DJ Koze photo credit Gepa Hinrichsen


„Knock Knock“ – das ist er wieder. DJ Koze meldet sich für Jahre nach „Amygdala“ mit seinem neuen Longplayer zurück. Und das macht er durchaus sehr eindrucksvoll. Das neue Werk umarmt uns mit all seinen Variationen zwischen House, Techno, Hip-Hop, Soul, Disco, Easy Listening und seine schillernden Gästen wie Róisín Murphy, Kurt Wagner von Lambchop, Sophia Kennedy oder José Gonzalez. Auf unseren Interviewreisen rund um den Globus sind wir auch an seinem Palast vorbeigekommen, haben vorsichtig angeklopft und ein paar Fragen hinterlassen – die er uns freundlicherweise auch beantwortet hat. 

Deine Alben sind rar gesäte Juwelen, deine Fans müssen immer eine Menge Geduld aufbringen. Ist das bewusst so gewählt, dass sich das Format nicht aufreibt und es dir zu beliebig wird oder ist das einfach ein natürlicher Zyklus, der einfach so viel Zeit braucht?

Ich bin ein Biene. Bei der weiß man auch nicht, ob der Honig hinten oder vorne rauskommt. Mal so, mal anders. Ich lass mich gerne quetschen, um mich dann zu beschweren, dass ich gequetscht werde.

Du wurdest mal vor ein paar Jahren zitiert, dass du eine Peaktime-Sau bist, deine Alben gehen allerdings in eine ganz andere Richtung. Oder sagen wir mal: in eine andere Peaktime-Richtung. Was ist denn für dich der rote Faden zwischen diesen beiden Welten des Studios und des DJ-Pultes?

Das habe ich gesagt, damit ich nicht so nah an die erste Straßenbahn gebucht werde. Oder die letzte. Jedenfalls nicht an die Enden. Und auf dem Spektrum zwischen Auflegen und Studiofrickelei gleite ich gern hin- und her wie auf einer Posaune, damit ich nicht mein Leben lang denselben Ton blasen muss.

Du hast sich dieses Mal wieder ein hervorragendes Ensemble an Albumgästen um dich versammelt. Ohne das jetzt haarfein erklären zu können, aber es klingt, als würden sich die Vocals perfekt in deine sehr eigenen Soundwelten fügen, trotz, bzw. auch mit ihrer bewussten Einzigartigkeit. Inwiefern machst du ihnen Vorgaben, gibst ihnen Ratschläge, lenkst sie, beeinflusst sie. Oder ist das dann bei jedem Gast wieder individuell anders?

Das ist natürlich bei jedem anders. Der eine Gast braucht Scharnierchen, der andere Reißzwecken unterm Po. Den nächsten wickle ich ein wie Fisch in eine Zeitung – also mit Worten von gestern. Ich kann das alles! Diese Sängerinnen und Sänger auf meinem Album sind ja alle total zarte Wesen, denen kann man nicht mit einem Handschlag kommen, die muss man sensibel und bittersüß behandeln. Ich verehre sie deshalb ja.

Wen man davon ausgehen kann, das die Albumgäste natürlich auch einen gewissen musikalischen Eindruck auf dich hinterlassen, wer fällt dir denn da spontan noch ein, der dich zur Zeit prägt, verzückt  oder in Ekstase versetzt?

Also die Band OIL, die demnächst die EP „Sackgasse“ auf Fin du Monde herausbringt, ist Musik, die ich ungern vermissen würde. Ihre Lieder heißen „The Finest In Masturbation“ und sie singen auch über die Ökoschweinerei Fracking. Meine Empfehlung.

Deine (immerwährende) Liebe zu Hip-Hop ist auch auf diesem Album zu hören, war auch bei deiner DJ-Kicks allgegenwärtig. Nun haben wir ja in letzter Zeit diverse Comebacks von alten, norddeutschen Hip-Hop-Kappellen gehabt. Aber ich stelle jetzt diese Frage nach Fischmob lieber nicht, oder?

Ich habe schon genug Probleme ohne ein Fischmob-Comeback.

Wie geht es eigentlich Swahimi, dem Unerleuchteten?  

Siehe letzte Antwort!

Für uns auch nicht unwichtig: Wird es im Merchandise-Shop auch wieder Frühstücksbrettchen geben, wie es sie auch von „Amgydala“ gab?

Keine Ahnung, was die sich von der Gänsehautindustrie wieder ausdenken, sinnvoll wäre es! Verraten darf ich aber schon mal, dass bald munter geschürft werden wird. Ich sag nur Kosicoin …

Und gerne noch einen Ausblick auf kommende Releases deiner Labels Pampa sowie Hart & Tief in diesem Jahr …

Gern!

 

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Foto: Gepa Hinrichsen