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Ja, ihr werdet sagen: Die vom FAZEmag schon wieder mit ihren überzogenen Überschriften. Doch lasst euch das mal auf der Zunge zergehen und denkt eine Minute darüber nach. Ist Ibiza noch die Insel, die sie vorgibt zu sein? Gibt es noch diesen „Spirit“, diese Energie? Oder hat sich die Insel verkauft? Verkauft an ein System, in dem sich der Großteil um die Kasse statt die Musik schert. Ein Verhaltensmuster, das sonst mit EDM assoziiert wird. Böser EDM und böses Tomorrowland! Doch was auf Ibiza mittlerweile passiert, unterscheidet sich nicht im Geringsten von dem, was sich für wenige Tage in der holländischen Fantasiewelt abspielt, nämlich die absolute Kommerzialisierung elektronischer Musik. An einem Ort, an dem etwas Derartiges passiert, ist in der Regel kein Platz für Kunst, kein Platz für Kreativität und kein Platz für freie Entfaltung. DJs haben die Erwartungen an dem Abend zu erfüllen, die zwar nicht hoch, jedoch klar definiert sind. Wer sich daran nicht hält, sondern versucht, tatsächlich etwas Besonderes zu erschaffen, der wird mit Unverständnis und Verwirrung bestraft. Denn Offenheit für das Neue, das Unbekannte, die gibt es nicht bei kommerzieller „Kunst“. Ein DJ-Set auf Ibiza bzw. die einzelnen Tracks folgen mittlerweile alle dem selben Muster, eben dem selben Arrangement wie die verpönten EDM-Tracks. In diesem Zusammenhang werden auch gerne Wörter wie „funktionieren“ verwendet. Bei der vergangenen Amnesia Closing-Party spielte Maceo Plex einen Track, der die Menge absolut überforderte. Die Rede ist von „Eric Prydz – Opus“ im Four Tet Remix. Im Video unten seht ihr wie die Raver den „fetten“ Drop erwarten, der aber so wie sie ihn erwarten nicht passiert. Im Gegenteil, der Break wird immer länger, die Atmosphäre immer gewaltiger und obwohl man jeden Moment mit der einsetzenden Kick-Drum rechnet – sie kommt nicht. Als ob man das Licht am Ende des Tunnels sehen kann, das Ende jedoch nie erreicht. Obwohl die Sounds mitreißen und regelrecht ergreifen, langweilen sich die Tänzer, hören auf zu feiern und wenden sich ab, denn es ist nicht das, was sie erwartet hatten. Eine stillschweigende Vereinbarung wurde gebrochen! Das ganze Szenario verdeutlicht auf enttäuschend echte Weise, wie abgestumpft unsere Kultur der elektronischen Musik mittlerweile ist – und das an einem Ort, einem Aushängeschild, wie Ibiza. Was ist passiert?

And one more time M A C E O – P L EX amnesia closing party 2015 10:59am what the fuck is going on here ?!? :-)

Posted by Daniel Ibiza on Sonntag, 4. Oktober 2015

Hier der Track in voller Länge:

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