boilerroom_logo


Die wohl bekannteste „Privatparty“ der Welt hielt Mitte Mai erneut Einzug in unsere Hauptstadt. Mit dabei waren u.a. erstmalig Jan Blomqvist & Band, die mit ihrem Boiler Room-Auftritt auch gleichzeitig die Album-Tour abgeschlossen haben. Für uns stand Jan nach dem Gig Rede und Antwort.

Nachdem der letzte in Berlin stattgefundene Boiler Room von der Polizei gestoppt wurde, verlief bei dieser Edition alles glatt. Das Watergate in Berlin mitsamt seiner berühmten Lichtinstallation funktionierte erneut als eindrucksvolle Kulisse des Boiler Rooms. Neben Namen wie Sierra Sam, Hunter/Game, Daniela La Luz und Mathias Kaden waren auch Jan Blomqvist & Band dabei.

Für Jan war es der letzte Tourstopp seiner Tournee, die er gemeinsam mit seiner Band in Städten wie u.a. Stuttgart, Zürich oder Paris bestritten hat. Anlass der Tournee war das im März erschienene Debütalbum „Remote Control“, zu dem wir mit Jan Blomqvist auch ein ausführliches Interview geführt haben. Gleichzeitig war es auch eine Premiere für ihn: es war das erste Mal, dass er inklusive seiner Band beim Boiler Room auftrat.

Dem Konzept des Boiler Rooms geschuldet sollte es nachzuvollziehen sein, dass ein Konzert mitsamt einer kompletten Band doch etwas schwieriger zu realisieren ist, als wenn man alleine als DJ auftritt – sowohl für den Veranstalter, aber auch für die Künstler selber, die anders als auf großen Bühnen kaum vom Publikum mitbekommen. Während sich DJs noch umdrehen können, oder die Stimmung abseits der Übergänge genießen können ist bei einer Band vollste Konzentration während des gesamten Auftritts gefragt.

Für uns waren all dies gute Gründe beim Boiler Room-Auftritt von Jan Blomqvist und seiner Band vorbei zu schauen und Jan nach dem Auftritt einerseits um ein Resümee der Tour zu bitten, andererseits über seine Erfahrungen beim Boiler Room zu sprechen.

Jan, es war das erste Mal, dass du mit deiner Band beim Boiler Room aufgetreten bist. Du warst ziemlich angespannt bevor es los ging, kann das sein?

Ich hatte ehrlich gesagt Angst um das ganze Equipment. Das war jetzt der letzte Gig unserer Tour und natürlich hatten wir daher auch das ganze Tourequipment bei uns, das wir auch in den anderen Städten dabei hatten. Wir fanden es erst eine richtig gute Idee, aber als dann alles stand und das Watergate immer voller und voller wurde bekam ich echt Angst, dass jemand stolpert und über die Gerätschaften fällt. Erstens wäre dann das Set nicht mehr möglich gewesen und zweitens liebe ich auch mein Equipment. Daher war ich sehr angespannt. Und dann ging es auch um das akustische Feedback. Normalerweise stehst du ja auf der anderen Seite des Soundsystems. Hier mussten wir das Mikrofon auf den Dancefloor stellen und da war das etwas kritisch mit dem Feedback. Aber im Endeffekt ist alles gut gegangen.

Gutes Stichwort. Boiler Room verfolgt ja ein ganz anderes Konzept. Muss man sich da als Band anpassen?

Ich glaube, dass ist als DJ schwieriger. Ein DJ interagiert ja normalerweise viel mehr mit den Leuten und als Band ist man ja eigentlich ein homogenes Konstrukt. Ich habe mir das auch viel kritischer vorgestellt und habe mittendrin gemerkt, wie krass ich eigentlich auf mich selber achte, auch wenn das gerade egozentrisch klingt. Aber ich habe es mir wirklich schlimmer vorgestellt. Das Publikum war ja direkt hinter mir da ich quasi auf dem Dancefloor stand. Das war ganz cool, fast schöner als auf einer Bühne.

Du konntest das Publikum aber nicht direkt sehen.

Nee, aber dadurch war ich auch viel konzentrierter. Ich hatte das Gefühl, innerlich die ganze Zeit zwischen Konzentration und Spaß zu switchen. Natürlich probt man vorher auch und wenn dann alles so klappt wie man es sich vorstellt, dann ist man natürlich glücklich. Es waren ja sechs Synthesizer die gleichzeitig liefen und im Endeffekt lief alles wie es sollte. Vom Sound hat es gestimmt, also hoffe ich mal. Auf dem Kopfhörer klang es zumindest gut.

In einem früheren Interview, dass wir mit dir geführt haben, hast du gesagt, dass du – oder ihr als Band – im Club ganz anders auftretet als wenn ihr z.B. Open Air spielt. Am Ende hatte ich persönlich das Gefühl, dass ihr dann doch die Konzertsaal Atmosphäre in den Club bringen wolltet. Täusche ich mich da?

Wir haben lange überlegt. Also eigentlich ist es so, dass du es entweder ganz oder gar nicht machst. Wir hatten das Setup jetzt von der Tour und da will man auch nicht mehr zurück. So war es natürlich machbar, vor allem mit dem Becken, das wir dabei hatten. Das rockt dann natürlich auch, wenn man dann als Schlagzeuger noch mal so ein Half-Beat-Ding reinhaut gegen Ende.

Jan Blomqvist RC Press 2 copyright by Christian Dammann5

Rückblickend auf die Tour: bist du zufrieden gewesen?

Mit der Tour auf jeden Fall, aber mit mir selber bin ich ein wenig unzufrieden. Ich habe mich etwas überschätzt ehrlich gesagt. Es war zu anstrengend und ich habe mich teilweise selber verloren in diesem körperlichen Kraftakt. Jeden Tag auf’s Neue vier Stunden aufzubauen, Soundcheck, zwei Stunden zu spielen und dann nach einer Stunde am Merch-Stand noch weitere zwei Stunden abzubauen. Früher war es ja immer meine Stärke, dass ich innerlich total ausgeglichen war. Eben diese innere Ruhe hätte ich während der vierwöchigen Tour fast verloren.

Was wirst du denn jetzt machen, jetzt wo die Tour vorbei ist? Tatsächlich gleich am nächsten Album arbeiten? Klingt nicht danach.

Den Gedanken habe ich auch schon wieder verworfen. Erstmal will ich meine Eltern besuchen und die Ruhe dort genießen und mich wieder auf meine Solo-Gigs vorbereiten. Die Tour mit der Band war schön und ein enorm wichtiger Schritt, keine Frage. Aber ich muss jetzt erstmal wieder zurück zu den Club-Gigs und mir das Leben ein bisschen einfacher machen. Und Montag und Dienstag werde ich dann vielleicht einfach schlafen, wenn ich das brauche.

Dein persönliches Wochenende quasi.

Genau. Ich glaube, dass geht aber vielen Musikern so. Wir spielen ja meistens an Wochenenden und einige denken dann, sie müssten Montag gleich wieder an etwas arbeiten. Dabei muss man das eigentlich gar nicht. Man muss sich auch mal Zeit nehmen zum Entspannen. Ich finde es auch wichtig, dass man sich und seinen Körper nicht überstrapaziert. Andererseits freue ich mich jetzt auch schon wieder mega auf die Festival Season. Hinfahren, Spielen, Spass haben. „Alle lieben Alle“ würde Niconé jetzt sagen.

Das könnte dich auch interessieren:
Jan Blomqvist – Radikaldemokratische Weltumarmungselektronik
Boiler Room von Polizei gestoppt!
Das schlechteste Boiler Room-Set aller Zeiten wurde gekürt
„Music From Porcelain“ – Moby veröffentlicht Compilation zur Biografie