
Sven Väth hat das Jahr 2025 in einem ausführlichen Statement reflektiert und dabei Persönliches mit einer klaren Analyse der Club- und Technokultur verbunden. Es sei ein Jahr der Neujustierung gewesen, ruhiger und bewusster als zuvor. Prägend war für ihn die Geburt seines Sohnes Lex, die er als neuen Anfang beschreibt: „Jeder Neuanfang trägt seine eigene Frequenz in sich.“
Mit der T.R.A.N.C.E.-World-Tour wollte Väth einen Begriff neu fassen, den er zuletzt entleert sieht. Trance verstehe er nicht als Genre, sondern als Zustand und kollektives Ritual. Seine Reisen führten ihn rund um den Globus, von Tokio bis São Paulo, überall habe er dieselbe Sehnsucht nach echten Nächten erlebt, nach Momenten, die nicht gefilmt, sondern gelebt werden. Ibiza nahm dabei eine besondere Rolle ein, mit Cocoon-Nächten im Amnesia und im 528 Ibiza, die er als Konzentration dessen beschreibt, wofür seine Arbeit steht: Musik ohne Überbau, die führt statt blendet.
Einen wichtigen Akzent setzte Väth zudem mit der Vinyl-Compilation „25 Years Cocoon Recordings“, die er bewusst als hochwertiges physisches Format veröffentlichte. Auch sein Buch 4 Decades Behind the Decks versteht er nicht als Rückschau aus Eitelkeit, sondern als gemeinschaftliches Projekt über vier Jahrzehnte Musik, Zweifel und Visionen.
Kritisch äußert sich Väth zur zunehmenden Kommerzialisierung elektronischer Musik. Tech House und sogenannter Pseudo-Techno, angereichert mit kalkulierten Zitaten und Drop-Mechaniken, reduzierten Musik auf Effekte: „Was bleibt, ist ein Zirkus, laut, grell und austauschbar.“ Auch inflationäre Back-to-back-Sets und die Selbstinszenierung im DJ-Booth sieht er skeptisch. Umso positiver bewertet er die wachsende Zahl von Clubs mit No-Phone-Policies, die den Fokus wieder auf Präsenz und gemeinsames Erleben legen.
Aus diesem Spannungsfeld heraus entstand nun auch „Inner Horizon“, eine Ambient-Listening-Compilation, die Anfang 2026 erscheint. Für Väth liegt die Zukunft nicht im Immer-lauter, sondern im genaueren Zuhören. Sein Fazit bleibt bewusst humanistisch: Musik sei sein Zuhause und seine Verantwortung, ein Mittel, um Menschen zusammenzubringen. 2026, so sein Ausblick, stehe bereits bereit mit neuen Nächten, neuen Ideen und der Gewissheit, dass Trance weiter atmen und Cocoon weiter wachsen werde.
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