als wenn ich zusammen mit Dominik arbeite, und das macht es sehr spannend.

Dominik: Da ich früher in verschiedenen Bands aktiv war, produziere ich gern in Projekten. Dennoch ist es mir auch wichtig, allein Zeit im Studio zu verbringen.

Welche Tracks von eigenen Produktionen sind eure Favoriten?

Dominik: Mein „Exhale“-Remix für Owen Offset auf Analogue Audio und mein Original „Oscilope“ auf Torsten Kanzlers Label TKR.

Manuel: Mein Original „Neverending“ auf Phobiq und mein kommender Remix für DJ Dextro, „Sideral“, auf Autektone von T78.

Entstehen die besten Tracks bei euch mit einer Idee oder eher durch Ausprobieren?

Manuel: Ich lasse mich gern von Musik anderer inspirieren, doch oft entstehen Tracks durch Ausprobieren und Rumklimpern – Ausnahme ist „Neverending“. Ich wusste zwar nicht zu 100 Prozent, wie der Track klingen soll, doch die Idee war von vornherein klar. Durch Ausprobieren sind Dinge entstanden, die meine Grundidee bereichert haben.

Dominik: Ich starte gerne mit dem Kreativpart und nehme verschiedene Plugins und Synths auf. Die besten Ideen werden erst mal gespeichert, um im Produktionsablauf darauf zurückgreifen zu können. 

Wie lange sitzt ihr im Schnitt an einem Track?

Dominik: Wir optimieren ständig unseren Workflow. Da bekommen wir an manchen Tagen ein bis zwei Ideen arrangiert.

Manuel: Mixdown und Mastering dauern noch mal etwa ein bis zwei Tage. Es gibt auch Tracks, die schneller von der Hand gehen.

Gibt es einen Moment in eurer Karriere, den ihr niemals vergessen werdet?

Dominik: Ja! Der erste Gig auf der Nature One. Es ist heute immer etwas Besonderes, bei großen Festivals an den Decks zu stehen, zumal wir früher dort zu Gast waren. Außerdem freue ich mich, wenn meine Releases in Listen von DJs wie Dave Clarke, Spartaque und Alan Fitzpatrick auftauchen.

Manuel: Meinen ersten Auftritt vor tausenden Ravern auf einem Festival in Mexiko werde ich so schnell nicht vergessen. Natürlich ist es auch für mich als Produzenten ein besonderer Moment, wenn Acts wie Adam Beyer, Pleasurekraft oder Enrico Sangiuliano Tracks von mir auf Festivals wie Tomorrowland, dem Drumcode Festival und Awakenings spielen und man dabei die Reaktionen des Publikums sieht.

In der kommenden Zeit werdet ihr vermehrt zusammen hinter den Plattenspielern zu sehen sein, weil ihr einige Labelnächte in ganz Deutschland geplant habt. Wo kann man euch mal live spielen hören?

Manuel: Labelshows finden im Bukowski in Heilbronn und in der Ankerwerkstatt in Stralsund statt. Weitere sind in Planung, wobei wir für Anfragen immer offen sind. Back to back sind wir auf dem „Die letzte Wiese“-Festival, bei „Karneval der Kulturen“ und „Zug der Liebe“ zu hören. Am 6. Juli spiele ich im Haus33 in Nürnberg.

Dominik: Solo spiele ich am 8. Juni mit Drumcode-Artist Timmo und Filth-on-Acid-Artist Ilja Djokovic im Suicide Circus bei dem Cluster-Event von Lauter Unfug.

Auf welche kommenden Produktionen und Kollaborationen können wir uns freuen in nächster Zeit?

Dominik: Aktuell auf unser Release „Triangle“ auf Sasha Carassis Label Phobiq. Auch auf der kommenden Zehn-Jahres-Compilation des Labels sind wir mit einem Track vertreten. Am 14. Juni veröffentlichen wir zudem unsere Compilation „Analogue Art Vol. 4“. Ein weiteres Projekt mit Superstrobe wurde von Spartaque für sein Label Codex angefragt. Torsten Kanzler und ich haben ein Release auf Martin Books‘ Label Carti. Es stehen Remixe für David Meiser, Dj Dextro und Owen Offset auf unserem Label Analogue Audio in den Startlöchern. Weitere Tracks warten noch auf ihre Labels!

Manuel: Ich werde am 12. Juli mit einem Track auf Pleasurekrafts Label Kraftek in der „Monolith Series“ erscheinen und an weiteren Produktionen für das Label arbeiten. Eine bestätigte EP auf Fatima Hajjis Label Silver M. inklusive Dominik-Vaillant-Remix folgt. Wir werden noch viele Produktionen machen, das ist sicher. Die Dreier-Kombo Torsten Kanzler, Dominik Vaillant & Superstrobe steht auch noch im Raum.

 

 

Aus dem FAZEmag 088/06.2019
Text: Denise Kelm | @wayofdk
Foto: Kolja Eckert (Superstrobe) & Alexander Platz (Dominik Vaillant)