Ricardo Villalobos @ Hyte Amsterdam (c) 2016 Arden Film GmbH5


Denk ich an Deutschland in der Nacht
Im Rahmen der Berlinale hat der deutsche Regisseur Romuald Karmakar den neuen Film „Denk ich an Deutschland in der Nacht“ vorgestellt. In der Dokumentation werden fünf Djs bei ihrem täglichen Schaffen von einer Kamera begleitet und sie erzählen, wie sie in Kontakt mit Musik gekommen sind. Der Film beschränkt sich dabei aber nicht nur auf Ricardo Villalobos, Sonja Moonear, Ata, Roman Flügel und David Moufang alias Move D, sondern nähert sich der elektronischen Musik im Allgemeinen: die Entstehung der Clubkultur und die verbindende Kraft der Musik. Es ist die vierte Doku von Karmakar, die sich um elektronische Musik dreht, zuvor sind „196BPM“ (2002), „Between The Devil And The Wide Blue Sea“ (2005) und „Villalobos“ (2009“ erschienen. Am 21. April startete eine exklusive Filmtour, die durch ganz Deutschland führt und bis in den Juli andauert. Hier wird der Film am Abend vorgeführt und anschließend findet eine Party statt, teilweise mit den Protagonisten des Films.

 

Raving Iran
Die Schweizer Filmemacherin Susanne Regina Meuers stellt in ihrem Dokumentarfilm „Raving Iran“ zwei DJs vor, die sich gegen die strengen Auflagen der Regierung wehren. Meuers begleitet die Teheraner Underground-DJs Anoosh und Arash, die ein illegales Open Air in der Wüste veranstalten um ihre Kariere voranzubringen. Als sie danach versuchen ihr illegal veröffentlichtes Album in Teheran zu verkaufen, wird Anoosh verhaftet, später jedoch wieder freigelassen. Im Anschluss daran erhalten sie eine Einladung auf der Street Parade in Zürich, dem größten Techno-Festival der Welt, zu spielen. Nach langem Bangen erhalten die beiden ein 5 Tage-Visum. In der Schweiz angekommen, katapultieren sie Radio- und Zeitungsinterviews, Millionen von Ravern und DJ Kollegen in eine andere Sphäre. Die Euphorie verfliegt jedoch schnell, denn die näher rückende Abreise stellt sie vor eine große Entscheidung …

 

808
Diese Dokumentation über die Roland TR-808 wurde 2016 veröffentlicht. Die legendäre Drum-Machine ist eins der wichtigsten Musikinstrumente der letzten Jahrzehnte, obwohl sie nur von 1980 bis 83 gebaut wurde. Wie kaum ein anderes Instrument hat sie elektronische-geprägte Musik geprägt und beeinflusst. „808“ wurde über drei Jahre gedreht und beinhaltet zahlreiche Interviews, u.a. mit Ikutaro Kakehashi, dem Gründer von Roland, Pharrell Williams, Diplo, Richie Hawtin, Beastie Boys, Armand van Helden, Afrika Bambaataa, Fatboy Slim und Damon Albarn. Regie hat Alexander Dunn geführt.
Erzählt wird die Geschichte dieser legendären Maschine von den Anfängen der Entstehung in Japan bis zum Produktionsstopp. Erzähler ist der BBC und MTV Moderator und DJ Zane Lowe. Einen Soundtrack zum Film gibt es natürlich auch, unter anderem mit Musik von Public Enemy, Man Parrish, Beastie Boys und 808 State, um nur einige zu nennen.

 

Daft Punk Unchained
Seit 20 Jahren im Geschäft und gerade mal vier veröffentlichte Studioalben – das hat das französische House-Duo Daft Punk nicht davon abgehalten sich zu einer der größten Bands dieses Genres zu mausern. Zeit für einen Rückblick. Hervé Martin Delpierres Dokumentation wirft zudem einen Blick hinter die Kulissen eines musikalischen Phänomens.

Aber wie porträtiert man gesichtslose Künstler? Delpierre nähert sich dem Phänomen Daft Punk vor allem über ihr Umfeld und wesentliche Schlüsselmomente der Bandgeschichte. Aufnahmen der beiden Musiker ohne ihre typischen Masken, die sie seit 2001 in der Öffentlichkeit tragen, finden sich höchstens in gröbkörnigem Archivmaterial aus der Frühzeit der Formation. Vor die Kamera treten deshalb in erster Linie Weggefährten, Kollegen und sonstige Größen der Musikszene, sogar ein betont lässiger Kanye West gibt zu, von Daft Punk beeinflusst worden zu sein. Seine Musik spiegelt im Rahmen dieses Films zwar nur wenig davon wieder, die Begeisterung von Kollege Skrillex kann man da schon eher nachvollziehen. Absolut sehenswert.

 

We call it Techno
Wer sich einen Überblick über die Entstehungsgeschichte in Deutschland machen möchte, ist mit diesem Streifen gut bedient. Die beiden Filmemacher Maren Sextro und Holger Wick haben nicht nur jede Menge Originalmaterial aus den wichtigsten deutschen Clubs wie Ufo, Warehouse oder dem Dorian Gray aus der Zeit von 1988-1993 zusammengetragen, sondern auch zahlreiche Interviews mit Protagonisten der Szene geführt. Darunter sind unter anderem Ata, Dr. Motte, Sven Väth. Ein sehr aufschlussreicher und interessanter Film über das Aufkeimen von Techno in Deutschland.

 

Feiern – Don’t Forget To Go Home
„Don’t forget to go home“ ist ein Dokumentarfilm von Maja Classen und zeigt Menschen der Technokultur, die elektronische Tanzmusik hören und regelmäßig Clubs besuchen. Zum größten Teil beinhaltet der Film aneinandergereihte Interviews und Erzählungen mit Leuten, die ihr Leben der Musik, den Clubs und den Drogen widmen, darunter DJs, Türsteher, Barleute und Tänzer. Dabei werden auch Themen wie zum Beispiel Freundschaft, Homosexualität und Liebe angesprochen. Die Doku porträtiert das Nachtleben mit all seine Facetten und ist daher kein stumpfes Loblied auf den wochenendlichen Hedonismus, sondern ein Einblick in die tieferen Beweggründe und Erfahrungen der Beteiligten. Man wird durch 56 Nächte geführt, die mit 13 Tracks unterlegt sind.

 

High Tech Soul: The Creation of Techno Music
Dieser Film des Regisseurs Gary Bredow ist sozusagen das Gegenstück zu den sehr schönen Szene-Momentaufnahmen des deutschen Dokumentarfilms „Feiern – Don’t forget to go home“. Denn wo der in vielen Interviews die Technoanwender aus der Tochterstadt Berlin fragt, wie sie diese Musik leben, fragt High Tech Soul in vielen Interviews dasselbe die Technoerfinder aus der Mutterstadt Detroit. Dabei kommen nicht nur die Belleville Three zu Wort, sondern auch die nachfolgende Generation, unter anderem Eddie Flashin Fowlkes, Stacey Pullen, Blake Baxter, Anthony Shake Shakir, Jeff Mills oder Kenny Larkin, die offensichtlich fast alle fleißige Fitnessstudiokunden sind. Dazu gesellen sich John Acquaviva, der immer noch die alte Brille von Richie Hawtin aufträgt, sowie mit old-school-maskierten Gesichtern auch der Radio-DJ The Electrifying Mojo und die Gruppe Scan 7. Eine erhellende und unterhaltsame Darstellung der Ursprünge der elektronischen Musik.

 

Distillery – Der Film
Der Film „Willkommen zu Hause“ taucht ein in den Mikrokosmos der Distillery und verleiht Veranstaltern, DJs und Partygästen in exklusiven Interviews eine Stimme. Durch ihre Erinnerungen und Bekenntnisse sowie bisher unveröffentlichte Video- und Fotoaufnahmen werden über 20 bewegte Partyjahre wieder lebendig. Der Einblick hinter die Kulissen zeigt ein liebevolles, rührendes und auch eigensinniges Bild der Szene. Er zeigt vor allem aber eines: Die Distillery ist mehr als nur eine Partylocation – sie ist ein Wohnzimmer mit Familienanschluss, ein Schutzraum für musikalische Experimente, eine Parallelwelt mit bezaubernden Nächten …

 

They Call It Acid – The Story of Acid House
Die Acid-Techno-Dokumentation „They Call it Acid“ von Regisseur Gordon Mason zeigt dem geneigtem Raver bisher unveröffentlichtes Material, das über einen Zeitraum von mehr als einer Dekade gesammelt wurde. Mit dabei sind Interview mit den noch jungen Acts Carl Cox, Derrick May, Paul Oakenfold, Noel Gallagher und einigen mehr. Gordon Mason hat bereits in den späten 80s angefangen, einzelne Szenen seines neuen Projekts aufzunehmen. Nicht weniger als 14 Jahre Arbeit stecken in diesem Film. Eine Acid-House-Dokumentation wäre natürlich keine solche ohne einen passenden Soundtrack: Pionier und Legende „Evil“ Eddie Richards steuert diesen bei und bringt dem Publikum mit „The Voice of House“, Robert Owens, die turbulente und politische Geschichte des Acid House näher.

Richie Hawtin – Pioneers of Electronic Music
Ebenfalls von Maren Sexto und Holger Wick ist diese Dokumentation über den Briten Richie Hawtin, die 2006 auf DVD erschienen ist und die es mittlerweile aber auch bei YouTube gibt. Ein Porträt über das Leben und Wirken des musikalischen Innovators, der seit seinem elften Lebensjahr in Windsor/Kanada aufwuchs und sich oft im nahegelegenen Detroit aufhielt. Die Doku zeigt wichtige Stationen in seinem musikalischen Werdegang und umfasst viel bis dahin unveröffentlichtes Videomaterial plus diverse Interviews.

 

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