Mit dem Inpulse 200 und Inpulse 300 brachte der Hersteller Hercules vor zwei Jahren ein Paar einfache Controller heraus, die über neuartige DJ-Learning-Funktionen verfügten. Mit der nächsten Generation Inpulse 500 legen die Franzosen – wie die Nummerierung schon verrät – nochmal eine dicke Schippe drauf. Das Ergebnis ist eine Steuerzentrale, die in Größe und Funktionsumfang mit den Einsteiger-Tools der Platzhirsche absolut mithalten kann.

 

Was Hercules schon in der Vergangenheit sympathisch machte, war die Ehrlichkeit, dass sie ihre günstigen Controller selbst als Bedroom- und Hobbyist-Geräte deklarierten. Und zugleich zeigten, dass der Kategorisierung nichts Negatives anhaften muss. Denn ihre Geräte waren im Rahmen des preislich erwartbaren technisch und klanglich stets ausgreift – anders als die zahlreicher Mitbewerber, die ihren tatsächlichen Low-Cost-Crap als semi-professionell auswiesen. Zudem tut sich die zur Guillemot Corporation gehörende Marke immer wieder mit innovativen Funktionen und neuartigen Konzepten hervor. Was darauf schließen lässt, dass sie ihre DJ-Produkte zumindest weitgehend immer noch selbst entwickeln. Dass das gerade im Niedrigpreissegment keinesfalls selbstverständlich ist, dürfte bekannt sein.

Mit dem neuen DJ Control Inpulse 500 verbleibt Hercules zwar – wiederum auch nach eigenem Bekunden – weiterhin im Einsteiger-Segment. Dieser ist jedoch so weit fortgeschritten, dass er die technische Rampe vom Kinderzimmer zu den ersten kleinen Gigs darstellt. Das zeigen bereits die Größe und das Layout. Mit einer Fläche von 540 x 300 mm bietet das Modell einen Bewegungsfreiraum wie kein anderer Hercules-Vertreter bislang. Und auch die Bedienoberfläche entspricht nun exakt dem bewährten DJ-Controller-Layout: An den Flanken befinden sich die Playereinheiten mit den Jogwheels im Mittelpunkt, unter denen von links nach rechts die quadratischen Cue- und Start/Pause-Buttons, 2 x 4 Performance-Pads inklusive Mode-Anwahl-Tasten und der Pitch-Fader untergebracht sind. Zwischen den Playern befindet sich die Mixereinheit inklusive 3-Band-EQs, Load-Buttons, Push-Encoder usw. Vergleicht man den 500er mit dem 300er, so ist der Qualitätssprung gravierend. Beispielsweise zeigen sich die Performance-Buttons nun gummiert und LED-illuminiert, die griffigen Potis lassen sich sehr angenehm führen, gleiches gilt für die Fader-Elemente. Die Mixer-Faceplate ist sogar aus Metall und eine ordentlich lange Kanal-Pegelanzeige zwischen den EQs ist nun auch vorhanden. Highlight sind die sehr gut gewichteten, berührungsempfindlichen Jogwheels mit 140 mm Durchmesser, die sich hinter keinem prominenten und auch höherpreisigen Mitbewerber verstecken müssen.

Kommen wir gleich zu ein paar Hardware-Besonderheiten des Inpulse 500. So lassen sich vier Standfüße aus dem Boden herausklappen, um seine Höhe von 45 mm auf 75 mm zu vergrößern und ihn annähernd auf eine Linie beispielsweise mit CD/-Mediaplayern bringen. Ebenfalls kann die Crossfader-Curve über einen kleinen Switch in drei Preset-Stufen eingestellt werden. Und neben einem symmetrischen Mikrofonanschluss im Klinkeformat ist ein unsymmetrischer Aux-Eingang vorhanden, um beispielsweise mobile Endgeräte oder andere Zuspieler in den Mixer führen zu können. Für die Einbindung stehen L/R-Cinch- oder ein Stereo-Miniklinke-Port zur Wahl. Der Klangabgang erfolgt schließlich über ein Cinch-Pärchen oder alternativ zwei Klinke-Outs. Trotz seiner Größe wird der Controller übrigens über USB stromversorgt.

Die Bedienung des Hercules-Neulings erweist sich als grundeinfach. Um aber überhaupt loslegen zu können, benötigt man natürlich eine Software. Im Lieferumfang enthalten ist zum einen eine Lizenz für die Vollversion der Hercules-eigenen DJ-Software DJUED. Zum anderen kann man Serato DJ Lite nutzen – der Controller wird offiziell von der Neuseeländischen Software-Schmiede unterstützt und trägt auch dessen Logo. Für einige Funktionen wie den DJ-Assistant wurde die Software sogar eigens angepasst. Wer möchte, kann – gegen Aufpreis natürlich – auf Serato DJ Pro upgraden, um weitere Funktionen mit dem Inpulse 500 zu steuern. Je nach eingesetzter Software differiert dann auch die Steuerungszuordnung der sechs Hardware-Sektionen leicht. Als Neuerung bringt der Controller beispielsweise eine kombinierte Filter- und Effektabteilung mit. Dafür ist jeder der beiden Kanalzüge mit einem Poti ausgestattet, der den Originalklang im Standardfall bei Linksdrehung mit einem Lowpass- und bei Rechtsdrehung mit einen Highpass-Filter bearbeitet. Wählt man nun bei DJUCED-Nutzung einen der über vier Gummiknöpfe anwählbaren FX1 bis FX4-Effekte an, wird dieser mit dem Filtereffekt kombiniert. Steuert man hingegen Serato DJ Lite, so übernimmt der Filter-Regler die ausschließliche Kontrolle des angewählten Zusatzeffekts. Kleiner Applaus für den Inpulse 500 am Rande: Der Aux-Eingang verfügt als Nebenkanal über seinen ganz eigenen LP/HP-Filterpoti.

Mapping-Abweichungen ergeben sich je nach Software-Präferenz naturgemäß auch bei den Performance-Modi. Von DJCUED-Haus aus stehen die Optionen Hot Cue, Loop Roll, Slicer und Sampler sowie in zweiter Ebene Tone Play, FX, Slicer Loop und Beat Jump bereit. In Serato DJ Lite sind hingegen nur die ersten vier Plätze mit Hot Cue, Manual Loop, Auto-Loop und Sampler belegt. Um das volle Performance-Programm mit Pitch Play, Loop Roll usw. freizuschalten, muss man auf Serato DJ Pro upgraden. Und abermals ein kleiner Zwischenapplaus: Der Controller besitzt pro Playerseite einen gerasterten Push-Encoder für einen Autoloop. Durch ihn lassen sich automatisch taktgenaue Schleifen in unterschiedlichen Längen abgreifen und durch In- und Out-Buttons zusätzlich manuell verändern.

Abschließend noch kurz zum absoluten Alleinstellungsmerkmal der Inpulse-Reihe: die DJ-Learning-Funktionen. Diese sind auch beim Modell 500 vorhanden und können über den Assistant-Button unterhalb des Browser-Encoders zugeschaltet werden. Die Hardware unterstütz den DJ-Lehrling dann auf zweierlei Weise beim Synchronisieren der Tracks: Zum einen zeigen ein linker und rechter Richtungspfeil unterhalb der Jogwheels durch Beleuchtung an, in welche Drehrichtung man nachjustieren muss, um die Beats zu matchen. Für das ursprüngliche Gefühl empfiehlt es sich, den vorhandenen Vinyl-Modus oberhalb der Jogs zu aktivieren. Zum anderen weisen weitere Leuchtpfeile an den Pitchfadern darauf hin, ob man den Regler aufwärts oder abwärts bewegen muss, um die Spielgeschwindigkeit anzugleichen. Der Inpulse 500 hilft als sehr überzeugend jene Hürden zu überwinden, die alle Einsteiger zum Stolpern bringen: Ist der vorgehörte Track zu langsam oder zu schnell? Und muss ich ihn bremsen oder anschieben, um die Takte übereinanderzubringen? Wer konsequent mit den Pfeilhinweisen arbeitet, kann die nervenzerreißende Zeit, bis es in Fleisch und Blut übergangen ist, enorm verkürzen. Welche Playerseite gerade aktiv ist, wird unübersehbar durch beleuchtete Decknummern im oberen rechten Eck angezeigt. Für den Notfall bringt der Inpulse übrigens ebenfalls Auto Sync-Buttons mit.

Ob man ein drittes Assistenzfeature als hilfreich oder verwirrend empfindet, muss jeder für sich selbst herausfinden: die Intelligent-Music-Funktion. Sie erlaubt mittels künstlicher Intelligenz, durch Drücken und Drehen des Browser-Encoders, einen neuen Track mit dem gewünschten Energy-Level zu finden. Das Wunsch-Level wird über einen LED-Ring um den Encoder durch Farbtöne angezeigt. Ein parallel geöffnetes Fenster innerhalb der Software macht dann passende Titel-Vorschläge mit der entsprechenden Farbcodierung. In diesem Zusammenhang eine generelle Kritik, die auch schon bei den vorherigen Inpulse-Controllern zutraf: Es war bei Erscheinen des Controllers keine ausführliche Bedienungsanleitung auffindbar. Weder in der Verpackung noch online auf der Hercules-Website. Diese wird, wie schon in der Vergangenheit, zwar sicher noch online nachgereicht. Aber gerade für ein Tool, das sich an Einsteiger und DJ-Learner richtet, sollte das auch früher möglich sein.

Grundsätzlich ist der DJ Control Inpulse 500 für gerademal 299 EUR ein rundum überzeugendes Einsteiger-Komplettpaket, mit dem ambitionierte Neulinge klassische Skills tatsächlich schneller erlernen und im nächsten Schritt problemlos erste Auftritte absolvieren können. Je nach gewählter Software unterstützt der Controller jetzt auch das direkte Streamen von Songs aus Beatport LINK, Tidal & Co.

Aus dem FAZEmag 101/07.2020
Text: Matthias Tienel
www.hercules.com