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Das Musikgeschäft ist für viele sicherlich eine Art Traum und Mysterium zugleich. Nicht wenige wünschen sich, mit ihrem künstlerischen Schaffen ihren Unterhalt zu verdienen. Doch auch hinter den Kulissen muss alles funktionieren. Einer, der sich ganz dem administrativen Geschäft gewidmet hat, ist Erik Ullrich. Nach verschiedenen Stationen in den unterschiedlichsten Bereichen hat er sich dazu entschlossen, seine eigene Agentur zu eröffnen die sich vor allem der Förderung von jungen Talenten verschrieben hat. Dabei versucht Erik auch ungewöhnliche Wege zu gehen. Jetzt veröffentlicht er eine Compilation, die das künstlerische Schaffen seiner Agentur repräsentiert. Wir haben mit ihm über die Möglichkeiten aber auch Schwierigkeiten einer eigenen Agentur und damit dem administrativen Geschäft gesprochen. Ein kleiner Blick hinter die Kulissen des Musikgeschäfts:

Erik, du arbeitest ja schon etwas länger im Musikgeschäft. Erzähl mal wie du darein gerutscht bist bzw. wie deine Karriere angefangen hat.

Die elektronische Musik fasziniert mich bereits seit meiner Jugend. Da ich musikalisch nicht der Begabteste bin, interessierte mich schon früh der administrative Bereich der hinter einem Künstler steckte, z.B. Booking und Promotion. Nach meinem Abitur wollte ich daher gezielt Musikmanagement studieren. Da dieser Studienzweig hauptsächlich nur von privaten Hochschulen, mit erheblichen Kosten verbunden, angeboten wurde, entschied ich mich für ein solides BWL-Studium mit Spezialisierung „Unternehmensmanagement“. Während meine Studienzeit lernte ich über eine Kommilitonin einen bekannten Berliner DJ & Produzenten kennen. Durch diese Bekanntschaft ergab sich mir die Chance in das Musikgeschäft einzusteigen. In den darauffolgenden Jahren erlebte ich viele schöne Dinge und man konnte zahlreiche Erfolge verbuchen. Doch auch die Kehrseite des Geschäfts offenbarte sich mir. Die Schnelllebigkeit der Clubs, DJs und Promoter. Auch gab es einige Konflikte zu meistern, weswegen ich mich im Juli 2015 entschied meine eigene Agentur zu gründen. So kann ich meine Ideen und mein Verständnis vom Musikgeschäft einfließen lassen. Gerade in der heutigen Zeit ist es mir wichtig Künstler nachhaltig aufzubauen. Und so etwas braucht seine Zeit, die ich mir gerne nehme.

Jetzt reden wir bei deiner Agentur EUAM trotz der Compilation nicht über ein klassisches Label, oder?

Nein dem ist überhaupt nicht so. Vielleicht ist durch das Release von „Diversity of Sounds“ dieser Eindruck entstanden. Jedoch ist EUAM keinesfalls ein Label, sondern eine Booking- und Managementagentur. In meiner Agentur sind sowohl gestandene Künstler als auch junge talentierte Artists vertreten, die sich allesamt auf elektronische Musik spezialisiert haben. Ich bin nicht darauf aus mich auf ein Genre zu konzentrieren. Die Künstler sollen sich den Freiraum nehmen, den sie wollen und brauchen.

Wer sind die Künstler über die wir reden?

Wenn ich jetzt jeden einzelnen vorstellen würde, würde ich wahrscheinlich eure ganze Website blockieren. (Lacht) Doch ich möchte mich an dieser Stelle noch mal für die musikalischen Beiträge für „Diversity of Sounds“ der Künstler Erich Lesovsky, Martin Kleinert, Dominik Hisslinger und Marcus Sur ganz herzlich bedanken. Die einzelnen Tracks des Samplers „Diversity of Sounds“ spiegeln perfekt die Philosophie meiner Agentur wieder.

Das ist ja schon eher ungewöhnlich als Agentur eine EP herauszubringen. Wie kam es zu dieser Idee und was ist die Philosophie dahinter?

Da hast du natürlich nicht unrecht. Ungewöhnlich ist es allemal, jedoch nicht weniger sinnvoll. Denn worum geht es denn bei Künstlern? Dreh- und Angelpunkt ist die Musik, über die sich der Künstler identifiziert und nach außen hin darstellt. Zum einen wollte ich wie oben beschrieben mit dieser Zusammenstellung die Philosophie meiner Agentur musikalisch untermalen, zum anderen meinen Künstlern eine zusätzliche Promotion geben.

Nimm mir die Frage nicht übel, aber da du auch schon länger im Geschäft bist, hat man da nicht Angst mit so kleinen Releases in der großen Masse unterzugehen?

Auch in dieser Frage gebe ich dir recht. Doch wie sagt man so schön wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Leider muss man gerade als kleine Agentur oder auch „kleiner“ Künstler Geld und vor allen Dingen Zeit investieren. Da ich neben den großen und etablierten Labels auf den kauforientierten Streaming- und Downloadportalen wie Spotify, iTunes oder Beatport tatsächlich untergegangen wäre, wird „Diversity of Sounds“ nur als Download auf meiner Homepage angeboten. Natürlich könnte man meinen, dass somit erheblich an Reichweite verloren geht, andererseits habe ich diese Entscheidung bewusst getroffen, um mehr Leute auf die Homepage zu leiten, damit sich diese neben dem Anhören des Samplers auch gleich ausführlich auf den Profilseiten der Künstler informieren können.

Der Start ist gelegt, wie wird es denn nun weitergehen? Wie sehen die Pläne für die Zukunft aus, was sind da die nächsten Steps die ihr angehen wollt?

Die Pläne der Zukunft ist der nachhaltige und langfristige Aufbau der Künstler. Hierbei habe ich letztens durch die enge Kooperation mit den Künstlern Erich Lesovsky und Wigbert zwei Pilotprojekte gestartet, auf die ich sehr gespannt bin. Bei den beiden Kooperationen findet ein enger Austausch statt, wobei ich u.a. auch das Social Media-, PR- und Releasemanagement steuere. Zudem bin ich gerade dabei eine Benchmarkanalyse mit Wigbert zu erstellen um daraus mittel- und langfristige Strategien abzuleiten. Ich freue mich auf die Zukunft und bin stolz auf die Zusammenarbeit mit den Künstlern von EUAM.

www.eu-am.com

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