
Berlin, die Stadt, die nie schläft – aber offenbar öfter mal bewusstlos wird. Bei der Techno-Parade „Rave the Planet“ und dem Fusion-Festival ging’s heiß her – und das nicht nur auf der Tanzfläche. Zahlreiche Partygäste mussten ins Krankenhaus – einige sogar in Lebensgefahr. Grund? Die Musik war zu laut. Quatsch – natürlich war’s das Zeug, das da konsumiert wurde. Und das hatte es wortwörtlich in sich. Denn aktuell sind beinahe alle getesteten Ecstasy-Pillen überdosiert.
Die Berliner Feuerwehr rückte nicht aus, um mitzutanzen, sondern um Menschen in Lebensgefahr zu beatmen. Ganze 13 Raver:innen mussten intensiv behandelt werden – und das nicht wegen zu viel Bass. Dominik Pretz von der Feuerwehr erklärte trocken: Hauptsache waren Vergiftungen durch Alkohol und andere Drogen. Die Partydrogen-Palette reichte von Ecstasy über Kokain bis Mephedron – klingt wie eine Pokémon-Liste, ist aber deutlich ungesünder.
Zum Glück gibt’s in Berlin das Drugchecking-Projekt – eine Art „Stiftung Partydrogen-Test“, betrieben von Vista gGmbH, Fixpunkt und der Schwulenberatung Berlin. Da können Feierwütige ihr Pulver, ihre Pillen oder ihr Kristall analysieren lassen. Sozusagen das Dopinglabor für Amateure – aber mit guten Absichten.
Expertin Augustine Reppe von Vista meldet: Von rund 3.500 untersuchten Substanzen mussten sie bei der Hälfte direkt die rote Karte zeigen. Auf der Warnseite von Drugchecking Berlin leuchtet es regelmäßig wie auf einem Rave – nur dass die Lichter hier „lebensgefährlich“ blinken.
Besonders beliebt: Ecstasy – aber enorm stark. Fast alle getesteten Tabletten in den letzten sechs Monaten waren überdosiert. „Ab 200 Milligramm MDMA pro Tablette geben wir Alarm“, sagt Reppe. Da fragt man sich: Wurde da versehentlich doppelt gepresst – oder wollte jemand gleich die ganze Loveparade in eine Pille stecken?
Auf dem Fusion-Festival erwischte es einige Gäste nach dem Konsum von „zu reinem Kokain“. Ja, sowas gibt’s wirklich. Die Uni Rostock fand heraus: Man kann offenbar auch zu gutes Zeug erwischen. In Berlin lag der Durchschnitts-Reinheitsgrad immerhin bei sportlichen 73 %. Wer da zu großzügig dosiert, landet schneller im Krankenhaus als in Ekstase.
Drogeninfos können Leben retten – Überraschung!
Reppe betont: Drogenkonsum ist nie ungefährlich – aber besonders kritisch wird’s, wenn niemand weiß, was eigentlich drin ist. Wer denkt, er kauft eine Ecstasy-Pille, kriegt manchmal das chemische Äquivalent zu einem Überraschungsei – nur ohne Schokolade. Deshalb: Drugchecking ausbauen! Wissen schützt – Unwissen bringt Beatmung.
Trauriger Nebeneffekt des Partytrends: In Berlin starben 2024 insgesamt 294 Menschen an illegalen Drogen – Rekord. Vor allem bei den unter 30-Jährigen ging’s aufwärts – leider nicht im positiven Sinne. Bundesweit sank die Zahl zwar leicht, aber Berlin tanzt da wie immer aus der Reihe.
Wer feiern will, soll feiern – aber bitte mit Hirn. Und vielleicht vorher mal die Pille zur Untersuchung geben, bevor man denkt, man ist Superman und dann doch im Krankenhaus aufwacht.
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