Zollbeamte verkauften jahrelang Drogen im Darknet

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Bild von Pete Linforth auf Pixabay

Manchmal schreibt das echte Leben Geschichten, bei denen selbst Krimiautoren kurz innehalten und denken: „Das ist jetzt aber etwas dick aufgetragen.“ So geschehen in Niedersachsen, wo Ermittler einem Zollbeamten vorwerfen, über Jahre hinweg am Handel mit Drogen beteiligt gewesen zu sein. Und zwar nicht irgendwo auf einer dunklen Straßenecke, sondern über das Darknet.

Die Generalstaatsanwaltschaft Oldenburg geht davon aus, dass eine Gruppe von vier Männern seit 2019 Cannabis, Kokain, Amphetamine und Ecstasy verkauft haben soll. Das Geschäft lief offenbar professionell organisiert ab. Bestellungen wurden online entgegengenommen, bezahlt wurde mit Kryptowährungen. Anschließend wurde die Ware per Post verschickt. Mehr als 1.000 Verkäufe und ein Umsatz von mindestens 500.000 Euro sollen dabei zusammengekommen sein. Ein schöner, steuerfreier Nebenverdienst.

Amazon für Drogen

Besonders bemerkenswert ist die Rollenverteilung innerhalb der mutmaßlichen Gruppe. Während viele Menschen beim Wort „Drogenring“ an chaotische Gangsterfilme denken, erinnert die Struktur hier eher an ein mittelständisches Versandunternehmen. Der beschuldigte Zollbeamte soll für Beschaffung und Lagerung der Drogen zuständig gewesen sein. Andere Beteiligte kümmerten sich um Verpackung, Versand und die finanzielle Abwicklung. Fast könnte man meinen, es habe regelmäßige Team-Meetings gegeben. Allerdings vermutlich ohne den Punkt „Compliance“ auf der Tagesordnung.

Für zusätzliche Brisanz sorgt die Tatsache, dass auch gegen einen Polizisten ermittelt wird. Ihm wird vorgeworfen, Lagerräume zur Verfügung gestellt zu haben. Während drei Tatverdächtige inzwischen in Untersuchungshaft sitzen, befindet sich der Beamte derzeit nicht in Haft. Für alle Beschuldigten gilt selbstverständlich die Unschuldsvermutung.

Der Fall zeigt, dass das Darknet zwar häufig als anonymer Rückzugsort für illegale Geschäfte gilt, die Realität aber deutlich komplizierter ist. Denn egal wie verschlüsselt die Kommunikation oder wie digital die Bezahlung erfolgt, irgendwann müssen Waren halt gelagert, verpackt und verschickt werden. Und genau dort hinterlassen Menschen Spuren. Das Internet mag grenzenlos erscheinen, das Versandetikett hingegen oft erstaunlich konkret.

Vom Kontrollieren zum Kontrolliertwerden

Besonders unangenehm dürfte die Angelegenheit für die beteiligten Behörden sein. Es sorgt zwangsläufig für Aufmerksamkeit, wenn ausgerechnet Personen, die beruflich für die Bekämpfung von Kriminalität zuständig sind, selbst ins Visier der Ermittler geraten. Ein Zollbeamter, der mutmaßlich beim Drogenhandel mitmischt, wirkt schließlich ungefähr so passend wie ein Vegetarier als Werbegesicht einer Grillwurstkampagne.

Wie der Fall letztlich juristisch ausgeht, werden die kommenden Ermittlungen und mögliche Gerichtsverfahren zeigen. Schon jetzt steht jedoch fest: Die Geschichte vereint alles, was einen modernen Krimi ausmacht – Kryptowährungen, das Darknet, verdeckte Ermittlungen und eine Besetzung, mit der wohl die wenigsten gerechnet hätten.

Quelle: ndr.de

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