
Mit 70 Jahren planen viele Menschen die nächste Kreuzfahrt, pflegen ihren Garten oder freuen sich auf Zeit mit den Enkeln. Ein Berliner soll dagegen deutlich außergewöhnlichere Pläne verfolgt haben. Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, einen internationalen Schmuggel von rund 2,2 Tonnen Kokain mit einem Katamaran organisiert und mit mehr als zwei Millionen Euro vorfinanziert zu haben. Zu den Vorwürfen schweigt der Beschuldigte. Bisher gilt für ihn die Unschuldsvermutung.
Schon die mutmaßliche Route liest sich wie das Drehbuch für eine Neflix-Serie. Demnach soll der heute 70-Jährige den Transport im Jahr 2021 aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, der Schweiz und Deutschland koordiniert haben. Das Kokain sollte mit einem Katamaran von Brasilien nach Sierra Leone gebracht und dort auf ein Schleppschiff umgeladen werden. Anschließend war der Weitertransport nach Europa geplant.
Doch wie so oft scheiterte ein vermeintlich perfekter Plan an einem ganz alltäglichen Problem: der Kommunikation. Das Schleppschiff und der Katamaran fanden offenbar nicht zueinander. Statt einer erfolgreichen Übergabe trat das Segelboot den Rückweg nach Brasilien an – natürlich mitsamt der kompletten Ladung. Etwa 270 Kilometer vor der Küste war die Reise dann endgültig beendet. Die brasilianische Küstenwache stoppte den Katamaran, nahm die Besatzung fest und beschlagnahmte die Drogen.
Besonders bemerkenswert ist das Alter des Beschuldigten. Während andere mit 70 überlegen, ob sie lieber eine Flusskreuzfahrt oder einen Wellnessurlaub buchen, soll der Berliner nach Ansicht der Ermittler einen Drogenschmuggel über mehrere Kontinente organisiert haben. Von klassischem Ruhestand konnte da offenbar keine Rede sein.
Kein Unschuldslamm
Neu im Geschäft wäre der Mann allerdings nicht. Laut Staatsanwaltschaft wurde er bereits 2009 in New York wegen Drogenhandels zu zehn Jahren Haft verurteilt. Im Jahr 2024 folgte in Berlin eine weitere Verurteilung zu sieben Jahren Haft, die er derzeit verbüßt. Sollte er auch in diesem Verfahren verurteilt werden, könnten bis zu zehn weitere Jahre hinzukommen.
Auf die Spur kamen ihm die Ermittler offenbar durch verschlüsselte Kommunikation. Nachdem Europol das System Sky ECC geknackt hatte, konnten Millionen Chatnachrichten ausgewertet werden. Diese Daten sollen nun eine wichtige Rolle im Verfahren spielen.
Am Ende zeigt die Geschichte vor allem eines: Selbst millionenschwere Pläne können an einer fehlgeschlagenen Verabredung scheitern. Während andere mit 70 ihren Kalender für den nächsten Arzttermin zücken, soll dieser Berliner einen Termin mit einem Schleppschiff im Atlantik verpasst haben. Manchmal reicht eben schon eine schlechte Verbindung aus, damit aus einer spektakulären Schmuggelroute eine ebenso spektakuläre Anklage wird.
Quelle: bz-berlin.de
Das könnte dich auch interessieren:
Verkehrskontrolle: Schülerin mit einem Kilo Kokain im Auto erwischt
Heiße Lieferung – 90 Kilo Crystal Meth aus dem Backofen
Nürnberg: 16,5 kg Kokain am Gepäckband sichergestellt
Zollbeamte verkauften jahrelang Drogen im Darknet