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Was das Jenke-Experiment verschwiegen hat – Dr. Jungaberle deckt auf


Im Herbst 2016 zeigte RTL eine Reihe von Drogen-Experimenten, die von dem RTL-Reporter Jenke selbst durchgeführt worden sind. Jenke war stets in ärztlicher Begleitung. Bei dem Selbstversuch mit LSD war zusätzlich noch ein Forscher als Tripbegleiter dabei. Zu einem wurde Jenke von Prof. Dr. Volker Auwärter, ein Toxikologe aus Freiburg, zum anderen von Dr. Henrik Jungaberle, ein Experte auf dem Gebiet der Erforschung von psychoaktiven Substanzen, begleitet. Dieser Tripbegleiter beschäftigt sich seit mehreren Jahren unter anderem damit, wie sich der Gebrauch von Drogen wissenschaftlich auf die Gesundheit der Menschen auswirkt, im positiven wie im negativen Sinne.

Was das Jenke-Experiment verschwiegen hat – Dr. Jungaberle deckt auf

Drogen werden im Journalismus oft bloß verteufelt. In den letzten Jahren erwiesen jedoch einige Studien, dass gewisse Drogen effizient und wenig gesundheitsschädlich medizinisch einsetzbar wären. Der aufgeklärte Wissenschaftler Dr. Jungaberle war schockiert darüber, wie RTL den Bericht über das LSD-Experiment verwurstet hat. Es sei kein Wunder, dass die Welt denkt, Drogen seien nur schlecht und böse, so wie der private TV-Journalismus es dargestellt.

Dr. Jungaberle sagt, dass RTL durch sein Buch „High sein: Ein Aufklärungsbuch“ auf ihn aufmerksam wurde, jedoch hatte er nicht das Gefühl, dass irgendjemand aus der RTL-Redaktion auch nur ein Kapitel daraus gelesen hätte.
Ein Beispiel ist, dass die Sendung mit dem LSD-Experiment eigentlich in einem Party-Kontext stattfinden sollte. Dr. Jungaberle musste mehrfach darauf drängen, dies bitte nicht zu tun, sondern ein Setting zu wählen, das eher ruhig ist, keine Hektik und keinen Stress auslöst, er schlug die Natur vor. Nach einigem Hin und Her gab die Redaktion nach und das Experiment wurde in der Natur gedreht. Dr. Jungaberle war verblüfft, denn die Redakteure schienen gar nicht zu verstehen, weshalb dies wichtig wäre. Bei Safer Use von LSD ist das Setting sehr wichtig. Durch LSD nimmt man die Umwelt und das Umfeld viel intensiver wahr. Durch die empathische Erweiterung durch LSD schlägt der Wirbel einer Party mit vielen fremden Menschen viel gravierender auf ein unerfahrenen Konsumenten wie Jenke ein. Ein solches Setting sei unverantwortlich für Jenkes Psyche gewesen. Aber die RTL-Redaktion hätte vielleicht genau die Aufnahmen bekommen, die sie mit einem LSD-Trip in Verbindung bringen wollten. .

RTL sagte dem Drogen-Forscher gegenüber, das Ziel sei es eine differenzierte Ansicht der Drogen darzustellen. Nach dem Dreh und besonders nach der Ausstrahlung der Folge mit dem LSD-Experiment hatte er das Gefühl, es ginge darum, Jenke in möglichst krassen und aufsehenerregenden Situationen unter der Droge LSD zu filmen.
Zwar dachte sich der Wissenschaftler schon, dass RTL ein solches Thema nicht wie der Sender Arte behandele, jedoch hätte er eine solche blasphemische Darstellung nicht erwartet.

In der Sendung wurde nichts dazu gezeigt, dass es in den letzten Jahren vielversprechende Forschungen zu LSD im psychotherapeutischen Bereich gab. Obwohl Dr. Jungaberle dies explizit vor laufender Kamera erläutert hat. Die einzige Aussage, die von seinem Vortrag später ausgestrahlt wurde war: „LSD kann Psychosen auslösen.“ Die Aussage ist zwar nicht falsch, aber es war schlichtweg nicht alles, was Dr. Jungaberle zu LSD sagte. Weiter hat Dr. Jungaberle viel zum Set und Setting erzählt, zum Loslassen und sich drauf Einlassen, aber nichts davon wurde im TV ausgestrahlt.

Die Szenen wurden so zusammen geschnitten, dass sie hektisch und wirr wirkten. Von dem ganzen Trip, der über mehrere Stunden ging, war Jenke zwei mal für einige Minuten verunsichert und verwirrt. In dem aktuellen Schnitt sind auch positive Erfahrungen zu sehen, Jenke liegt entspannt, sitzt ruhig und schaut sich die Natur an und man sieht ihn rumalbern und lachen. Jedoch werden die beiden negativen Sequenzen hervorgehoben. Dr. Jungaberle versichtert, Jenke war meilenweit von einem Horrortrip entfernt.
Jenke hatte 200 Mikrogramm LSD eingenommen, das entspricht eher einem mittel-starkem Trip als einem leichten. Er hat also einen authentischen LSD-Trip erlebt. Dr. Jungaberle sagt, dass Jenke davon fasziniert gewesen sei, was er wahrnehme. Jenke sagte: „Wenn das die Menschen wüssten..“ und „wenn ihr sehen könntet was ich jetzt sehe.“ und „Die Dinge hängen alle auf eine Art zusammen, die uns sonst verborgen ist“.
Die Sorge der Regie war im Übrigen, dass man nicht genug sehen könne. Sie wollten mehr Action produzieren. Leider kann eine Kamera nicht das wieder geben, was sich in Jenkes Bewusstsein wirklich abgespielt hat. Denn dann wären es weniger verzerrte visuelle Szenen gewesen. Aber tiefe, innere, philosophische Einsichten und ästhetische Ansichten und Eindrücke kann eine Kamera schlecht einfangen.

Auch wenn es dem Format relativ geglückt ist, eine differenzierte Ansicht über Cannabis darzustellen, lief das bei den Sendungen mit anderen Drogen eher schlecht.
Als Jenke mit MDMA experimentiert ist die Rede davon, dass er 250mg davon genommen habe. Das ist eine unverantwortlich hohe Dosis an MDMA. Es stellte sich heraus, dass es MDAI war, was Jenke vor der Kamera zu sich nahm. Ein grober Fehler, solche Mengenangaben bei Drogen zu verwechseln.
Die Folge mit seinem LSD-Experiment kommt bei dem Zuschauer eher wie Anti-LSD-Propaganda aus den Sechziger Jahre an. Eine differenzierte Darstellung sieht laut Dr. Jungaberle anders aus. Da sollte auf neueste Forschungen, medizinische Studien und besonders auf Aufklärung verwiesen werden.

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