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The Glitz – Neuinterpretation


Seit nun knapp 19 Jahren ziehen Andreas Henneberg und Daniel Nitsch neben ihren Solo-projekten gemeinsam als Künstler-Duo The Glitz durch die Szene. 2007 erschien ihre erste gemeinsame EP namens „White Line“ auf ihrem zusammen mit Marquez Ill betriebenen Label Voltage Musique Records. „Vereint zu Brüdern“, könnte man sagen, wenn man die Synergien deutet, die zum Erfolg des Projektes beigetragen haben. Im letzten Jahr er-schien nach langer Zeit des gemeinsamen Musizierens endlich das erste Album, das mit Titeln überraschte, die weit ab von dem waren, was man von The Glitz bis dato gewohnt war. Jetzt, knapp eineinhalb Jahre später, wurde „No Drama”, so der Titel des Albums, neu aufgelegt.

Dass passende Remixe zu Albumtiteln erscheinen, ist unter Produzenten nichts Ungewöhnliches und so stand für The Glitz auch schon vor Release des Longplayers fest, dass es diese geben würde. Die Idee, daraus ein ganzes Album zu schaffen, kam jedoch erst nach der Veröffentlichung. Ihr könnte unter anderem auch die Vielseitigkeit des Debütalbums in die Hände gespielt haben, denn neben den clubfreundlichen Titeln trugen vor allem die angeschnittenen Genres wie Downbeat, Trip-Hop oder Funk dazu bei, neue DJs und Produzenten für The Glitz zu begeistern. Das brachte auch einen gewissen internationalen Erfolg mit sich und somit natürlich eine Erweiterung des eigenen musikalischen Horizonts. „Für das Remix-Album wollten wir nicht nur das Standard-Line-up aus unserem Umfeld haben, sondern auch mal Künstler wie Rick Wade oder Dj Pierre mit unserer Musik verbinden. Auch weil wir sowieso große Fans von ihnen sind. Im Prinzip wird es aber immer schwieriger, finde ich, Künstler für Remixe zu begeistern, was den Prozess sehr langwierig machte. Das ist wie bei Malern: Ein Maler will lieber sein eigenes Bild erschaffen, statt eines nachzumalen“, fasst Henneberg den Entstehungsprozess zusammen. Sein Partner Daniel Nitsch sieht das kaum anders: „Wir haben dann angefangen, eine lange Liste mit Künstlern zu schreiben, und im Endeffekt konnten wir zum Glück viele der notierten Namen für unsere Idee gewinnen, was uns sehr freut!“ „Teilweise fand man unsere Tracks auch in den Playlists dieser DJs und so wussten wir auch schnell, wer für welchen Titel infrage kommen könnte“, fügt Andreas hinzu.

Die letztendlich entstandenen Remixe bilden einen teils deutlichen Kontrast zu den Originalen. Auffallend ist das vor allem bei den eher clubuntauglichen Tracks „Burgerrights“ und „Yes Karma“. Jeweils von Helms und Commander Love sowie dem in Detroit beheimateten Rick Wade neuinterpretiert, werden auch diese nun den Tänzern zugänglich gemacht. Hervorzuheben ist auch der „Friends“-Remix von Newcomer Kidmammoth, der aus über 200 Einsendungen bei einem Contest zum Sieger gekürt wurde. „Im Endeffekt ist es schön, zu sehen, was die Künstler mit deinem Zeug angestellt haben“, freut sich Henneberg. „Die arbeiten anders als wir und nehmen die Sounds auch ganz anders wahr. Sie schmeißen auch Sounds raus, die wir total wichtig fanden, und plötzlich entsteht eine ganz neue, faszinierende Reinterpretation.“ Das gesamte Album selbst teilt sich in fünf separate Parts mit jeweils drei Remixen, auf denen zusätzlich auch die Originale erneut zu hören sind. Eine Adaption des Konzepts der A- und B-Seite bei Schallplatten. Doch auch nach Fertigstellung des Remix-Albums lässt die Idee, eigene Tracks neu darzubieten, Nitsch und Henneberg nicht los. Unter der Leitung von Johann Blanchard, der auch als Pianist bei „Yes Karma“ zur Verfügung stand, planen die Jungs, ihre Tracks in einen klassischen Kontext überführen zu lassen. „Es sollen Klassikkonzerte entstehen, aufgeführt in Clubs“, verraten Henneberg und Nitsch. „Es war das erste Mal, dass Johann Blanchard in elektronische Musik einbezogen wurde, und er war von ihr sofort angefixt. Er hat als Pianist eine klassische Ausbildung genossen und daher wird das wieder eine ganz andere Umsetzung unserer Ideen.“ Bis wir in den Genuss dieser spannenden Neuinterpretation kommen dürfen, kann sicherlich noch einige Zeit vergehen, wie beide im gleichen Atemzug beschwichtigend zugeben.

DJ Pierre mixte „Dirty Bride“

„Als ich den Track zum ersten Mal hörte, dachte ich nur: Was für ein wunderschöner Track, was soll ich daran ändern? Ich habe ihn geliebt, wie er war! Meinen Stempel da aufzudrücken, war daher sehr schwierig für mich. Ich musste mich vom Fan zum Kritiker verwandeln. Nachdem ich das verinnerlicht hatte, fragte ich mich, welche Elemente dem Track fehlen, damit er nach etwas klingt, das ich produziert habe. Als ich das herausgefunden hatte, ging alles relativ einfach von der Hand. Von da an habe ich es wirklich genossen!“

Yousef mixte „Nice Guys“

„Ich wollte den Track dancefloorfähig machen. Er sollte etwas weniger skurril als das Original werden und mehr auf dem Groove basieren. Das gewisse Extra bei meinem Track sind die Drums: Sie kreieren einen stabilen Groove, der sich in einem markanten Break-down verliert, sich aber trotzdem sehr organisch präsentiert. Der Track wirkt dadurch auch weniger verspielt und länger als das Original. Ich hatte anfangs auch keinen Plan, wie ich an den Track herangehen sollte, er entstand relativ intuitiv – wie auch viele meiner eigenen Stücke. Als Produktionsbasis nutze ich Cubase 8.5, was mir die Möglichkeit gibt, alles zu manipulieren und auch den Key zu korrigieren. So kann ich einfach handfeste Grooves entwickeln. Als DJ liebe ich es, rauen Techno zu spielen, aber auch melodisches Zeug kommt auf meine Decks. Das spiegelt sich auch in meinen Produktionen wider. Nach 15 Jahren als DJ und zehn Jahren als Produzent genieße ich auch einfach die ganze Bandbreite an qualitativ hochwertiger Musik.“

Aus dem FAZEmag 058/12.2016

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Text: Janosch Gebauer
Fotos: Felix Wittich