
Wer bei Breaking Bad dachte, ein Drogenlabor sei schon spektakulär, wenn ein paar Chemiker in Schutzanzügen hantieren, bekommt aus Litauen eine ziemlich beeindruckende Fortsetzung geliefert. Dort haben Ermittler eines der größten Labore für synthetische Drogen im Baltikum ausgehoben. Die Ausbeute war beachtlich: Hunderte Kilogramm Rauschgift, Tausende Liter chemische Vorprodukte und eine Produktionsanlage, die eher an einen Industriebetrieb als an eine kleine Hinterhofküche erinnert.
Bei einem dreitägigen Einsatz im Raum Vilnius gingen die litauischen Behörden gegen ein mutmaßliches internationales Drogen-Netzwerk vor. Dabei stellten sie mehr als 500 Kilogramm Methamphetamin, über 300 Kilogramm Amphetamin und rund 4,5 Kilogramm einer weiteren synthetischen Droge 3-CMC sicher. Hinzu kamen mehr als 3.000 Liter des chemischen Vorprodukts BMK, das zur Herstellung von Amphetaminen verwendet werden kann. Nach ersten Einschätzungen der Ermittler könnten die sichergestellten Substanzen für mehr als vier Millionen Einzeldosen reichen. Auch finanziell bewegte sich das Ganze in einer anderen Liga als das Taschengeldgeschäft vom Schulhof. Der geschätzte Großhandelswert der Drogen liegt bei im siebenstelligen Eurobereich. Auf dem Straßenmarkt könnte der Wert laut Behörden deutlich höher ausfallen.
380 Gasflaschen und Chemikalien im Tonnenbereich
Dass hier nicht gerade im kleinen Maßstab gearbeitet wurde, zeigt auch der Blick auf die Ausstattung. Die Ermittler fanden unter anderem 380 Wasserstoff-Gasflaschen aus China. Außerdem sollen die Beteiligten große Mengen an Chemikalien beschafft haben – darunter Schwefelsäure, die teilweise in Lieferungen von jeweils einer Tonne bestellt wurde. Die benötigte Ausrüstung und die chemischen Ausgangsstoffe sollen aus China, Indien und verschiedenen europäischen Ländern gekommen sein. Offenbar war die Versorgung der mutmaßlichen Produktionsstätte international organisiert. Da wirkt selbst so manche legale Fabrik beim Blick auf die Einkaufsliste fast bescheiden. Doch nicht nur das Labor selbst stand im Fokus der Ermittler. Die Behörden verhinderten nach eigenen Angaben auch eine Lieferung nach Tschechien. In der Fracht eines litauischen Logistikunternehmens entdeckten sie 17 Kilogramm Methamphetamin-Kristalle, die in zwei Kunststoffbehältern versteckt waren.
Internationales Netzwerk statt Einzelkämpfer
Im Zuge der Ermittlungen wurden vier Personen als Verdächtige erfasst. Nach Angaben der Behörden soll ein niederländischer Staatsbürger türkischer Herkunft die Aktivitäten organisiert und gemeinsam mit drei litauischen Beteiligten koordiniert haben. Die Ermittler gehen davon aus, dass die hergestellten Drogen nicht nur für Litauen bestimmt waren, sondern auch in andere europäische Länder gelangen sollten – darunter Deutschland, die Niederlande, Belgien und Tschechien. Mehr als 60 Polizeikräfte waren an dem Einsatz beteiligt. Wegen des Umfangs der Anlage und der enormen Mengen an Stoffen und Ausrüstung dauerten die Durchsuchungen drei Tage. Zwei der vier Verdächtigen kamen in Untersuchungshaft.
Anders als in Breaking Bad endet die Geschichte nicht mit einer neuen Staffel, sondern mit einem laufenden Strafverfahren. Die Ermittlungen sollen nun weitere mögliche Beteiligte, Lieferwege und Abnehmer aufdecken. Für die Verdächtigen gilt bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung die Unschuldsvermutung. Fest steht aber schon jetzt: in Litauen mussten die Ermittler nicht lange nach dem nächsten Drehbuch für eine Krimiserie suchen. Die Realität lieferte diesmal genügend Stoff – inklusive internationaler Lieferketten, industrieller Produktionsmengen und einer Chemikalienliste, die wohl selbst Walter White zweimal hätte hinschauen lassen.
Quelle: aol.de
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