Ganze elf Jahre ist es nun her, dass Hannes Bergheim und Holger Kampling alias Aka Aka ihre erste EP auf Stil vor Talent veröffentlichten. Der dritte Track der „Voegeln“-EP war „Woody Woodpecker“ – das Stück, das anschließend zum waschechten Überhit mutierte. Dabei war der Track eher eine Art Nachzügler, rekapituliert das in Berlin angesiedelte Duo. Die Idee bei diesem Stück war es, ein Didgeridoo in einen Minimal-Track einzubauen, etwas Tempo rauszunehmen und das Ganze auf 100 bpm zu präsentieren. Das Resultat ist bekannt und gilt bis heute als Startschuss für eines der erfolgreichsten Duos der Szene in der Republik mit unzähligen Releases, Club- und Festivalgigs und glorreichen Momenten. Nun, in einer ungewissen Zeit, wo vieles von dem nur noch als Erinnerung in unseren Köpfen kreist, haben sich Aka Aka zu einer Neuauflage von „Woody Woodpecker“ entschieden. Dabei wurden die Kernelemente wie Vocal und Didgeridoo unberührt gelassen, der Rest jedoch aufgefrischt und dem aktuellen Zeitgeist angepasst. Veröffentlicht wird der Track auf Smash Deep, dem Imprint, das Dimitri Vegas gemeinsam mit Tomorrowland betreibt. Dieser outete sich als Fan der ersten Stunde und fragte Demos quasi in Eigenregie an. Gründe genug, Aka Aka zu einem Interview zu treffen und das Duo den mittlerweile bereits dritten Download-Mix anfertigen zu lassen. Ein Gespräch über früher, heute, morgen und darüber, warum es das Projekt Aka Aka ohne die berühmt-berüchtigte Hasenheide – dieser Tage quasi der Berliner Hotspot in Sachen illegaler Raves – gar nicht geben würde.

 

2020 ist das wohl merkwürdigste Jahr unserer Zeit. Wie habt ihr die Coronakrise selbst erlebt und durchlebt?

Hannes: Ja, uns hat es auch unmittelbar erwischt, als wir am 7. März noch im Nachbarort von Ischgl auf einem kleinen Festival in den österreichischen Bergen gespielt haben. An dem Tag ist dort das Virus ausgebrochen und die Gegend wurde zum Hotspot erklärt. Daraufhin: Selbstquarantäne für uns und Gig-Absagen am laufenden Band. Das war schon erst mal ein Brocken, den man schlucken musste, aber wir haben uns da mit Positivität rausgekämpft.

Corona ist für viele ein Fluch, für manche ein Segen. Wo seht ihr euch selbst und was habt ihr mit der freien Zeit angestellt?

Holger: Das trifft beides ein bisschen zu, würde ich sagen. Wir hatten ja vorher bis zu 100 Shows im Jahr gespielt und waren dementsprechend viel unterwegs. Da war die Zeit für Familie und Freunde schon sehr eingeschränkt. Sich am Wochenende mal zum Grillen zu treffen, war eigentlich ein Ding der Unmöglichkeit. Das haben wir dann in der Zeit nach dem kompletten Lockdown, so ab Juni, schon sehr genossen und auch ausgenutzt.

Habt ihr dabei neue Hobbys entdeckt oder alte reaktiviert? Ich habe gesehen, ihr seid unter die TikToker gegangen.

Hannes: Ja, wir haben ja die Nummer „Like A Punk“ mit YouNotUs veröffentlicht und dann mal zum Spaß, mit iPhone bewaffnet, ein paar kurze Clips gedreht. Holgers Nachbar hat den Kameramann gespielt und wir haben einfach ein bisschen rumgeblödelt. Sachen, die man halt macht, wenn man nicht wirklich viel zu tun hat. Hobbymäßig konnten wir auch mal Zeit finden und Sauerteigbrot backen oder einen Garten anlegen.

Autokinos, Livestreams, Social-Distancing-Events – das sind Dinge, über die wir im Februar noch laut gelacht hätten. Wie steht ihr beide zu diesen Themen?

Holger: Dem stehen wir tatsächlich eher skeptisch bis ablehnend gegenüber. Livestreams haben wir hier und da mal gemacht. Bei der Einladung von Kontor nach Hamburg und von der NATURE ONE zur Pydna konnten wir natürlich nicht Nein sagen, aber ansonsten empfinden wir es als sehr befremdlich, ohne Live-Publikum vor Kameras zu spielen. Das Gleiche gilt für Autokino- oder Biergartenshows. Da sehen wir uns einfach nicht, wir brauchen die Nähe zum Publikum und wollen mit den Leuten interagieren. Das muss auch wieder möglich werden, wenn auch Schritt für Schritt und kontrolliert.

Erste Clubs bzw. Festivals steigen ja nun wieder und auch ihr habt bereits unter Auflagen gespielt. Wie war diese Erfahrung?

Hannes: Das stimmt, ja. Im Sisyphos war es traumhaft schön. Ein perfekter, sonniger Nachmittag und 300 tanzwütige Menschen. Der Club hatte ja schon einige Zeit den Biergarten geöffnet, allerdings ohne DJ. Dann ging es plötzlich doch ganz schnell und die Anfrage flatterte bei uns ein paar Tage vor dem Event ins Haus. Dann haben wir das Wochenende darauf noch auf einem kleinen Festival bei Berlin gespielt, das auch, unter Auflagen, ohne Tanzverbot öffnen durfte.

Holger: Das hat allen schon große Freude bereitet und man hat richtig gemerkt, wie es jedem Einzelnen gefehlt hatte. Uns inklusive!

Ihr seid lange dabei und habt zahlreiche Dinge kommen und gehen sehen. Wird so etwas wie Corona unsere Szene eurer Meinung nach nachhaltig beeinflussen?

Hannes: Ja, definitiv, und das hat es ja auch schon. Zum Glück sind einige Experimente wie regelmäßige Streaming-Angebote oder die Autokinoshows schon von den meisten wieder verworfen worden. Aktuell sieht man in Berlin, dass der richtige Underground, also illegale Park-Partys, wieder sehr im Kommen ist. Das sehen wir aktuell eher kritisch aufgrund des Problems mit der Nachverfolgung des Virus, aber prinzipiell kann daraus etwas Neues wachsen. Schließlich haben wir beide uns auch vor zwölf Jahren genau dort kennengelernt: in der Hasenheide. Wir versuchen, allem etwas Positives abzugewinnen, und auch wenn wir unseres Einkommens beraubt wurden, denken wir, dass es weitergehen wird und wir wieder unseren Platz finden werden in der Szene.

Habt ihr euch durch Corona verändert bzw. entwickelt, sowohl als Menschen als auch als Duo?

Holger: Wir hatten noch nie so eine richtige „Ehekrise“ in den elf gemeinsamen Jahren, aber am Ende hockt man halt schon krass aufeinander, wenn man fast das ganze Jahr zusammen auf Tour ist und dann noch das Studio teilt. Da mal etwas Luft zu schaffen und sich nicht mehr unbedingt jeden Tag zu sehen, hat uns auf jeden Fall noch entspannter gemacht, was den Umgang miteinander betrifft.

Hannes: Und dass wir nicht gleich den Kopf in den Sand gesteckt haben, sondern jetzt umso mehr Musik produzieren und zusammen Ideen entwickeln, zeigt uns, dass wir einfach ein gutes Team sind und füreinander da sind. Das ist schon eine Errungenschaft, auf die wir stolz sind, kriselt es bei den meisten Duos doch schon mal recht schnell. Da sind wir weit von entfernt, und das hat sich während der Krise nur noch mehr unter Beweis gestellt.

Mitte August erschien die Neuauflage eures Hits „Woody Woodpecker“ von 2009. Wie kam es dazu?

Hannes: Auch so ein Corona-Happening: Dimitri Vegas, der mit dem Tomorrowland-Festival das Label Smash The House betreibt, schrieb uns an und hat uns nach Demos gefragt. Da mussten wir schon zweimal hinschauen und dachten zuerst, das sei ein Fake-Account. Wie sich herausstellte, ist Dimitri aber Fan der ersten Stunde und hatte die Nummer damals wohl rauf und runter gespielt. So kamen wir darauf, dass wir sie eigentlich mal aufpeppen könnten, um auch selbst wieder Lust zu bekommen, sie zu spielen. Mit dem Ergebnis sind wir mehr als happy und unter anderen Umständen wäre wohl alles nicht so in der Form zustande gekommen. Vor allem nicht im Hochsommer, wo wir nur auf Tour gewesen wären. Von daher: immer das Positive sehen.

Elf Jahre ist der Hit nun her. Wie rekapituliert ihr beide dieses Jahrzehnt? Was war besonders geil, was war eher mies?

Holger: Gerade die Anfangszeit war sehr aufregend für uns. Andere Städte und Menschen kennenlernen, und das in einer Frequenz, wo man schon aufpassen musste, dass man nicht vergisst, in welche Stadt man als Nächstes fliegt bzw. fährt. Das ist auch gleich der Fluch, der mit dem Segen kam: Bald war keine Zeit mehr, mal ein paar Tage länger zu bleiben und die Locals wirklich kennenzulernen, nicht nur bei einem Dinner und einer Nacht im Club. Das Schnelllebige hat immer an uns genagt. Dann haben wir aber über die Jahre gelernt, auch mal Nein zu sagen zu einem Dreifach-Booking an einem Tag. Uns Zeit zu lassen für jede einzelne Show und die Leute, die dahinter stehen. So haben wir in der Festivallandschaft viele Freundschaften knüpfen können zu Menschen, mit denen wir auch in der Krise weiterhin in Kontakt sind.

Ihr habt über den Tellerrand des gewöhnlichen DJ-Daseins geschaut und 2019 mit einer Blaskapelle performt. Wie kam es dazu und ist noch Weiteres in dieser Richtung geplant?

Hannes: Wir wollen uns immer wieder neu ausprobieren und musikalisch nicht stehen bleiben. Mit Livemusikern zu arbeiten, ist da eine tolle Möglichkeit, flexibel zu bleiben und neuen Input aus anderen Genres zu bekommen. Das hat wirklich großen Spaß gemacht, zu siebt auf der Bühne zu stehen, aber gleichzeitig ist das auch extrem aufwendig. Aktuell ist das daher leider auch nicht wirklich umsetzbar, da müssen wir erst mal abwarten, wie sich alles entwickelt. Aber die Motivation ist da.

Auf TikTok präsentiert ihr euch in letzter Zeit etwas „krawallig“ und verschmutzt. Sind das Quarantäne-Nachwirkungen oder wie erklärt ihr das?

Holger: Ja, definitiv, wir mussten uns erst mal Luft schaffen und auch zeigen, dass wir noch da sind. Eigentlich sind wir ja ganz zahm, so lange man lieb zu uns ist. (lacht)

Was steht für die kommenden Wochen und Monate an, auch abseits von Musik und Corona?

Hannes: Abgesehen von einigen Studiosessions mit diversen tollen Künstlern wie Ben Böhmer, Eko Fresh und Moguai, wollen wir noch ein bisschen den Sommer genießen und uns im Berliner Umland etwas entspannen. Große Reisen sind nicht geplant, die sehen wir auch eher als unnötig an, aber ein Abend am Lagerfeuer mit Freunden zum Beispiel steht auf der Liste.

In diesem Monat mixt ihr zum dritten Mal den offiziellen FAZEmag Download-Mix.

Holger: Ja, das ist dann quasi unser Hattrick. Wie immer wird es abwechslungsreich. Wir wollen uns musikalisch nicht so einschränken, dass wir nur ein Sub-Genre bedienen, das war schon immer so und das wird auch nach der Krise so sein. Die Fröhlichkeit, die mit unserer Musik einhergeht, ist auch nicht klein zu kriegen. Also, im Idealfall erwartet euch ein breites Lächeln im Gesicht beim Hören!

Danke für eure Zeit und bleibt gesund!

Hannes: Wir haben zu danken. Haltet die Ohren steif und bleibt uns treu!

 

Aus dem FAZEmag 103/09.2020
Text: Triple P
Foto: Frederik Laux