DDN_Ata_1 (c) Arden Film GmbH 20175


Athanassios Christos Macias, alias Ata, ist gebürtiger Frankfurter mit griechischer Abstammung und schon seit den späten 80er-Jahren Teil der elektronischen Musikszene. Heute ist er nicht nur DJ und Besitzer des legendären Robert Johnson, sondern auch Bar-, Restaurant- und Labelbetreiber.  Durch seine bereits lange Karriere hat er den Wandel und die Entwicklung der Musik miterlebt und nicht unwesentliche Erfahrungen gesammelt. Diese reflektiert er neben anderen Künstlern im Dokumentarfilm “Denk ich an Deutschland in der Nacht”, von Romuald Karmakar aus dem Jahr 2017, der jetzt auf DVD und Blue-ray erschienen ist. Wir durften Ata aus diesem Anlass ein paar Fragen stellen.

Wie bist du in Kontakt gekommen mit Romuald, wie bist du zu einem Teil des Filmes geworden?

Den Kontakt mit Romuald habe ich über Ricardo und Roman hergestellt, da er ja schon mit beiden in der Vergangenheit einiges gedreht hat. Für „Denk ich an Deutschland in der Nacht“ wurde einfach eine Liste der Personen die in Frage kommen würden erstellt, unter Anderem mit mir.

Wie waren die Dreharbeiten und die Selbstreflektion über die Musik in den Interviews für dich?

Romuald hat es verstanden uns durch seine Fragen sehr weit weg zu tragen. Zum Teil entstanden Antworten, die uns alle selbst ins Staunen versetzt haben. Es war toll seine Fragen nach und nach zu Beantworten und die Nachfragen von Romulad waren auch besonders gut.

In dem Film sagst du, dass es mittlerweile sehr viele Künstler und Musik gibt, weil das Produzieren auch einfacher geworden ist. Eine immense Menge an Auswahl und Neuproduktionen. Was glaubst du, wie kann es ein Künstler schaffen herauszustechen und erfolgreich zu werden? Was brauch ein Newcomer?

Ganz klar kann man mit dem riesigen Angebot einfach mitschwimmen und funktional sein. Oder man arbeitet an seinem eigenen Profil. An seiner eigenen Sicht der Malerei, Musik, Komposition …  Nur dann hat man die Chance, herauszustechen.

Du erzählst auch von der Entwicklung der Musik und wie die Leute auf das Auflegen der Platten reagiert haben. Was hat sich an der Bedeutung und dem Geist der Szene und Musik bis heute geändert?

Das Alter, die Mode, die Drogen, es hat sich einiges geändert. Die Musik ist grundsätzlich geblieben, nur das der Fächer der Musikstile viel grösser geworden ist.

Du sprichst auch von einem deutschen Sound. Was macht der deutsche Sound für dich aus?

Kraftwerk, elektronisch, etwas unterkühlt, weniger Soul, dafür mehr Dampf.

Du hast deine Schallplattensammlung verkauft und hast jetzt durch die Digitalisierung viel mehr Musikstücke zum Auflegen zur Verfügung. Gab es doch Momente, in denen du es bereut hast umgestiegen zu sein?

Keinen Moment! Ich kaufe das, was mir fehlt und das, was ich will, nach. Und meine Musik reist mit mir digital durch die Welt. Wenn man einmal vor seiner Plattenwand steht und ausrechnet, wie lang man braucht, um alles durch zu hören, ist Schluss. Nein, es macht Spaß auf dem digitalen Weg seine alten neuen Sachen wieder zu entdecken. Und keiner deiner Freunde schreit, wenn es heißt „Könnt ihr mir Helfen beim Umziehen?“.

Außerdem erzählst du von deinem Landhaus in Italien und der Geräuschkulisse die es dort gibt. Ein ziemlicher Kontrast zum DJ- und Clubbetreiber-Dasein. Aus welchen Gründen würdest du der Musikbranche den Rücken kehren und gänzlich die Ruhe auf dem Land genießen?

Es macht Spaß mal, was völlig anderes zu machen. So freut man sich auch wieder auf die Großstadt und Clubkultur.

Deiner Erfahrung nach gelangt die Entwicklung der House-Musik alle fünf Jahre wieder an den gleichen Punkt. An welchen Momenten hast du in der Vergangenheit gedacht, dass der Entwicklungsverlauf eher negativ war und hast dir vielleicht die „guten alten Zeiten“ zurückgewünscht?

Kraftwerk hatten mal in einem Interview gesagt, wir haben nur so und so viele Noten. Die Kombinationen sind also begrenzt, es wird der Zeitpunkt kommen, in dem man sich mit der Wiederholung anfreunden muss. Alles gut in der House-Musik, und die jungen Leute können einiges lernen und für sich adoptieren. I LIKE IT!

Du hast dir ja mit Sicherheit den Film im Kino angeschaut. Inwiefern bist du zufrieden wie deine Statements und der Geist der elektronischen Musik dargestellt und vermittelt werden?

Ein Meilenstein. Überlege dir nur mal, wenn wir so einen Film von Larry Levan und Co. hätten. DER WAHNSINN, stell mir diese Frage noch mal in 20 Jahren.

Im Jahre 1999 hast du das Robert Johnson eröffnet. Das sind ja mittlerweile schon 19 Jahre. Eine solch lange Zeit hat ja auch seine Höhen und Tiefen. An welche positiven und negativen Erfahrungen erinnerst du dich immer wieder?

Das hört sich jetzt etwas merkwürdig an, aber wir hatten keine Höhen und Tiefen. Die Musik hat sich im Laufe der Zeit geändert, das ist doch sehr normal. Alles läuft sehr gut im Robert Johnson, und das nach 19 Jahren.

Zu deiner erfolgreichen Karriere gehören auch deine Labels Playhouse, Klang und Ongaku. Wie blickst zurück auf diese Ära?

Oje, das würde jetzt ein sehr langer Text werden … Wir machen es kurz: eine sehr schöne Erfahrung und ein tolles Statement, wie ich finde. Und meiner Meinung nach sehr gute Arbeit von Heiko, Jörn, Roman und Ata.

“Denk ich an Deutschland in der Nacht” ist ab sofort auf DVD & Blu-ray erhältlich.
Kauflink: https://tinyurl.com/yc4judrq

 

 

Das könnte dich auch interessieren:
Dokumentation „We Are Modeselektor“ jetzt als kostenloser Stream erhältlich 
„We Call It Techno“ – die legendäre Doku gibt’s nun auch auf Vimeo
10 Jahre Electronic Beats Slices by Telekom – Bewegtes und bewegendes Magazin
10 Dokus über elektronische Musik, die man gesehen haben muss
“Easy Raver” – ist das der ultimative Technofilm?