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„Lucy in the sky with diamonds“ – und das für etwa zwölf Stunden. Aber weshalb ist man von einer ‚Ladung‘ LSD, die in Mengenverhältnissen zu anderen Substanzen so gering scheint, so lange drauf?
LSD ist eine Substanz, die anscheinend auch Albert Hoffmann selbst nur ansatzweise ganz verstehen könnte. Immer noch beschäftigen sich viele Wissenschaftler mit der psychedelischen Droge, um den omnipotenten Zauber komplett verstehen und nutzen zu können. Immerhin, jetzt haben Wissenschaftler heraus gefunden, weshalb ein LSD-Trip so lange anhält.

Diese neue Studie zeigt genau auf, wie sich LSD (Lysergsäure Diethylamid) an Serotonin-Rezeptoren im Gehirn anhängt. Bilder aus der Studie zeigen, dass sobald die LSD-Verbindung „einrastet“ an den Serotonin-Rezeptoren, ein Teil des Serotonin-Rezeptors quasi herunterklappt und auch in dieser Position verweilt. So kann auch das LSD dort bis zu zwölf Stunden verweilen.

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Das Schaubild ist der Studie entnommen. Bild (a) zeigt Gehirnfunktionen ohne Einfluss von LSD. Schaubild (b) stellt Gehirnfunktionen unter LSD-Einfluss dar. Die Beschränkungen der Gehirnfunktion werden unter Einfluss von LSD und Psilocybin entspannt. Das bedeutet dieses oben erwähnte „Herunterklappen“ der Serotonin-Rezeptoren.

Bryan Roth ist Professor für Pharmakologie an der University of North Carolina. Er beschäftigt sich schon seit seiner Jugend mit LSD. Inspiriert wurde er bei einem Konzert von den Grateful Dead um sich wissenschaftlich mit der Thematik auseinander zu setzen. Denn der LSD-Trip hielt wesentlich länger an als das Konzert und gerade dafür hatte man sich den LSD-Trip gegönnt. Nach Jahrzehnten und vielen Forschungen kam er zu dem Ergebnis, dass das LSD quasi in den Rezeptoren gefangen ist und kann so lange nicht raus/abgebaut werden, wie diese Klappe unten ist.
Es hat zwei Jahrzehnte und viele mühsame Versuche und auch viele Fehlschläge gedauert bis man die Struktur in kristallisierte Formen bringen konnte, damit es ermöglicht werden konnte die genaue physikalische Struktur mit Hilfe der Kristallographie entschlüsseln zu können. Bei dieser Technik werden Röntgenstrahlen in das geschaffene Material gestrahlt. Die daraus resultierenden Bewegungsmuster wurden dazu verwendet den genauen Abstand der Atome zu vermessen.
Die Studie zeigt, dass Gehirnzellen auf das angelagerte Molekül so reagieren, dass die Rezeptoren nach innen klappen. Bryan Roth vergleicht diesen Prozess mit einer Schildkröte, etwa so wie wenn eine Schildkröte ihren Kopf in den Panzer zieht, an der Stelle wo das LSD abbaut.

Klingt alles sehr wissenschaftlich und man fragt sich, was man als Konsument davon haben könnte. Der Bericht ist mit Sicherheit für die Allgemeinheit schon abgespeckt in den Erklärungen und Ergebnissen und in dem Vergleich mit der Schildkröte.
Jedoch könnte es in Zukunft für die Pharmakologie von Interesse sein, ein Präparat zu erzeugen, welches wie LSD wirkt, nur nicht so lange anhält. Denn es stehen viele Forscher und Wissenschaftler an dem Punkt, dass LSD eine enorme therapeutische Fähigkeit besitzt. Nur die Patienten zwölf Stunden lang auf einen Trip zu schicken ist schier nicht möglich. Wer soll die Patienten so lange betreuen? Therapie-Sitzungen um Angstzustände und posttraumatische Belastungsstörungen zu behandeln, dauern keine zehn bis zwölf Stunden am Stück an. Ein Medikament mit der Wirkung von LSD und einer wesentlich kürzeren Wirkungszeit könnte eine Lösung sein. Medizinische Ansätze könnten somit revolutioniert werden. Und LSD könnte gegebenenfalls als Medikament Platz in der Psychotherapie finden

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