The Orb - No Sounds Are Out


Mehr Stimmen, mehr Sounds, mehr Abwechslung. Das erklärte Ziel von Alex Paterson beim neuen Album von The Orb, seiner 1988 gegründeten Band. Nicht, dass das Spektrum von The Orb nicht ohnehin schon riesig wäre. Zur Erinnerung: In den Neunzigern jonglierten sie mit House und Rap, irgendwann stießen sie dann auf Kompakt und veröffentlichten zwei Alben mit fast straightem Techno plus EP mit Kuhglocke und Alpenflair. Gut, The Orb sind schließlich auch für die Kreation von eigenwilligem Ambient House bekannt. Und jetzt? „No Sounds Are Out Of Bounds“ schlägt in andere Kerben. Mal in Hip-Hop („Wolfbane“), wieder häufiger in ausgefeilten Dub-Sound und polyrhythmische Swings („Other Blue Worlds“). Das liegt aber definitiv auch an der illustren Liste an Gästen. Roger Eno ist dabei, Guy Pratt von Pink Floyd und Jah Wobble auch mal wieder. Unzählige Samples und Schnipsel aus Radioreportagen schlängeln sich in die mehrschichtigen Sounds, geerdet werden jene durch Piano-Begleitung von Roger Eno und/oder vermehrt entspannten Downbeats. Auf den Dancefloor wird da gar nicht mal so oft geschielt, im Gegenteil. Gerade „Ununited States“ sticht mit gediegenem Klavier und Atmo heraus und für das Finale „Soul Planet“ ging es fast wieder in samtige Ambient-Welten. Soulstimmen ersticken hier, Rauschen dominiert, Stimmen erheben sich wieder, dumpfe Techno-Beats setzen ein, kündigen den Rave an, doch faden langsam aus und werden von einem einsamen Klavier abgelöst. Soweit, so gut. Halten wir fest: The Orb leisten dieses Jahr echte Collage-Arbeit. Und die klingt britischer denn je zuvor. 7/10 Kressmann