Sabotage Dresden


Dem Dresdener Techno-Club Sabotage droht das Aus, der Grund dafür: Lärmbelästigung. Im April wand sich das Umweltamt an die Clubbetreiber Christoph Töpfer und Harald Köhler und teilte ihnen mit, dass die Nachbarschaft des im Hinterhof der Bautzner Straße 75 liegenden Clubs auf unzumutbare Weise von dem Lärm der Partys belästigt werde. Jetzt wurden dem Club „unzumutbare“ Auflagen erteilt.

Beschwerden wegen Lärmbelästigung seitens der Nachbarschaft sorgten im Vorfeld dafür, dass sich das Umweltamt der Stadt Dresden einschaltete. Gestört fühlte sich die Nachbarschaft nicht nur durch die Bässe, sondern auch durch die Gespräche der Gäste im Hinterhof. Das Amt führte Messungen bezüglich des Lautstärkepegels in anliegenden Wohnungen durch. Dort darf der maximale Lautstärkepegel die 35 Dezibel-Grenze nicht überschreiten. Ganze sechs Dezibel lauter war der Clubbetrieb in den Wohnungen zu vernehmen. Daraufhin veranlasste das Umweltamt dem Club Auflagen, die aus Betreibersicht kaum machbar erscheinen. Folgende Auflagen hat das Sabotage bekommen:
1. Die Tür soll gedämmt werden. (Kein Problem für die Clubbetreiber, die Tür wurde bereits vorschriftsgemäß renoviert.)
2. Die Betreiber sollen sich konkrete Maßnahmen einfallen lassen, damit die Gäste im Hinterhof draußen nicht mehr so laut reden.
3. Nach 22:00 Uhr soll künftig keine Musik mehr gespielt werden bzw. ist es den Betreibern untersagt Veranstaltungen auszurichten, wenn keine geeigneten Maßnahmen getroffen wurden.
Bis zum 25. Juni haben die Jungs vom Sabotage Zeit ein Konzept vorzulegen, welches diese Maßnahmen erfüllt.

Seit 15 Jahren beherbergt die Bautzner Straße 75 Techno-Clubs und war schon immer ein Komplex für Gastronomie & Nightlife. Seit 2011 gibt es das Sabotage unter der Leitung von Christoph Töpfer und Harald Köhler. Direkt zum Anfang des Clubs Sabotage renovierten die beiden Betreiber den Club unter Berücksichtigung von Geräuschedämmung. Die Kommunikation mit der Nachbarschaft verlief anfangs recht freundschaftlich. Viele kommen mit dem Club in der Nachbarschaft auch gut zurecht. Ein Mitarbeiter des Clubs ist ständig über ein Handy erreichbar, so dass wenn es zur Ruhestörung kommt, man es unter sich klären kann. Draußen im Hinterhof wurde extra ein Security-Mitarbeiter platziert, der die Gäste dazu ermahnt so leise wie möglich zu sein. Da der vorgeschriebene Lautstärkepegel von 40 Dezibel allerdings schon bei eine normalen Gespräch überschritten wird und es einige Nachbarn gibt, die sich nicht auf eine Lösung ohne Beamte einlassen, wissen die Betreiber sich nicht mehr zu helfen.
Außerdem wurde der Lautstärkepegel in einer anliegenden Wohnung gemessen, die eigentlich Gewerbefläche war, nur der Eigentümer diese gegen die Entscheidung einer Eigentümerversammlung zum Wohnraum umbaute.
Weiter beschwert sich ein Nachbarn, der vor einem Jahr wissentlich in einer 15 Jahre lang bestehenden Clubnachbarschaft sich eine Wohnung gekauft hat, mit folgenden Argumenten: „Nur weil das schon immer so war, akzeptieren wir das nicht.“
Obwohl der Club nur zwei Nächte in der Woche geöffnet hat und über den Sommer sogar ganz schließt, ist es der Nachbarschaft zu viel Lärm.

Doch trotz kaum erfüllbaren Auflagen, lassen sich die Sabotage-Betreiber nicht so schnell unterkriegen. Nach eigenen Angaben gab es schon Gespräche mit Politikern der Stadt Dresden von denen sie sich Unterstützung erhoffen. „Wir denken, dass eine neue Messung durchgeführt werden muss“, sagt Töpfer. „Es wäre möglich, in der Neustadt eine Kulturschutzzone einzurichten, in der andere Grenzwerte für den Lärmpegel gelten. Wir müssen uns die Frage stellen, ob es Sinn macht, Kulturbetriebe auf die grüne Wiese zu verbannen, wenn gleichzeitig mit der Diversität der Neustadt geworben wird.“

Trotz heftigen Beschwerden und einem großen Nachbarschaftsdilemma hat der Club viel Solidarität erfahren, seit bekannt wurde, dass der Club wahrscheinlich bald schließen muss. Im Juni finden zwei Soli-Partys statt.

Quelle: Dresdner neuste Nachrichten , Neustadt Geflüster, Facebook/Sabotage Dresden

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